Menschen

Jazz. Welt. Musik.

Interview: Susanne Rothe

Marion Lenfant-Preus und Alexander Sobocinski bilden seit 2012 das Duo Marion & Sobo. Marion hat ihre Wurzeln in USA und Frankreich, Alexander kommt aus Polen – kennengelernt haben sie sich in Bonn. Ihre Leidenschaft ist der Jazz, weil er ihnen Raum für Improvisation lässt und immer wieder eine Verbindung zu anderen Musikstilen herstellt. Zum Beispiel zur Weltmusik, in der sich Marion und Sobo musikalisch zu Hause fühlen. Marion singt mehrsprachig und Sobo begleitet sie mit seiner Gitarre. Ihre Lieder erzählen Geschichten – mal poetisch, mal humorvoll und immer authentisch. Ein Gespräch mit Marion und Sobo über die Musik, ihre Ziele und Wünsche:

Wir sind mit Marion und Sobo an einem heißen Spätnachmittag in der Redaktion verabredet. Die beiden kommen mit den Fahrrädern aus der Altstadt auf die andere Rheinseite gefahren. „Hallo, ich bin Sobo“, stellt sich Alexander Sobocinski vor. Marion spricht mit einer wunderbaren französischen Nuance in der Stimme. Sie redet, wie sie singt: klar, weich und mit einem kleinen Lächeln. Marion und Sobo sind lebhafte Gesprächspartner und sprudeln über vor Leidenschaft zur Musik.

Marion Lenfant-Preus und Alexander Sobocinski bilden seit 2012 das Duo Marion & Sobo

Marion Lenfant-Preus und Alexander Sobocinski bilden seit 2012 das Duo Marion & Sobo

Seid ihr „nur“ ein Duo oder auch ein Paar?

Sobo: Die Frage wird uns eigentlich immer gestellt.

Sie liegt nahe. Und wie ist es?

Sobo: Ja, wir sind auch privat zusammen. Aber das waren wir nicht, als wir angefangen haben, gemeinsam Musik zu machen.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Sobo: Wir haben uns bei einer Jam-Session, die ich im ehemaligen Café Göttlich organisiert hatte, kennengelernt.
Marion: Ich habe in Bonn einen Ort gesucht, an dem ich Musik machen kann. So bin ich im Göttlich gelandet. Ich bin dann zweimal im Monat zur Session gegangen.

Wegen Sobo?

Marion: (lacht) Nein, wegen der Musik.
Sobo: Die Musik stand im Vordergrund. Wir hatten ein tolle Zeit im Café Göttlich, bis es geschlossen wurde. Wir haben ganz viele Musiker aus der lokalen und überregionalen Szene kennengelernt. Als wichtigste Bekanntschaft habe ich natürlich die von Marion gemacht – musikalisch und privat.
Marion: Die Jam-Session war die ideale Plattform um zu netzwerken. Man trifft sich und musiziert gemeinsam und erhält gleichzeitig einen Überblick über die Szene.

Gibt es in Bonn eine Musikszene für Jazz?

Sobo: Sie ist klein, aber fein. Es gibt beispielsweise im Café FAZ in der Uni noch eine regelmäßige Jam-Session für Jazz. Darüber hinaus gibt es in Bonn Szenen für verschiedene Stile. Die einzelnen Szenen vermischen sich aber nicht so einfach, denn es sind völlig verschiedene musikalische Welten. Betrachtet man einmal den Jazz alleine, sieht man, dass er eigentlich improvisierte Musik ist, die zu anderen musikalischen Stilrichtungen wie zum Beispiel dem Rock, Pop und der Weltmusik Brücken schlägt.

Wo ordnet ihr euch ein?

Sobo: Jazz/Weltmusik. Dafür gibt es auch eine Szene, die sehr klein und familiär ist.
Marion: Jeder kennt jeden und man lädt sich gegenseitig ein, um Musik zu machen. Es gibt in Bonn sehr gute Musiker, was man nicht immer mitbekommt, weil sie nicht nur in Bonn spielen.

Wo kann man euch hören?

Sobo: Im Macke-Viertel in der Fabrik 45 zum Beispiel. Das ist ein relativ neuer Ort, der sich nicht nur der Musik, sondern der Kunst insgesamt widmet. Dort gibt es Ausstellungen, Theater, Songslams sowie Poetryslams und natürlich Konzerte. Am 27. April 2018 treten wir dort wieder auf und spielen mit Gypsyjazz-Musiker Joscho Stephan zusammen.
Marion: Wir spielen nicht nur in Bonn. Gerade im Sommer sind wir regelmäßig auf Tour. Wir waren in Berlin und Hamburg. Jetzt stehen ein paar Festivals an, bei denen wir spielen. Außerdem werden wir immer wieder für regionale und überregionale Veranstaltungen gebucht.

Wie schwer ist es, wenn man als Berufsmusiker Fuß fassen möchte?

Marion: Es ist nicht einfach. Als Freiberufler muss man sich sehr gut darüber im Klaren sein, was es heißt. Von April bis Dezember ist für uns die beste Zeit. Wir sind viel unterwegs und geben Konzerte. Dazu gehört aber auch, dass wir Büroarbeit zu erledigen haben und unser eigener Agent sind. Man muss vorausschauend sein und gut organisieren können.

 

 

War es immer euer Wunsch, Berufsmusiker zu werden?

Marion: Das kann ich nicht eindeutig beantworten. Tatsächlich habe ich Fremdsprachen studiert. Aber ich komme aus einer Musikerfamilie, in der ich mitbekommen habe, wie es ist, von Musik zu leben. Meine Tanten sind Sängerin und Geigerin. So habe ich als Kind schon erfahren, dass es nicht einfach ist. Aber es war schon mein Traum, es einmal auszuprobieren.

Hast du als Kind schon Musik gemacht?

Marion: Meine Eltern haben uns wählen lassen, ob wir Kinder ein Instrument lernen möchten oder nicht. Ich habe Geige gelernt und immer schon etwas gesungen. Als Teenager habe ich dann begonnen, Songs zu schreiben und zu komponieren.
Sobo: Das merkt man und hört man ihr an. Das, was Marion gemacht hat, ist viel mehr wert als ein Studium. Ich bin den anderen Weg, den akademischen, gegangen und komme zudem aus einer nicht musikalischen Familie. Ich merke, wieviel besser es ist, ein musikalisches Grundwissen zu haben. Ich muss mir alles erst erarbeiten. Marion versteht sofort alles und ordnet es musikalisch ein.

Wie bist du dann zur Musik gekommen?

Sobo: Meine Mutter hat mir immer angeboten, ein Instrument zu lernen. Aber ich musste es nicht und so habe ich immer „Nein“ gesagt. Mit 15 Jahren änderte sich das. Ich habe meine Haare wachsen lassen und gemerkt, dass Jimi Hendrix, Francis pink Floyd, Led Zeppelin tolle Gitarristen sind. Ich fand das sehr cool und wollte plötzlich auch Gitarre spielen. Das war der Umbruch in meinem jugendlichen Leben. Ich habe mich musikalisch fortgebildet und auf Flohmärkten Platten gekauft, Gitarrenunterricht genommen und bin step by step beim Jazz gelandet. Dann habe ich herausgefunden, dass man Jazzgitarre studieren kann und bin zum Studium nach Arnheim gegangen.

Ihr habt eben gesagt, dass ihr Jazz/Weltmusik spielt. Was heißt das?

Sobo: Nach meinem Verständnis ist Jazz eine Stilrichtung, die Raum für improvisierte Musik gibt. Das heißt, es entstehen immer Stilmixe. In unserem Fall geht es unter anderem in Richtung Weltmusik, weil für uns die nativen akustischen Stile wie zum Beispiel Tango und brasilianische Musik eine besondere Bedeutung haben. Aber auch die Musik der Sinti und Roma ist uns wichtig. Damit sind wir beim Gypsy Swing, den Django Reinhard in den 1930er Jahren als Gypsy Jazz begründet hat. Wir begreifen uns als Musiker, die alles unter dem Begriff des Jazz zusammenbringen. Wir improvisieren sehr viel und daher ist jedes Konzert von uns ein bisschen anders. Unser rote Faden verläuft nicht linear. Ihr schreibt eure Stücke selbst.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Marion: Manchmal schreibe ich ein Stück und Sobo komponiert im Anschluss. Vom Grundsatz her arbeiten wir eher zusammen. Einer hat eine Idee und dann entwickeln wir das Stück gemeinsam. Das ist dann wie Pingpong. In diesem Herbst nehmen wir ein neues Album auf und wir haben uns diese Woche gezielt zusammengesetzt und gemeinsam daran gearbeitet.

Könnt ihr schon etwas über das neue Album sagen?

Sobo: Wir spielen bei unserem dritten Album ausschließlich mit der Marion & Sobo Band, mit der wir jetzt auch beim Wettbewerb „creole – Globale Musik aus NRW“ in die Endrunde gekommen sind und im Herbst beim Finale in Dortmund antreten.
Marion: Im Kern bleiben wir zwar ein Duo, aber im Hinblick auf unsere Weiterentwicklung möchten wir neue Leute an Bord holen. Durch die Marion & Sobo Band erweitern wir unsere Klangfarben. Das spiegelt sich auch in der Besetzung der Band wider. Wir handhaben sie flexibel: Wir haben einen Kontrabassisten, einen Solisten und ein Rhythmus-Instrument. Der Solist kann ein Geiger oder ein Saxophonist sein. Das Rhythmus-Instrument kann ein Klavier oder eine andere Gitarre sein. Durch den Wechsel erhalten wir immer andere Klangfarben.

„Migrateurs“, das neue Album von MARION & SOBO, vereint Jazz & Weltmusik mit französischsprachigen Texten. Selbst arrangierte Stücke und eigene Kompositionen erzählen in poetischer und humorvoller Art Geschichten aus dem Leben: von anstrengenden Nachbarn, romantischen Liebesgeschichten, frustrierenden Beziehungen und Reisen nach Nah und Fern. Mit Swing, Jazz, Bossa Nova, Klängen aus Afrika, und vom Balkan sowie Bearbeitungen von traditionellen Chansons zeigen MARION & SOBO nun mit „Migrateurs“, wie international französische Musik sein kann. shop@alexandersobocinski.com

Hast du, wenn du die Lieder schreibst, schon die Musik im Kopf?

Marion: Oft habe ich einen Rhythmus im Kopf, da die Wörter für sich genommen schon einen eigenen Rhythmus haben. Deswegen ist es auch schwierig, Texte für eine vorgegebene Melodie zu schreiben. Ich versuche den Rhythmus, während ich schreibe, im Kopf zu behalten, um im Flow zu bleiben. Wenn es dann ans eigentliche Komponieren geht, löse ich mich davon, und sehe den Text nur noch als Text.
Sobo: Im Übrigen kommen einem Ideen zu Texten und Melodien zu allen möglichen Zeiten und völlig unerwartet. Ich halte sie dann beispielsweise auf meinem Handy fest oder mache mir anderweitig Notizen. Ich habe mittlerweile gelernt, immer etwas dabei zu haben, um meine Ideen festzuhalten und nicht im Chaos zu versinken.

Zur Kreativität gehört also auch Disziplin?

Sobo: (lacht) Auf jeden Fall.

Habt ihr musikalische Vorbilder?

Sobo: Django Reinhardt natürlich und Ella Fitzgerald. Außerdem ist für mich Miles Davies sehr wichtig – und zwar nicht nur musikalisch, sondern auch von seinen Ideen her. Er hat in seiner musikalischen Entwicklung eine Kurve, die niemand hat. Er war stets innovativ und hat nie vergessen, sich selbst neu zu erfinden. Bei Django Reinhardt ist es ähnlich. Für mich ist es ebenfalls wichtig, innovativ zu bleiben und mich als Künstler frisch und up-to-date zu halten.
Marion: Ella Fitzgerald ist mein Vorbild, weil sie ihre Stimme wie ein Instrument benutzt hat. Ein anderes Vorbild ist Sting. Er ist auch ein Musiker, der sich ständig entwickelt hat. 

 

www.marionandsobo.com

 

Fotos: Marion & Sobo (5)

    

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