„Kaffee und Liebe sind heiß am besten“, sagt ein deutsches Sprichwort. Dem möchte man nicht widersprechen, denn kalter Kaffee schmeckt eigentlich niemandem. Auch Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, Kaffeefan und französischer Außenminister unter Napoléon I., hatte genaue Vorstellungen, wie der perfekte Kaffee sein muss: „Er muss schwarz sein wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe“, so beschrieb er seine Vorliebe. Talleyrand hat seine letzte Tasse Kaffee schon lange getrunken, doch er hätte sicher seine Freude daran, wie guter Kaffee heute zelebriert wird.
kaffee schmeckt, Simone Gerwing

Simone Gerwing

Simone Gerwing, Foto © P. M. J. Rothe

Die Zubereitungsarten und -rituale sind so vielfältig wie noch nie. Altes und Modernes, Tradition und Innovation haben sich auch bei der Kaffeezubereitung miteinander arrangiert oder gar verbunden. Vollautomat, Espressomaschine, mit der Hand aufgebrüht und gefiltert, im Glas oder in der Tasse serviert … Kaffee & Friends sind nicht nur Getränk, sondern Genuss, Lebenselixier, Kult und letztendlich immer wieder Geschmackssache. Kaffee trinkt man frühmorgens zu Hause, während der Arbeit, bei einem Plausch mit der besten Freundin und gerne im Café. Ein solcher Besuch gehört zum Stadtbummel oder täglichen Einkauf einfach dazu. Im Café trifft man Freunde, tauscht sich für eine Espressozeitspanne aus oder genießt ihn allein. So manch einer verlegt sein Homeoffice ins Café an der Ecke.

Kaffee hat, bis er als aufgebrühtes Getränk in der Tasse oder dem Becher landet, „to go“ gekauft oder im Café getrunken wird, einen weiten Weg hinter sich. Aus den Anbauländern wird der Rohkaffee in alle Welt transportiert und landet über die großen Hafenstädte in den Betrieben der Verarbeiter. Dort wird er entkoffeiniert, geröstet oder zu löslichem Kaffee weiterverarbeitet. Das Rösten zählt zu den wichtigsten Momenten im Leben einer Bohne, die darüber entscheiden, wie sie in flüssiger Konsistenz einmal schmeckt: „schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe“. So mochte ihn nicht nur Fürst Talleyrand am liebsten, sondern auch die Gäste im „kaffee schmeckt“ in Bonn-Oberkassel. Simone Gerwing pflegt in dem kleinen Café ein Stück Kaffeekultur:

Wie bist du auf die Idee gekommen, „kaffee schmeckt“ zu gründen?
Es war immer ein Traum von mir. Kaffee ist viel mehr als ein Heißgetränk. Nimmt man sich Zeit für einen Kaffee, Espresso oder Cappuccino, dann nimmt man sich auch Zeit für sich selbst. Kaffee ist nicht nur ein Muntermacher, er ist Genuss, vielfältig und facettenreich. Es gibt über 800 verschiedene Aromen von Kaffee, das finde ich sehr faszinierend.

Was hast du vorher gemacht?
Ich komme aus der Genussbranche. Ich habe 20 Jahre für Wein Wolf Import gearbeitet. Ich war zunächst im Produktmanagement und später im Bereich Social Media.

Hast du eine spezielle Ausbildung gebraucht, um einen leckeren Espresso zuzubereiten?
Ich habe in der Bonner Kaffeeschule eine Ausbildung zur Barista gemacht. Kaffee ist ein sehr großes Thema und man muss erst einmal einiges an theoretischem Wissen ansammeln, das dann praktisch angewendet werden muss.

Was unterscheidet „kaffee schmeckt“ von anderen Cafés?
Wir verarbeiten nicht nur regionale Produkte, sondern sie müssen auch bio sein. Das ist mir sehr wichtig. Außerdem achte ich darauf, dass der Kaffee fair gehandelt ist. Ich beziehe meinen Kaffee von der Bonner Kaffeebrennerei. Sie besucht regelmäßig die Kaffeeursprungsländer und achtet auf den Kaffeefarmen auf die Anbaubedingungen, auf Qualität, Nachhaltigkeit und faire Preise. Ich verarbeite außerdem eine sehr, sehr gute Milch, eine Bio-Vollmilch. Sie hat einen schönen Fettanteil, was meinen Kaffee besonders macht. Dies alles genießt man in einem Ambiente, das modern, ein bisschen minimalistisch und dennoch gemütlich ist. Eine Kaffeepause wird bei uns zu einem Kurzurlaub inmitten des schnelllebigen und rastlosen Alltags.

In „kaffee schmeckt“ kann man auch Champagner trinken …
Genau. Ich habe immer gesagt: Kaffee schmeckt – und Champagner auch. Da spricht aus mir meine Erfahrung aus der Weinbranche. Man kann bei mir auch frühstücken. Es gibt außerdem leckere Zimtschnecken, Kuchen sowie Brotzeiten, die gut zum Champagner passen.

Was macht einen Espresso zu einem guten Espresso?
Klein, stark und schwarz soll er sein. Nicht zu bitter, aber auch nicht sauer. Und intensiv schmecken muss er. Die Bohne muss perfekt sein. Sie muss vor allem frisch sein. Kein Barista würde mit Kaffees arbeiten, die schon einige Monate im Regal stehen. Letztendlich spielen vier Faktoren eine Rolle: Kaffeemaschine, Kaffeemischung, Kaffeemühle und das Handwerk des Baristas. Dann darf eine schöne Crema nicht fehlen, die drei Millimeter hohe, dichte, goldbraune Schaumschicht, die den Espresso schmückt.

kaffee schmeckt

Kaffeetafel

Foto © P. M. J. Rothe

Mit welcher Sorte Bohne arbeitest du?
Meine Hauptbohne ist die HEROES #1. Der Kaffee ist sehr vollmundig und hat Aromen von dunkler Schokolade, Mandel und dezenter Frucht. Wahlweise habe ich noch den New Noise – ein 100 % Robusta, vollmundig, säurearm mit Aromen von Nuss und Kakao mit einer eleganten Bitternote.

Gibt es im „kaffee schmeckt“ auch Filterkaffee?
Ja, den gibt es bei mir neuerdings auch. Ich brühe den Sweet Dreams auf. Er ist etwas süßlicher und besitzt ein ganz tolles Kirscharoma. Der Kaffee ist sehr sanft und harmonisch.

Wann ist die beste Zeit, um einen Espresso zu trinken?
Espresso kann man eigentlich immer trinken. Aber viele meiner Gäste kommen direkt morgens auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen und genießen in Ruhe den ersten Espresso des Tages.

Was ist dein persönlicher Kaffee-Favorit?
Ich mag am liebsten einen Cappuccino.
(Susanne Rothe)

kaffee-schmeckt.de