Etwa 4,5 Millionen Deutsche leiden an Makulaerkrankungen, deren häufigste Form die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist. Damit ist diese unheilbare Erkrankung der Netzhaut in Deutschland die häufigste Ursache schwerer Sehbehinderung bei Menschen über 60 Jahren. Dr. Felix Roth ist ärztlicher Leiter der Augenklinik Roth in Bonn-Beuel und verfügt über jahrelange Expertise in der Behandlung von AMD. Er erklärt, was die Erkrankung bedeutet, wie man ihren Verlauf verzögern kann und wie wichtig Früherkennung ist.
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Was bedeutet die Diagnose Makuladegeneration?
Makulaerkrankungen sind Erkrankungen, die den „Punkt des schärfsten Sehens“, die Makula lutea, betreffen. Die häufigste Form ist die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Die Makula wird auch gelber Fleck genannt und liegt in der Mitte der Netzhaut. Alles, was wir sehen möchten, wird mit dieser Stelle fixiert. Erkrankt die Makula, sind schwere Sehbeeinträchtigungen die Folge.

Wie äußern sich die Symptome?
Einige typische Anzeichen einer AMD sind, dass in frühen Stadien Buchstaben und Gesichter unscharf erscheinen und in der Mitte des Schriftbildes verschwommene Schatten entstehen. Beim Fortschreiten der Erkrankung, kann sich in der Mitte des Sehfeldes ein dunkler, verschwommener Fleck zeigen und Gegenstände sowie gerade Linien wirken verzerrt. Außerdem kann der Fleck im Sehfeld immer größer werden. Schließlich sehen die Betroffenen nur noch schemenhafte Umrisse.

Steht am Ende eine vollständige Erblindung?
Die AMD kann zwar zur Erblindung im Sinne des Gesetzes führen. Den Betroffenen bleibt jedoch in der Regel ihre Orientierungsfähigkeit durch das Umfeld-Sehen erhalten. Aber die zentrale Sehschärfe kann so stark beeinträchtigt sein, dass Autofahren, in normaler Schriftgröße lesen, Fernsehenschauen kaum mehr möglich sind. Man erkennt beispielsweise eine Uhr, aber die Uhrzeit können die Betroffenen nicht mehr ablesen.

Ist automatisch auch das zweite Auge betroffen?
Nein, nicht unbedingt. Aber Studien haben gezeigt, dass für das zweite Auge ein erhöhtes Risiko besteht.

Es gibt zwei Formen von AMD …
Ja, die feuchte und die trockene AMD. 85 Prozent aller Patienten erkranken an einer trockenen Form. AMD kann nicht geheilt, aber der Erkrankungsprozess hinausgezögert werden. Bei der trockenen AMD baut sich die Netzhaut im Bereich der Makula nach und nach ab. Sie wird immer dünner und kann komplett absterben. Das zentrale Sehen verschlechtert sich ganz gravierend. Ursache ist ein gestörtes Versorgungssystem der Netzhaut. Die feuchte AMD ist seltener, aber aggressiver. Sie entwickelt sich meistens aus einer trockenen AMD und führt unbehandelt schneller zu einer Sehverschlechterung. Bei betroffenen Patienten wird, wie bei der trockenen AMD, die Netzhaut nicht richtig versorgt und diese reagiert in dem Fall mit einem Wachstum neuer Blutgefäße. Das Problem ist, dass diese Gefäße durchlässig sind und so Flüssigkeit und Blut in und unter die Netzhaut gelangen. Die hebt sich dadurch ab.

Wer ist von AMD betroffen?
Meistens sind das Menschen, die 60 Jahre alt und älter sind. Frauen sind stärker betroffen als Männer.

AMD Diagnostik – OCT gesundes Auge
Diagnostik – OCT gesundes Auge

Wie wird die Diagnose gestellt?
Einen frühen Anhaltspunkt, ob die Augen möglicherweise von einer AMD betroffen sind, liefert der Amsler-Gitter-Test. Die Patienten betrachten das Gitter bei Tageslicht aus ca. 30 bis 40 Zentimetern Entfernung. Der Test wird für beide Augen getrennt durchgeführt. Zunächst wird ein Auge abgedeckt und mit dem offenen Auge auf den schwarzen Punkt in der Mitte des Gitters geschaut. Es werden dann folgende Fragen gestellt: Erscheinen
Linien oder Quadrate verzerrt oder gewellt? Sind bestimmte Bereiche im Gitter verschwommen? Sehen Sie leere Stellen im Gitter? Fehlt dem Gitter eine Ecke? Nehmen Sie einen grauen Schatten im Gitter wahr? Der Test wird dann mit dem anderen Auge wiederholt. Das ist jedoch wirklich nur ein früher Hinweis. Es folgen dann weitere Untersuchungen.

Wie sehen diese aus?
Es sind vor allem bildgebende Verfahren, die bei der Diagnostik von Störungen der Netzhautmitte helfen. Da wäre zunächst die Angiografie. Dieses Darstellungsverfahren gibt uns Aufschlüsse über die Durchblutungssituation der Netzhaut. Das Gefäßsystem der Netzhaut wird mithilfe eines Farbstoffes sichtbar gemacht. Dabei wird der Farbstoff in eine Vene gespritzt und anschließend die Netzhaut fotografiert. Eine Hauptrolle bei der Diagnose spielt die Optische Kohärenztomografie (OCT). Die OCT ist ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren, das einen optischen Schnitt durch die Netzhaut legt. Die OCT kann man mit einem CT vergleichen, nur wird statt Röntgenstrahlen das Licht eines ungefährlichen Lasers verwendet.

Wie sieht die Behandlung aus?
Für die trockene AMD gibt es noch keine wirkungsvollen Behandlungsmöglichkeiten. Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung ist ganz wichtig, weil dadurch Blutdruck und Blutfettwerte günstig beeinflusst werden. Bei der feuchten AMD ist die intravitreale Injektion mit VEGF-Hemmern die Therapie der ersten Wahl. Sie kann den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und in der Regel anfangs sogar zu einer deutlichen Sehverbesserung führen. Die Medikamente werden bei der Therapie mit einer feinen Nadel in den Glaskörper des Auges injiziert. Dies geschieht unter sterilen Bedingungen wie bei jeder Augenoperation. Das Auge wird zuvor örtlich betäubt, sodass die Behandlung nicht schmerzhaft ist. Die Medikamente wirken nur eine bestimmte Zeit; daher sind in der Regel wiederholte Injektionen erforderlich. Ziel ist es, die Menge so gering wie möglich zu halten. Für den Erfolg der Therapie ist es allerdings bei jedem Therapieschema wichtig, dass die Patienten Kontroll- und Therapietermine einhalten.

Welche Risikofaktoren spielen bei der AMD eine Rolle?
Die genauen Ursachen, die für das Entstehen einer AMD verantwortlich sind, sind nicht bekannt. Allerdings weiß man, dass bestimmte Faktoren die Augenerkrankung begünstigen. Dazu gehören Rauchen, direkte Sonneneinstrahlung, Alter, Geschlecht und eine genetische Komponente.

Kann ich selbst vorbeugend etwas tun?
Ganz wichtig ist es, die Früherkennungsprogramme der Augenärzte wahrzunehmen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser ist eine Makuladegeneration behandelbar. Grundsätzlich gilt, dass ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr eine gründliche Augenuntersuchung stattfinden sollte, um Verschlechterungen schnellstmöglich festzustellen. Wie schon erklärt, ist AMD nicht heilbar, aber Untersuchungen haben gezeigt, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen, Mineralien und sogenannten Antioxidanzien den Verlauf verzögern kann. Deshalb sollten einmal pro Woche grünes Gemüse und Obst wie Brokkoli, Spinat, Trauben und Kiwis, fetter Seefisch wie Lachs, Walnüsse und Hülsenfrüchte sowie Rapsöl auf dem Speiseplan stehen. Auch Omega-3-Fettsäuren sind wichtig.

Was kann ich tun, um mit AMD besser leben zu können?
Wichtig ist, dass man sich immer wieder bewusst wird, dass das Leben weitergeht. Neben den Behandlungsarten gibt es eine Reihe von Rehabilitationsmöglichkeiten und technische Hilfen. Dazu gehören beispielsweise Lupenbrillen, Bildschirmlesegeräte, Sprachausgaben für Computer, Hörbücher und Großdruckausgaben von Büchern.

Fotos: Augenklinik Roth (2)

Die Augenklinik Roth bietet alle Möglichkeiten der modernen Augenheilkunde. Neben der konventionellen Diagnostik gehört zur anspruchsvollen Ausrüstung auch das ganze Spektrum der computergestützten bildgebenden diagnostischen Verfahren. Alle in der Augenheilkunde bewährten Laser werden vorgehalten. Eine funktionell optimale, hygienezertifizierte Operationsabteilung mit mehreren mikrochirurgischen Arbeitsplätzen ermöglicht alle Eingriffe der modernen Augenheilkunde.

AugenklinikRoth am St. Josef-Hospital Beuel
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