Vor drei Jahren feierte sie ihren 100. Geburtstag – die Obstkelterei van Nahmen ist nicht mehr die Jüngste. Doch reich an Erfahrung, mit Mut zur Innovation und viel Liebe zum Mosterhandwerk keltert das Unternehmen heute bereits in vierter Generation Saft aus heimischen Früchten. Eine Familiengeschichte, in der Leidenschaft eine große Rolle spielt:

1917 wurde das niederrheinische Unternehmen in Hamminkeln als rheinische Apfelkrautfabrik gegründet – mitten im Krieg und zu einem Zeitpunkt, an dem die Menschen kaum noch etwas zu essen hatten. Van Nahmen und Äpfel – das war Liebe von Beginn an, doch um Apfelsaft ging es erst Jahre später: 1930 entschied sich Wilhelm van Nahmen, den Betrieb um die Produktion von Apfelsaft zu erweitern. „Mein Großvater kooperierte mit Bauern aus der Region, die ihm Äpfel von hochstämmigen Bäumen, die charakteristisch für die für den Niederrhein und das Münsterland typischen Streuobstwiesen sind, zum Keltern brachten und im Gegenzug naturreinen Saft erhielten“, sagt Peter van Nahmen, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet und es liebevoll als „Saftladen“ bezeichnet. Mit dem sogenannten Lohn-Most-Verfahren habe Wilhelm van Nahmen so viel Saft produziert, dass er den gesamten Niederrhein beliefern konnte. „Bis heute nehmen wir Obst von Streuobstwiesenpartnern und Privatpersonen aus der Region an und verarbeiten es zu unserem leckeren Direktsaft“, betont van Nahmen. Die Neuausrichtung des Unternehmens war ein entscheidender Schritt für die Privatkelterei, die Wert darauf legt, den Saft aus heimischen Früchten selbst zu keltern. „Somit haben wir von Anfang an Einfluss auf die Qualität unserer Produkte“, erklärt der Firmenchef.

Der Apfel ist eine der ältesten Kulturobstsorten. Um seltene Sorten vor dem Aussterben zu bewahren, setzt sich van Nahmen gemeinsam mit dem Naturschutzbund NABU seit über 25 Jahren für den Erhalt heimischer Streuobstwiesen ein. Streuobstwiesen liefern nicht nur Obst in großer Vielfalt an Sorten, Aussehen und Geschmack, sondern bieten auch 1.000 unterschiedlichen Tierarten einen Lebensraum.

Obstkelterei van Nahmen
Obstkelterei van Nahmen
Frisch von der Streuobstwiese: Die Äpfel sehen nicht nur schön aus, sie schmecken auch sehr gut.

„Ich kenne meine langjährigen Lieferanten persönlich und schließe damit die Anonymität der industriellen Obstsafterzeugung bewusst aus.“

as Unternehmen unterstützt die Anlage von Streuobstwiesen, indem es sich in einem Aufpreis-Projekt verpflichtet, Obstwiesenbesitzern reifes und ungespritztes Hochstammobst abzunehmen und dafür einen mehr als handelsüblichen Preis zu zahlen. „Streuobstwiesen können auf diese Weise profitabel betrieben und im Sinne des Landschaftsschutzes aufgeforstet werden“, erklärt Peter van Nahmen. Zweimal im Jahr werden in einer gemeinsamen Pflanzaktion 500 bis 800 Obstbäume angepflanzt. „Ich kenne meine langjährigen Lieferanten persönlich und schließe damit die Anonymität der industriellen Obstsafterzeugung bewusst aus“, so van Nahmen.

Alte Apfelsorten, wie Jakob Lebel, Rote Sternrenette und Kaiser Wilhelm, ergeben einen besonders köstlichen und gehaltvollen Apfelsaft. Peter van Nahmen beschloss daher 2007, Obstsorten nur noch sortenrein zu keltern. Die ungespritzten und sehr geschmacksintensiven Äpfel alter Kultursorten werden zu einem Zeitpunkt geerntet, an dem sie voll ausgereift sind – denn dann haben sie am meisten Fruchtzucker und ein ganz eigenes Aroma. Die Ernte von Streuobstwiesen und hochstämmigen Obstbäumen ist anstrengend. Das weiß natürlich auch Peter van Nahmen: „Doch es macht sehr viel Spaß, einen Apfel zu ernten, der noch nach Apfel schmeckt.“

Obstkelterei van Nahmen
Obstkelterei van Nahmen
Die Ernte von Obst, das an hochstämmigen Bäumen wächst, ist anstrengend. Sabine und Peter van Nahmen gönnen sich einen Apfel.
Mehr als 30 unterschiedliche Obstsäfte und -nektare werden abgefüllt.

Gekeltert wird bei van Nahmen nach alter Mostertradition. Der hohe und gesundheitsfördernde Polyphenolgehalt bleibt durch das schonende Mostverfahren im Saft erhalten. Bevor die Äpfel verarbeitet werden, müssen sie gründlich gewaschen werden. Danach werden auf einem Verleseband die schlechten von den guten Äpfeln getrennt. Letztere werden, indem sie in einer Obstmühle gemahlen und gepresst werden, zu Saft. Dieser bleibt naturbelassen – ohne zusätzlichen Zucker, ohne Konservierungs- und ohne Aromastoffe! Zur Haltbarmachung wird der Saft pasteurisiert. Die Pasteurisation ist, so van Nahmen, eine der qualitätsschonendsten Haltbarmachungstechniken, durch die die wertvollen Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien, Spurenelemente weitestgehend erhalten bleiben.

Die Privatkelterei führt in ihrem Sortiment über 30 unterschiedliche Obstsäfte und -nektare. Frucht-Secco, Juicy Tea und Cidre komplettieren das Produktportfolio. Peter van Nahmen: „Zu jedem Gericht findet man bei uns das passende Getränk.“ Das wissen auch Sterneköche wie Tim Raue, Joachim Wissler und Hans Stefan Steinheuer zu schätzen.

Die „schlechten“ Äpfel werden aussortiert, die „guten“ werden zu Saft verarbeitet.

Was ist eine Streuobstwiese?
Der Begriff Streuobstwiese bezeichnet Anpflanzungen von hochstämmigen Obstbäumen, die „verstreut“ in der Landschaft stehen. Streuobstwiesen entstanden zu einer Zeit, als die Landwirtschaft und der Obstbau noch nicht voll mechanisiert waren.

vannahmen.de

Fotos: van Nahmen Privatkelterei (7)