„Hallo! Akla?
Wowimat?
StimSt btw. MFG*“
Die Daumen fliegen über die Tastatur: „Bin gleich da. Hdl, Tom :-)“. Senden und schon ist die SMS auf dem Weg zum Empfänger. Die Kurznachricht zählt mehr als 20 Jahre nach ihrer Erfindung zu den beliebtesten Kommunikationsmitteln. In diesem Jahr werden nach Berechnung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) voraussichtlich 63 Milliarden SMS in Deutschland versendet. Eine Steigerung um gut sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Friedhelm Hillebrand hat den Short Message Service miterfunden. Der Ingenieur lebt in Bonn und berät mittlerweile Anwälte, Netzbetreiber und Hersteller in Patentfragen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Wie halten Sie es persönlich mit der Kommunikation?
Ich verschicke beruflich vor allem E-Mails. Aber wenn ich jemand ganz dringend erreichen möchte, und der befindet sich beispielsweise in einem Beratungsgespräch, dann sende ich ihm eine SMS. Dies ist ihr großer Vorteil: Man ist unabhängig von Zeit und Ort. Innerhalb der Familie schreiben wir uns sehr häufig Kurznachrichten.

Wann haben Sie dann Ihre letzte SMS geschrieben? Das war erst heute Morgen (lacht).
Jeder Deutsche verschickt mittlerweile 740 SMS pro Jahr. 1999 waren es 44. Hat die SMS den Brief abgelöst? Das kann man so nicht sagen. Die SMS spielt eher in der Klasse der Postkarten, die schon lange neben der ausführlichen Kommunikation per Brief bestehen. Beides hat seine Berechtigung. Denken Sie auch einmal an die Faxe von früher, die Botschaften waren in etwa so lang wie eine SMS. Trotz Existenz dieser Kurzformen hat man uns, als ich das Konzept zur SMS entwickelte, für rückständig gehalten, einen Kommunikationsdienst so zu begrenzen. Aber es hat sich durchgesetzt, und das finde ich auch 20 Jahre später noch phänomenal.

Sie sprechen von Konzept, das heißt, die SMS war kein Zufall?
Genau, wir sind ganz gezielt und bewusst vorgegangen. Und mit „wir“ meine ich ein Kernteam von vier Menschen, dazu gehörten neben mir, der das Konzept entwickelt hat, Finn Trosby (Telenor) sowie Kevin Holly von Cellnet und Ian Harris von Vodafone, die die technische Realisierung bis ins Detail verantworteten.

Sie sind also der Erfinder?
Das Konzept der SMS nutzt viele bekannte Elemente. Die wirkliche Neuheit dabei ist ihre Komposition. Insofern könnte man sagen: Ich bin der Erfinder. Bis es realisiert war, war es aber eine Tat von vielen Leuten.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?
Die Europäische Konferenz der Post- und Fernmeldeverwaltungen (CEPT) arbeitete seit 1982 an einem europäischen Mobilfunkstandard (GSM). Wir haben uns dann 1984 in Deutschland und Frankreich Gedanken darüber gemacht, welche Dienste man neben der Sprache im D-Netz anbieten könnte. Wir haben zunächst Datenübertragungsdienste für professionelle Anwendungen – wie die damals bekannte Modemübertragung im Telefonnetz – konzipiert. Es ging mir dann darum, etwas auf das im Entstehen befindliche Mobilfunknetz aufzusetzen, das ohne großen Aufwand und Anspruch an die Technik funktioniert und daher von jedem Kunden genutzt werden konnte. Das Ergebnis war die SMS mit 160 Zeichen. Die erste Version des endgültigen Standards wurde Anfang 1989 verabschiedet.

Haben Sie mit diesem Boom, wie wir ihn bis heute haben, gerechnet?
Nein, das hat niemand ahnen können. Wir haben darüber nachgedacht, dass es eine faszinierende Idee ist, dachten aber bei den Einsatzmöglichkeiten an Autotelefone. Keiner von uns hat sich vorgestellt, dass GSM-Geräte allgegenwärtig und weltweit verbreitet sein würden. Als die D-Netze dann ab 1992 verfügbar waren, unterstützten alle Netze SMS, aber keiner nutzte es. Die Jugend hat schließlich der SMS zum Durchbruch verholfen. Sie haben die Kurznachrichten als schnelle und unkomplizierte Nachrichtenübertragung entdeckt. Dies war etwas, was ihre Eltern und Lehrer nicht beherrschten. Die Jugendlichen haben die Technik als erste verstanden und waren stolz darauf. Damals kauften Eltern oder Großeltern ihren Kindern ein Handy, damit sie sie jederzeit erreichen konnten. Dann lernten die Älteren von den Jungen, die SMS zu nutzen.

Wie geht es mit der SMS weiter?
Aus Ländern wie Großbritannien werden mittlerweile rückläufige Zahlen bekannt. Ja, damit muss man rechnen. Mit dem Smartphone kann man jetzt E-Mail und andere Dienste mobil und persönlich nutzen. Außerdem gibt es, um nur ein Beispiel zu nennen, Entwicklungen wie WhatsApp, die zudem auch noch kostenlos sind. Dann die ganzen Kommunikationswege, die über die sozialen Netzwerke wie beispielsweise Twitter laufen. Das setzt der SMS natürlich zu. Schade ist es, dass man in ihre Weiterentwicklung nicht so viel reingesteckt hat. Gruppenkommunikation hätte man dann auch mit ihr verwirklichen können. Aber es ist doch schon sehr erstaunlich, dass SMS nach 20 Jahren immer noch existiert, während andere Dienste aus der Zeit wie z. B. Funkruf, Bildschirmtext und Teletex lange verschwunden sind.

Wie lange wird es SMS noch geben?
Auf der ganzen Welt gibt es derzeit sechs Milliarden Geräte, die den GSM-Standards entsprechen und SMS nutzen können, aber lediglich eine Milliarde Smartphones. Ich glaube nicht, dass es mit ihr so schnell zu Ende geht. Es gibt noch viele Nutzungsmöglichkeiten.

Woran denken Sie dabei?
Die Kommunikation von Maschine zu Maschine. Das ist meiner Ansicht nach die Zukunft der SMS. Man könnte sie einsetzen, um Autos mit einem automatischen Notruf auszustatten, denn sie ist der einzige Funkdatendienst in Europa, der robust und flächendeckend funktioniert. Ein anderes Beispiel ist aus dem Bereich der regenerativen Energie. Man könnte per SMS intelligente Speicherheizungen darüber informieren, dass es gerade irgendwo Stromüberschuss gibt und sie diesen sofort laden sollen. Dies könnte das Problem der Überkapazitäten auf dem Strommarkt senken. Es gibt viele Nutzungsmöglichkeiten. So hat mir auch ein befreundeter Professor von E-Learning berichtet. Die Schüler erhalten die Aufgaben per Brief und schicken dann die Lösungen per SMS zurück.

Wie wir am Anfang unseres Gesprächs gehört haben, gehört SMS für Sie wie für Millionen andere Menschen zum Alltag …
Ich benutze den Dienst täglich. Doch es hat für mich immer noch etwas Faszinierendes, wenn ich irgendwo auf der Welt am Flughafen stehe, gerade gelandet bin und mein Handy anmache und klick: die SMS funktioniert. (Susanne Rothe)

Foto: P. M. J. Rothe

Friedhelm Hillebrand hat an der RWTH Aachen Nachrichtentechnik studiert. Seit 1974 lebt und arbeitet er in Bonn. Als Bundespostmanager war er von 1984 bis 1992 für die deutschen Beiträge zur Entwicklung des GSM-Standards und für das Konzept und die Realisierung des D1-Netzes samt seiner IT verantwortlich. Dabei war die Entwicklung der SMS eher ein „Hobby“. Von 1994 bis 2000 nahm er in der internationalen Zusammenarbeit des Mobilfunks Führungsaufgaben für die ganze Branche war. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2000 hat er ein Beratungsunternehmen aufgebaut und befasst sich mit Patentfragen im Mobilfunk. Er war und ist auf der ganzen Welt unterwegs und setzt auch bei seiner Kommunikation auf Kurznachrichten.