Ida Nielsen

Ida Nielsen

Foto: © Dominik Effenberg

1975 in der dänischen Stadt Aarhus geboren, ist es ausgerechnet die Bass-Gitarre, die Ida Nielsens frühes musikalisches Interesse in eine lebenslange Liebe verwandelt. Mit 16 Jahren packt sie die Leidenschaft zu diesem Instrument und lässt sie nicht mehr los. Nach einem Studium an der Royal Danish Academy of Music in Kopenhagen mit einem Diplom-Abschluss spielt sie dann in mehreren bedeutenden Bands. Durch ihr erstes Soloalbum „Marmelade“ (2008) erweckt Nielsen die Aufmerksamkeit von Musiklegende Prince. Von 2010 bis zu seinem Tod 2016 spielt die Dänin als Bassistin und Sängerin in seinen Bands „The New Power Generation“ und „3rdEyeGirl“. In ihrem jüngsten Album „More Sauce, please!“ kombiniert die Songwriterin und Bandleaderin funkige Beats, Slap-Bass-Virtuosität, lebhaften Rap und Pop-Ohrwürmer mit dem für sie charakteristischen 4-saitigen Sandberg California E-Bass im Vordergrund. In diesem Sommer ist Ida Nielsen, die als eine der Besten ihres Fachs gilt, auch in Bonn aufgetreten. In RHEINexklusiv berichtet die Musikerin von ihrer Zeit mit Prince und ihrer eigenen musikalischen Arbeit.
Neues Album mit 11 Songs vor der Bassistin Ida Nielsen: More Sauce, please! (2023)

Album Ida Nielsen

Neues Album mit 11 Songs vor der Bassistin Ida Nielsen: More Sauce, please! (2023)

Frau Nielsen, mit welcher Musik sind Sie groß geworden?
Ich bin in Dänemark auf dem Land aufgewachsen und habe daher hauptsächlich Musik gehört, die im Radio lief – was eine Menge dänisches Zeug war. Mit 14 Jahren fing ich an, einen eigenen Geschmack zu entwickeln. Es fällt mir allerdings schwer, einen Favoriten zu nennen, weil sich das im Laufe der Zeit geändert hat. Aber Prince, James Brown, die Beatles und Billie Holiday haben meinen Musikgeschmack beeinflusst.

Was hat Sie so früh zur Musik gebracht?
Ich hatte das große Glück, wie schon gesagt, auf dem Land aufzuwachsen, und bin dort auf eine kleine Schule gegangen. Ich hatte einen sehr engagierten Musiklehrer, der sich für ein umfassendes musikalisches Umfeld einsetzte. Es gab nach der Schule einen Chor und irgendwann erhielt die Schule sogar ein Schlagzeug und einen E-Bass. Jeder, der wollte, durfte die Instrumente ausprobieren.

Ihre Lieder haben Einflüsse aus Funk, Reggae, Weltmusik und Hip-Hop. Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben?
Mein Stil, wenn ich mit „Ida Nielsen & the Funkbots“ spiele, ist definitiv Funk. In jeder Hinsicht (schmunzelt). Aber ich liebe auch viele andere Musikstile und sie scheinen dann ebenfalls ihren Weg in meine Musik zu finden. Ich vermute also, dass es ein Mix aus vielen Stilen ist – vermischt in einem großen Topf Funk. Ich persönlich muss die Musik nicht kategorisieren, aber ich denke, dass es für ein Publikum gut ist, zu wissen, was es erwartet.

Hat sich Ihr Spielstil im Laufe der Jahre verändert?
Ja, absolut. Es ist so viel los und man hat Zugang zu Musik und Musikern aus der ganzen Welt. So ist es einfach, sich inspirieren zu lassen. Seitdem ich Musik mache, befinde ich mich auf einer permanenten Reise. Mein Spielstil ändert sich, je nachdem, woran ich gerade arbeite.

Welche Musiker haben Sie inspiriert?
So viele! Wie ich bereits erwähnt habe: James Brown, Billie Holiday, Prince natürlich und dann jede Menge tolle Bassisten! Larry Graham, Marcus Miller, Bootsy Collins, Victor Wooten, M’shell Ndegeocello, Rocco Prestia, Jaco Pastorious. Es gibt auch viele großartige neue Bassisten, die das Bassspiel auf eine neue Ebene bringen.

Sie gehören zu den letzten Musikern, die mit Prince gespielt haben. Musikalisch und kreativ – wie war die Zusammenarbeit für Sie?
Es hat mein Leben verändert!! Ich habe so viel gelernt!! Es war das Größte. Für mich ist ein Traum wahr geworden. Prince hatte immer einen großen Einfluss auf mich – noch bevor ich ihn traf. Dass ich sechs Jahre sehr eng mit ihm zusammengearbeitet habe, hat mir als Musiker in jeder Hinsicht enorm viel gebracht. Prince war wirklich ein Genie und ließ uns alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, überdenken: musikalisch und praktisch. Ich bin so dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, sozusagen aus der ersten Reihe zu beobachten, wie er arbeitet. Ich habe so viel über das Spielen, Arrangieren und Produzieren gelernt. Und ich greife in meinem Musikerleben immer wieder auf diesen Wissenspool zurück – sowohl für die Studioarbeit, aber vor allem auch für meine eigenen Auftritte.

Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung erinnern?
Ja, natürlich. Ich erhielt im August 2010 einen Anruf von seinem Management. Man sagte mir, dass Prince meine Myspace-Seite gesehen habe und gerne mit mir jammen würde. Also bin ich für drei Tage nach Minnesota gefahren. Ich war natürlich supernervös, aber er war sehr nett und entspannte mich, indem er mich über meinen Bass ausfragte. Und dann fingen wir an zu jammen und nachdem wir etwa 20 Minuten gespielt hatten, lud er mich auf eine Tour mit der NPG ein. Absolut unglaublich!!! Anschließend probten wir etwa einen Monat lang mit der Band. Ich musste mehr als 300 Lieder lernen und war dann im Grunde die nächsten fünfeinhalb Jahre auf Tour.

Sie bewegen sich als Bassistin seit Jahren erfolgreich in einer noch immer sehr männerdominierten Welt. Wie schwierig war es für Sie, sich durchzusetzen?
Ich hatte großes Glück, mit einigen Leuten zu spielen, die mir gegenüber sehr respektvoll waren. Aber nach der Zeit mit Prince verspürte ich auf jeden Fall mehr Respekt. Traditionell ist der Bass ein Männerinstrument. Aber mehr und mehr fangen auch Mädchen an, ihn zu spielen, und sie sind wirklich gut darin. Ich denke also, dass sich diese Dinge langsam ändern.

Welche Tipps geben Sie jungen Bassistinnen?
Spielt einfach weiter und macht euch keine Gedanken darüber, was andere sagen.

Ida Nielsen Bassistin

Ida Nielsen Bassistin

Foto: © Peter Lodder

Sie spielen, komponieren, singen: Gerade ist mit „More Sauce, please!“ Ihr neues und sechstes Album erschienen. Was steckt hinter diesem Titel?
Haha. Die „Sauce“ ist das ganz gute Zeug. Es kann natürlich „mehr Bass“ oder „mehr Groove“ bedeuten. Ich bitte dann den Tontechniker, mehr „Sauce“ zu geben. So ist es wirklich eine Art Wortspiel. Und dann mögen wir in der Band auch sehr gerne scharfe Soße.

Mit welchem Ziel sind Sie an dieses Album herangegangen?
Ich wollte ein weiteres reines Funk-Album machen. Alle meine Alben – außer „02022020“ – sind basslastiger Old-School-Funk mit „Aromen“ von HipHop, Reggae, Neo Soul und Weltmusik. Mein letztes Album war eher Lo-Fi, verträumt und loungig. Viele meiner Fans waren enttäuscht über das Fehlen von Slamming-Funk. Also bin ich jetzt wieder auf der Old-School-Funk-Schiene.

Charakteristisch ist wieder der 4-saitige Sandberg California E-Bass, den Sie mit dem deutschen Gitarrenhersteller Sandberg kreiert haben. Wie kam es dazu und was zeichnet Ihren Signature-Bass aus?
Ich kenne Holger, den Gründer von Sandberg Guitars, schon seit vielen Jahren. 2009, ein Jahr bevor ich zu Prince kam, schenkte er mir einen Bass – einfach aus Freundlichkeit. Den habe ich wirklich geliebt. Als es also darum ging, ein Signature-Model für mich zu bauen, wollte ich es mit niemand anderem als ihm machen. Ich wollte einen Bass, der sowohl für „3rdEyeGirl“ als auch für reinen Funk gut klingt. Also ging ich zur Sandberg-Werkstatt in Braunschweig und probierte verschiedene Tonabnehmerkombinationen aus, bis ich das fand, was ich suchte. Ich liebe die Funkmusik der 70er-Jahre und wollte daher den „Old School“-Funk-Sound haben. Daher habe ich vorne einen Tonabnehmer im Jazz-Bass-Stil. Der andere Tonabnehmer ist ein Tonabnehmer im Music-Man-Stil. Das sind zwei sehr unterschiedliche Sounds, die ich beide liebe. Die Kombination von beiden bietet ein sehr großes Klangspektrum.

Letzte Frage: Können Sie sich ein Leben ohne Musik vorstellen?
Nein.
(Susanne Rothe)