Wir legen weiterhin Wert auf Gemütlichkeit. Dabei werden die Möbel tendenziell kleiner und filigraner: Die imm cologne, die weltgrößte Möbelmesse, ist vorbei – geblieben sind die Wohntrends für dieses Jahr.

 

„Wir werden auf kleinerem Raum wohnen“, sagt Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Ursächlich hierfür seien die hohen Mieten in den Großstädten und die ungebrochene Landflucht der Menschen. Kinderzimmer schrumpfen, während Badezimmer und begehbare Kleiderschränke wachsen. Insgesamt, so Geismann, würden sich die Funktionsbereiche des Wohnens immer mehr „entgrenzen und miteinander verschmelzen“. Der Effekt: Das Wohnen wird generell wohnlicher. Bäder verlieren ihre Bedeutung als reiner Funktionsraum und werden zur Wellness-Oase. Küchen gewinnen an Behaglichkeit.

Die Möbel haben Nostalgiecharakter, so der Einrichtungstrend für 2016. Die Designer haben ihre aktuellen Entwürfe für Sofa, Sessel, Tische und auch Lampen deutlich auf ihre Form reduziert. Und genau damit erinnern sie optisch an vergangene Zeiten. „Nostalgie“, so Geismann, „ist heute und in Zukunft so beliebt, weil sie große Sicherheit gibt.“ An die Retrospekive angelehntes Design habe immer Konjunktur, wenn Unsicherheiten zunehmen.

 

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1. Unkonventionelle Hängeleuchte von KARE: Die Multi Speaker tanzt auf angenehme Art und Weise aus der Reihe. // 2. Leolux Canna: Die ungewöhnliche Silhouette des Beistelltischs sorgt für Aufmerksamkeit. // 3. Mell Lounge von COR ist außen kantig und innen rund. Die Stahlkufen sind so filigran, dass Mell Lounge zu schweben scheint.

 

„Mid-Century-Design“ heißt der alte und gleichzeitig neue Trend, gemeint sind damit Entwürfe von etwa 1940 bis 1960. Diese Stilrichtung hat Auswirkungen auf das Volumen der Möbel. Sie sind in der aktuellen Saison kleiner als in früheren Jahren. Material werde trotz gleichbleibender Funktion eingespart, erklärt Geismann. Schwere klotzige Möbel sind out und weichen „einer fein ausbalancierten Bodenhaftung“, erläutert Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH. Sofas sind zierlicher, die Sessel erinnern an Sitzmöbel aus Cocktailbars. Unförmige Kissenlandschaften werden von schlankeren, gerne auch weich geschwungenen Formen abgelöst. Klar gezeichnete Polsterformen schweben auf extrem dünnen Beinen oder Metallkufen und schräg angesetzten, auf den Spitzen balancierenden Füßen – so unter anderem in der Mell-Kollektion von COR. Eine neue Leichtigkeit zieht in die Wohnzimmer ein. Dazu gehört auch, dass der lange Zeit sehr beliebte Wohnzimmerwandschrank komplett verbannt wird und Platz macht für locker arrangierte Ensembles aus Sideboard und einzelnen Regalen.

 

1. Der junge Designklassiker kann mit Ledersitzen ausgestattet werden. 2. Die Lautsprecher sind im Mediamodul integriert. 3. Ein Auszugboden erleichtert das Bedienen der Geräte. Kombiniert mit Sitzpolstern entstehen aus cube gap und cube change ausdrucksstarke Möbelkonzepte mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

1. Der junge Designklassiker kann mit Ledersitzen ausgestattet werden. // 2. Die Lautsprecher sind im Mediamodul integriert. // 3. Ein Auszugboden erleichtert das Bedienen der Geräte. // 4. Im cube gap highboard wird Liebgewordenes gerne in Szene gesetzt.

 

Apropos Regale. Ordnung ist auch 2016 wichtig. Für jeden Ordnungstyp, der Wert auf ein gestyltes Wohnumfeld legt, gibt es die passenden Möbel. Regale, Schränke, Kommoden und Co. werden allerdings nicht länger in die Ecke gestellt. Sie dienen vielmehr als Raumteiler oder wirken als Solitäre frei im Raum platziert. Interlübke bietet zum Beispiel mit cube gap eine moderne Interpretation des erstmals 2002 aufgelegten Programms nach dem Design von Werner Aisslinger an: Der junge Klassiker ist vielseitig gestaltbar und besticht durch seine neue Funktionalität. Als gepolsterte Bank, Tisch oder Schreibtisch – das Sideboard ist in allen Wohnräumen ein Schmuckstück.

 

Werner Aisslinger

Werner Aisslinger

Werner Aisslinger. Bezeichnend ist sein Talent, die Dinge mit wachem, unverstelltem Blick und immer wieder überraschend neu zu gestalten. So gibt es von Werner Aisslinger Stühle aus Hanf oder Gel, eine Sinuskurve als Leuchte, ein Haus wie ein Loftcube, das mit seinem Besitzer einfach mitzieht oder neue Formen des Interior Designs für Hotels, darunter das 25 hours Hotel Bikini in Berlin. Für interlübke hat Aisslinger mit cube das multifunktionale Sideboard quasi ein zweites Mal „erfunden“. Wobei der Erstentwurf cube gap von 2002 schon heute als junger Designklassiker gilt. Die geniale Idee, modulare Würfelelemente immer wieder neu anzuordnen, hat mit cube fine, cube change und cube play nicht nur zur Entwicklung einer ganzen Möbelfamilie, sondern zu einem Wohnkonzept für alle Räume geführt.

 

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Kombiniert mit Sitzpolstern entstehen aus cube gap und cube change ausdrucksstarke Möbelkonzepte mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

 

Und wie sieht es bei Tischen und Stühlen aus? „Heute bleiben die Menschen auch nach dem Essen am Esstisch sitzen und ziehen sich nicht wie früher ins Wohnzimmer“, erklärt Geismann. Die Möbelindustrie hat darauf reagiert und zeigt daher individuell zusammenstellbare Esssessel. Leder und Stoff – alles ist dabei, Hauptsache es ist bequem und komfortabel. Die aktuellen Stühle haben oft Lounge-Charakter und erinnern wieder an die zierlichen Designs der 1960er Jahre. Bei den Tischen treten zwei Trends besonders hervor. Der Anteil an Massivholz steigt. Nussbaum und Eiche stehen bei den Tischplatten hoch im Kurs und werden gerne mit bunt lasierten Tischbeinen und Metallgestellen kombiniert. Die Tischbeine stehen dabei nicht immer mit allen Vieren gerade auf dem Boden, sondern überkreuzen sich oder sind krumm – ohne an Stabilität einzubüßen.

 

sitzmoebel

1. Der KARE swivel chair besticht durch zarte Farben und ein klares Design. // 2. + 3. Eine Sitzschale und verschiedene Optionen für das Untergestell: Leolux Mara links mit einem verchromten Drehkreuz und rechts mit Beinen aus massiver Eiche. // 4. Im Schaukelstuhl 866 F von Thonet lässt es sich ganz vortrefflich entspannen. // 5. Mirado von Bacher überzeugt durch Design und hohen Sitzkomfort.

 

 

Werfen wir einen Blick ins Schlaf- und Badezimmer. Die Menschen schlafen immer weniger, dafür legen sie großen Wert auf die Schlafqualität und damit auf die Güte ihres Bettes. Ein Mehr an Komfort wird gesucht und damit rücken Hightech-Betten und individualisierbare Boxspring-Betten in das Interesse. Das Schlafzimmer war ursprünglich ein Ort, an den man sich zurückzieht und zur Ruhe kommt. Heute wird er jedoch zunehmend ein Platz, den man sich wohnlich mit Regalen, Tischchen und Sideboards einrichtet. Das Schlafzimmer wird zum zweiten Wohnzimmer. Der große Kleiderschrank hat dort nichts mehr zu suchen, stattdessen liegen begehbare Kleiderschränke im Trend. Multimedial sind die Schlafzimmer auch ausgestattet – vom Bett aus Fernsehen schauen oder Musik hören, beides gehört heute dazu. So erhalten Schlafzimmerprogramme immer mehr den Charakter von Wohnzimmermöbeln. In der Hülsta-Kollektion Elumo II gehören sogar im Schrank integrierte Flatscreens zum Programm und die Funktionskopfteile erinnern an Sofas.

Leicht und gleichzeitig wohnlich wird es ebenfalls im Bad. Auch dort sind deutlich zartere und minimalistische Formen zu finden. Der Trend zur Wellness-Oase ist nicht neu, setzt sich aber fort. Das Bad wandelt sich zum Lebensraum mit der Badewanne als Zentrum und Designobjekt. Charakteristisch für diesen Trend ist beispielsweise die Badewanne BetteLux Shape, die in eine offene, schlanke Metallrahmenkonstruktion eingehängt ist und den Blick auf die eigentliche Form der Wanne freigibt. Das Innerste wird nach außen gekehrt.

 

Ausdrucksstarkes Design. Elumo II von Hülsta bringt moderne, funktionell ausgereifte Möbel ins Schlafzimmer. Badkonzept mit offenem Stahlrahmen: Die Form des Innenkörpers bleibt bei BetteLux Shape von allen Seiten sichtbar.

Badkonzept mit offenem Stahlrahmen: Die Form des Innenkörpers bleibt bei BetteLux Shape von allen Seiten sichtbar (links). // Ausdrucksstarkes Design. Elumo II von Hülsta bringt moderne, funktionell ausgereifte Möbel ins Schlafzimmer (rechts).

 

Wohnen wird in diesem Jahr in allen Lebensbereichen leicht und behaglich. Leicht aber auch im Sinne von bequem. Und damit sind jetzt nicht ein Sofa oder ein Sessel gemeint, sondern es geht um Konnektivität: ein Backofen, der bequem vom Wohnzimmer aus mit dem Smart Phone überprüft werden kann; kabellose Lautsprecher, die das ganze Haus beschallen; und das Licht wird vom Büro aus an- und ausgeschaltet. Das sogenannte Smart Home ist schon länger ein Thema und immer mehr Lösungen und Produkte werden für eine intelligente Vernetzung von Wohnkonzepten entwickelt. In unserem Artikel „Schöner Wohnen ist smart“ zeigen wir Ihnen an einem konkreten Beispiel, was alles möglich ist.

 

Foto: koelnmesse GmbH/Lutz Sternstein (1), KARE Deutschland (2), COR interlübke (1), interlübke (6), Thonet (2), Leolux (2), Bacher/die Collection (1), Hülsta (1), Bette (1)