Die Blätter färben sich bunt. Das Wetter wird langsam ungemütlich. Der dicke Pullover liegt schon griffbereit. Der Herbst ist plötzlich da und entspannte Stunden auf Balkon und Terrasse müssen bis zum nächsten Jahr warten. Stattdessen kuscheln wir uns aufs Sofa und lassen es uns mit einer schönen Tasse Tee gutgehen. Mit Milch oder ohne, vielleicht etwas Zucker oder lieber doch nicht. Wie trinkt man eigentlich Tee? Und ist das überall gleich? Andere Länder, andere Teezeremonien.

Die gusseisernen Teekannen von Smaajette verbinden jahrtausendealte Tradition mit persönlichem Geschmack. Das Design kann nach individuellen Wünschen personalisiert werden. Ab 76,90 Euro, smaajette.de/trendxpress.org

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„Der Weg zum Himmel führt an der Teekanne vorbei“, heißt ein englisches Sprichwort. In Großbritannien wird laut Statista der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch im Bereich Tee in diesem Jahr bei voraussichtlich rund einem Kilogramm liegen. Für die Engländer gehört Tee zum Lifestyle. Tee gibt es morgens zum Frühstück, nachmittags mit Scones oder Shortbread und abends zum Dinner. Teetrinken wird in den gesamten Tagesablauf integriert. Das aromatische Gebräu ist zu Hause das Alltagsgetränk, an dem sich die Geister erst bei der Frage nach Zucker scheiden. Zucker im Tee ist ein Zeichen für geringe Bildung, heißt es in Schriften zur britischen Teekultur. Legendär ist natürlich der „five o’clock tea“, der Symbol des britischen Lebensstils ist, aber so nur fern von der Insel genannt wird. In England selbst ist er als „afternoon tea“ bekannt. Für ihn benötigt man Zeit – für die Zubereitung und um ihn zu genießen. In der Regel nimmt man einen kräftigen Schwarztee, der lose in eine Kanne gegeben und mit kochendem Wasser aufgegossen wird. Der lose Tee bleibt bis zum letzten Schluck in der Kanne und dadurch wird das Getränk immer stärker und bitterer. Damit der Tee genießbar bleibt, wird aus einer anderen Kanne heißes Wasser immer wieder nachgegossen. Nun stellt sich die Frage: Ist man ein Mif oder ein Tif? Mif steht für „Milk in first“; Tif für „Tea in first“. Die Mifs geben zuerst die kalte Milch in die Tasse und füllen sie dann mit Tee auf. Hintergrund ist, dass früher der Tee in feines Porzellan gegossen wurde, das oftmals zersprang, sobald man den heißen Tee eingoss. Das ließ sich verhindern, indem man zuerst die Milch in die Tassen gab. Tifs bestehen jedoch darauf, dass zunächst Tee und dann erst die Milch in die Tasse kommt. Nur so schmecke der Nachmittagstee.

Minztee gehört in Marokko zum Alltag. Seine Zubereitung erfolgt nach klaren Regeln. In einer Kanne wird zunächst ein Esslöffel grüner Tee gegeben und mit etwas Wasser zum Kochen gebracht. Dieser Sud wird weggeschüttet. Auf die in der Kanne übrig gebliebenen Teeblätter wird frische marokkanische Minze gegeben und mit Wasser aufgefüllt. Die Mischung wird zum Kochen gebracht und mit viel Zucker gesüßt. Hat sich der Zucker aufgelöst, wird eingeschenkt. Dazu wird die Teekanne etwa 30 Zentimeter über ein Teeglas gehalten, sodass der Tee in einem dünnen Strahl hineinfließen kann. Danach wird der Tee in die Kanne zurückgeschüttet. Dies wird mehrere Male wiederholt. Die Prozedur lohnt sich, denn der Minztee schmeckt so zubereitet sehr aromatisch.

Der original French-Pull-Teebereiter „Marianne“ des Designers Tassilo von Grolman folgt der Bauhaus-Formensprache der 1920er-Jahre – ausgestattet mit dem Material und in der Verarbeitungsqualität des 21. Jahrhunderts. Ab 149 Euro, philippi.com/trendxpress.org

Teekanne „Exotique“ aus Porzellan. Ab 48,77 Euro, easylife.boutique

Das Teekännchen „Form“ ist aus Messing, wurde poliert und dann in einen warmgoldenen Überzug getaucht, um ihm eine subtile matte Oberfläche zu verleihen. Das Tom-Dixon-Logo ist in den Boden eingeätzt. Ab 240 Euro, tomdixon.net

Die bauchige Form mit auffallendem Henkel und Ausgießer machen die Price & Kensington Teekanne zum englischen Klassiker. Die nostalgische Form und Funktionalität haben sich im Laufe der Zeit bewährt. Ab 16,95 Euro, profino.de

Mit der neuen „Calm at home“-Kollektion von Lékué wird jedes Zuhause zur Ruheoase. Zur Kollektion gehört die außergewöhnliche Borosilikatglas-Teekanne „Calm“ in Form einer Sanduhr. Sie besteht aus zwei 500-ml-Behältern mit einem dazwischenliegenden Filter zum Auffangen der Rückstände. Preis auf Anfrage, jaehn.org/trendxpress.org

In Japan findet die Teezeremonie in speziellen Teehäusern statt. Dabei wird grüner Tee getrunken. Zu einer Teezeremonie wird man eingeladen. Bevor die Gäste jedoch das Teehaus betreten, gehört es sich, Hände und Mund zu waschen. Dabei geht es nicht nur um die Reinigung, sondern es wird der Alltagsstress gleich mit weggewaschen. Der Gastgeber oder ein für das Teeritual extra gebuchter Teemeister bereiten schweigend zunächst den „dicken Tee“ zu. Mit einem Bambuslöffel wird der pulverisierte Grüntee in die Teeschalen gegeben und mit heißem Wasser aufgegossen.

Zuerst darf der „Hauptgast“ aus der Schale trinken. Dieser nimmt drei kleine Schlucke und reicht die Schale an den nächsten Gast weiter. Es wird so lange getrunken, bis die Schale geleert ist. Jeder Gast wischt sie ab, bevor er sie weitergibt. Danach entspinnt sich eine rege Diskussion über die verwendete Teesorte. Je nach Ausbildung des Teemeisters wird nach dem „dünnen Tee“ der „dicke Tee“ (oder umgekehrt) gereicht. Eine Teezeremonie mit fünf Gästen dauert circa vier bis sechs Stunden. Um die alte Tradition unverfälscht zu erhalten, wird das komplizierte Regelwerk von speziellen Lehrern an interessierte Schüler weitergegeben. Die Teezeremonie ist ein spiritueller Prozess, bei dem es um Harmonie und inneren Frieden geht.

Teezeremonie

Ein Design-Highlight: Stilvoller und extravaganter als in der Teekanne „Kitchen Market“ von Hay lässt sich heißer Tee nicht servieren. Als Material wurde hochwertiges Porzellan verwendet, das mit einer zart bläulichen Lackierung versehen wurde. Der rote Deckel setzt in Kombination dazu einen gekonnten Farbakzent. Ab 79 Euro, einrichten-design.de

Die geradlinige Optik der Gusseisen-Teekanne „Collage“ von Serax überzeugt auch den größten Design-Minimalisten. Ab 99,50 Euro, einrichten-design.de

Teekanne „Rain Forest“ aus Porzellan. Ab 49,95 Euro, easylife.boutique

Funktionalität gepaart mit einer minimalistischen Formensprache – die Teekanne „Nordic Kitchen“ von Eva Solo zeigt die Grundpfeiler des skandinavischen Designs auf. Durch das dezent gestaltete, schwarze Steingut entsteht ein rustikaler Look, der den entspannten skandinavischen Lebensstil perfekt wiedergibt. Ab 49,95 Euro, einrichten-design.de

Auch in Südamerika wird gerne und viel Tee getrunken. Bei den Teesorten dominiert der Matetee. Er gilt auch als Nationalgetränk und wird wegen seines Koffeingehaltes und der anregenden Wirkung geschätzt.  Wie bei schwarzem Tee spielt auch bei Mate die Ziehdauer für seine Wirkung eine Rolle. Eine kurze Ziehdauer (bis zu 5 Minuten) sorgt für eine stark anregende Wirkung, diese nimmt bei längerer Ziehdauer ab. Mate wird aus den grünen Blättern einer Stechpalmenart gewonnen. Die Blätter werden über dem Feuer geröstet und getrocknet. Danach werden sie zerkleinert und zu Pulver verarbeitet.

Teezeremonie

Die ostfriesische Teezeremonie wurde sogar von der UNESCO zum immateriellen Kulturgut erklärt. Der Tee wird in drei Geschmacksstufen genossen: Erst schmeckt man die Sahne, dann kommt das Teearoma und zum Schluss die Süße des Kluntje (Kandis). Bevor die eigentliche Zeremonie losgeht, wird der Tee vorbereitet: Der lose Tee wird dazu in eine heiß ausgespülte Teekanne gegeben, die dann bis zu einem Drittel mit frischem, kochendem Wasser gefüllt wird. Nach etwa fünf Minuten Ziehzeit wird die Kanne vollständig mit heißem Wasser aufgefüllt. Bei einer echten Teezeremonie wird mit einer Zuckerzange zunächst ein großes Stück Kluntje in die Tasse gegeben.

Die Teekanne „Tulā“ verkörpert ein Gleichgewicht zwischen dem runden Körper und der strengen geometrischen Form des Henkels. Die raue weiße Oberfläche wird durch das warme Walnussholz des Henkels und des Deckels ergänzt. Das Material der Teekanne ist das in Norditalien erhältliche Gres-Porzellan, das wegen seiner Langlebigkeit und hohen Qualität besonders beliebt ist. Jedes Stück wird von italienischen Handwerksmeistern handgefertigt. Ab 170 Euro, asmi.store

Die von Arne Jacobsen entworfene Kanne überzeugt mit schlichter Zylinderform. Ab 275 Euro, einrichten-design.de

Erst wenn alle Tassen mit Kluntje bestückt wurden, wird der Tee langsam eingegossen. Das Knacken des Kandis zeigt an, dass der Tee auch heiß genug ist. Durch die Sahne ergibt sich die berühmte „Wulkje” (Sahnewölkchen). Ganz wichtig: Die Ostfriesen rühren ihren Tee nicht um, damit die drei Geschmackserlebnisse nicht vermischt werden. Echter Ostfriesentee ist kräftig und besteht aus mindestens 80 Prozent malzig-würzigem Assamtee, häufig mit einer Beimischung von Tees aus Java oder Sumatra. Er muss „hinter den Deichen“ gemischt sein, sonst ist er nur eine „Ostfriesen-Mischung“.

Türkischer Tee wird schwarz, stark, mit viel Zucker und in einem Semaver zubereitet, der aus zwei unterschiedlich großen Kannen besteht. Diese stehen übereinander und werden auf ein Gefäß mit heißen Kohlen gestellt, die die Kannen mit Hitze versorgen. Die modernen Semavers werden mit Strom betrieben. Der Tee wird aus bauchigen Teegläsern getrunken. Die gewaschenen Schwarztee-Blätter werden mit etwas warmem Wasser in die obere Kanne gegeben. Die untere Kanne wird zu einem Drittel mit Wasser gefüllt, das dann zum Kochen gebracht wird. Die Teeblätter aus der oberen Kanne werden nach dem Aufkochen durch ein Sieb abgeschüttet, zurück in die Kanne gefüllt und mit dem kochenden Wasser aufgebrüht. Es entsteht ein Teekonzentrat, das in der Kanne bleibt. In der unteren Kanne wird wieder Wasser gekocht. Etwas Teekonzentrat wird in ein Glas gegeben und mit dem kochenden Wasser aufgegossen. Dabei kann man die Stärke des Tees variieren. Der Tee wird schwarz und meist stark gezuckert getrunken.

Teezeremonie
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