GELESEN. GEFALLEN. GEHÖRT.

Lassen Sie sich von unseren Tipps zu einer kleinen Auszeit inspirieren.

Zukunftsthriller

Deutschland in der Zukunft: Die Küsten sind überschwemmt, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ist nur noch eine Kulisse für Touristen. Regierungssitz ist Frankfurt, das mit dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einer einzigen Megacity verschmolzen ist. Dort, wo es eine Infrastruktur gibt, funktioniert sie einwandfrei. Nahezu das gesamte Leben wird von Algorithmen gesteuert. Allen geht es gut – solange sie keine Fragen stellen. Liina, Rechercheurin bei einem der letzten nichtstaatlichen Nachrichtenportale, wird in die Uckermark geschickt, um eine, wie sie glaubt, völlig banale Meldung zu überprüfen. Dabei sollte sie eigentlich eine brisante Story übernehmen. Während sie widerwillig ihren Job macht, hat ihr Chef einen höchst merkwürdigen Unfall, der ihn fast das Leben kostet, und eine Kollegin wird ermordet. Beide haben an der Story gearbeitet, die Liina versprochen war. Anfangs glaubt sie, es ginge darum, ein Projekt des Gesundheitsministeriums zu vertuschen, aber dann stößt sie auf die schaurige Wahrheit: Jemand, der ihr sehr nahesteht, hat die Macht, über Leben und Tod fast aller Menschen im Land zu entscheiden. Und diese Macht gerät nun außer Kontrolle …

Zoë Beck, Paradise City, Suhrkamp Taschenbuch, 280 Seiten, ISBN: 978-3-518-47055-8, 16 Euro

(K)eine Liebesgeschichte

Warum nur flieht Antoine Duris Hals über Kopf aus seinem bisherigen Leben? Er war Professor an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon und zieht nun nach Paris, um im Musée d‘Orsay, wo die farbenfrohen Gemälde von Manet, Monet und Modigliani hängen, Wärter zu werden. Keiner kennt die Gründe für diesen plötzlichen Wandel, keiner weiß, wie sehr ihn das Schicksal seiner hochbegabten Studentin Camille mitgenommen hat. Erst als er Mathilde kennenlernt, findet Antoine einen Weg, sich der Freude, dem Genuss und der Liebe wieder hinzugeben … Ein Roman, der vom Mut erzählt, dem Leben eine neue Wendung zu geben – und beim Leser gemischte Gefühle hinterlässt.

David Foenkinos, Die Frau im Musée d‘Orsay, Penguin Verlag, Gebundene Ausgabe, 240 Seiten, ISBN: 978-3328600862, 20 Euro

Mysteriös

Mit einem Flug ins sommerliche Kuba beginnt für Clare eine Reise in die Vergangenheit. Erst wenige Wochen zuvor hat sie ihren Mann Richard bei einem Unfall verloren. Nun besucht sie auf seinen Spuren ein Filmfestival in Havanna, als Richard plötzlich überraschend vor ihr steht. Kann sie ihren Sinnen trauen oder will jemand sie täuschen? Clare folgt der geheimnisvollen Gestalt durch die Gassen der Stadt und gedanklich bis in die Grauzonen ihrer Ehe und Kindheit. Van den Bergs Roman spielt mit den Grenzen unserer Wahrnehmung, lässt Fantasie und Wirklichkeit auf wunderbare Weise verschmelzen. Ein Roman, der zeigt, das nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Laura van den Berg, Das dritte Hotel, Penguin, gebunden, 240 Seiten, ISBN: 978-3328600831, 22 Euro

Vielschichtig

Die Leidenschaft einer Jugendliebe. Die Einsamkeit des Erwachsenseins. Teresa lebt in Turin, doch die Ferien verbringt sie jedes Jahr in Apulien, mit den Nachbarjungen Bern, Tommaso und Nicola. Die Freunde sind unzertrennlich, bis zwischen Bern und Teresa etwas Neues entsteht: die erste Liebe. Doch im Jahr darauf ist Bern nicht mehr da. Zutiefst enttäuscht verbannt Teresa Apulien aus ihrer Erinnerung. Erst zum Begräbnis der Großmutter fährt sie wieder hin … Über 20 Jahre hinweg erzählt Paolo Giordano die Geschichte zweier Menschen, die sich immer wieder finden und verlieren. Mit emotionaler Präzision schreibt er über Liebe, Freundschaft und Verlust.

Paolo Giordano, Den Himmel stürmen, Rowohlt Verlag, Hörbuch MP3-CD (gekürzt), 2 CDs, Laufzeit: 13h 8min, ISBN: 978-3-8371-5121-3, 12 Euro

Emotional

Calliopes Leben scheint perfekt. Sie lebt auf einer kleinen Insel vor Sizilien auf einem wunderschönen Landgut und hat mit Ettore den Mann ihrer Träume geheiratet. Doch dann hat Ettore einen folgenschweren Unfall und zieht sich völlig zurück. Calliope versucht verzweifelt, seinen Lebenswillen neu zu entfachen und gleichzeitig die in eine Krise geratene Pastamanufaktur der Familie zu retten. Als ihre Jugendliebe Amos auf die Insel zurückkehrt, steht plötzlich nicht nur ihr Leben, sondern auch ihr Herz Kopf. Und während im Garten des Landguts die Orangen zu blühen beginnen, muss Calliope die wohl schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen …

Valentina Cebeni, Der Orangengarten, Penguin TB Verlag, 447 Seiten, ISBN: 3328105611, 10 Euro

Klug und lustig

Wie wollen wir leben – und wo? Als er in Berlin auf Wohnungssuche ist, erfährt Jan Brandt, dass das Haus seines Urgroßvaters in seinem ostfriesischen Heimatdorf Ihrhove kurz vor dem Abriss steht. Der Eigentümer, ein Bauunternehmer, sieht keinen Grund, das Alte zu erhalten, wo sich durch etwas Neues der Gewinn um ein Vielfaches steigern lässt. Jan Brandt droht der Verlust der Heimat – und er nimmt den Kampf auf, um den Gulfhof zu retten, das Symbol seiner Herkunft.

Jan Brandt, Ein Haus auf dem Land, Dumont Verlag, Taschenbuch, 448 Seiten, ISBN 978-3-8321-8356-1, 24 Euro

Packend

Bei einer schmutzigen Scheidung verliert die junge Mutter Sonja das Sorgerecht für ihren Sohn. Verzweifelt setzt sie alles daran, ihn zurückzubekommen, kann sich aber keinen teuren Anwalt leisten. Mit dem Rücken zur Wand lässt sie sich darauf ein, Kokain nach Island zu schmuggeln. Nur bis sie genug Geld hat, um für ihren Sohn zu sorgen, sagt sie sich. Doch schon bald merkt sie, dass es keinen einfachen Ausstieg aus dem rücksichtslosen Drogengeschäft gibt. Während sie dennoch verzweifelt nach einem Ausweg sucht, nimmt sie der Zollbeamte Bragi, den sie auf ihrer Schmuggelroute regelmäßig am Flughafen passiert, ins Visier. Denn er beginnt zu ahnen, dass Sonjas makelloses Auftreten eine allzu perfekte Fassade ist. Verkompliziert wird die ohnehin schon hochdramatische Situation durch die Tatsache, dass Sonja seit Neuestem in einer Beziehung mit Agla ist. Einst eine hochrangige Bankangestellte, findet sich Agla nach dem isländischen Finanzcrash in einen Skandal verwickelt und wird strafrechtlich verfolgt. Schon bald entspinnt sich zwischen Sonja, Bragi und Agla ein komplexes Netz der Kriminalität. Und viel zu spät erst bemerken sie, dass jeder Versuch, sich daraus zu befreien, sie nur noch tiefer darin verstrickt …

Lilja Sigurðardóttir, Das Netz, Dumont Verlag, 360 Seiten, ISBN 978-3-8321-6519-2, 10 Euro

Epos

Jedes Kind in China kennt die Geschichte der drei Schwestern aus Shanghai, die die Geschicke Chinas im 20. Jahrhundert von den Zentren der Macht aus mitbestimmten. Man sagte über sie: Eine liebte das Geld, eine liebte die Macht, und eine liebte ihr Land. Alle drei genossen Privilegien, Ruhm und Reichtum, wurden aber auch angefeindet und sahen sich tödlichen Gefahren ausgesetzt. Sie zeigten Mut, erlebten stürmische Liebe, aber auch große Verzweiflung. Ein fesselndes Epos über Liebe, Krieg, Exil, Intrigen, Glamour und Verrat. Jung Chang erzählt die Leben dreier außergewöhnlicher Frauen nach, die China im 20. Jahrhundert maßgeblich prägten.

Jung Chang, Die drei Schwestern, Blessing, Hardcover, 544 Seiten, 65 s/w Abbildungen, ISBN: 978-3896675989, 25 Euro

Bewegtes Leben

Nur drei Musiker weltweit haben als Solokünstler und mit ihrer Band jeweils über 100 Millionen Tonträger verkauft – Phil Collins ist einer von ihnen. „Another Day in Paradise“, „You Can’t Hurry Love“, „One More Night“, „Sussudio“ – große Songs mit großen Geschichten. Mit „In the Air Tonight“ etwa hat der Ausnahmemusiker das Ende einer seiner drei Ehen in einen zeitlosen Hit verwandelt. Phil Collins erzählt aus seinem Leben rückhaltlos alles: von einem Filmdreh mit den Beatles, von Sessions mit Eric Clapton, Tina Turner und Adele, von der großen Zeit mit Genesis und davon, wie er auf einer Tournee heiratet, um sich später via Fax wieder scheiden zu lassen – und Jahre darauf gänzlich im Alkohol zu ertrinken. Phänomenale Höhen wie bizarre Tiefen: In diesem Buch ruft jede Zeile: „Take a Look at Me Now!“

Phil Collins, Da kommt noch was – Not dead yet, Heyne Verlag, Taschenbuch, Broschur, 528 Seiten, ISBN: 978-3-453-60551-0, 12,99 Euro

Vom Umgang mit Risiken

Erinnern wir uns an die weltweite Angst vor der Schweinegrippe, als Experten eine nie dagewesene Pandemie prognostizierten und Impfstoff für Millionen produziert wurde, der später still und heimlich entsorgt werden musste. Für Gerd Gigerenzer ist dies nur ein Beleg unseres irrationalen Umgangs mit Risiken. Und das gilt für Experten ebenso wie für Laien. An Beispielen aus Medizin, Rechtswesen und Finanzwelt erläutert er, wie die Psychologie des Risikos funktioniert, was sie mit unseren entwicklungsgeschichtlich alten Hirnstrukturen zu tun hat und welche Gefahren damit einhergehen. Dabei analysiert er die ungute Rolle von irreführenden Informationen, die von Medien und Fachleuten verbreitet werden. Doch Risiken und Ungewissheiten richtig einzuschätzen kann und sollte jeder lernen. Diese Risikoschulung erprobt Gigerenzer seit vielen Jahren mit verblüffenden Ergebnissen. Sein Fazit: Schon Kinder können lernen, mit Risiken realistisch umzugehen und sich gegen Panikmache wie Verharmlosung zu immunisieren.

Gerd Gigerenzer, Risiko, Wie man die richtigen Entscheidungen trifft, Pantheon, Paperback, 400 Seiten, 42 s/w Abbildungen, ISBN: 978-3-570-55442-5, 14 Euro

Spannend

„Ich blickte hinauf zum sternenübersäten Himmel und wünschte mir leidenschaftlich ein neues Leben.“ Maryse Condé wird als jüngstes von acht Kindern auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe geboren und gilt heute als »Weltbürgerin und Grande Dame der frankophonen Literatur« (BR 2). In ihrer Autobiografie lässt sie ihre frühen Lebensjahre wiederaufleben. Die Zeit als junge Studentin im Paris der 1950er-Jahre, als alleinerziehende, mittellose Mutter, die wagemutig nach Westafrika geht und als Lehrerin miterlebt, wie der Kontinent von politischen Auseinandersetzungen erschüttert wird.

Maryse Condé, Das ungeschminkte Leben, Luchterhand, gebunden, 304 Seiten, ISBN: 3630876331, 22 Euro

Satirisch

Liebe, Feminismus, für den Helden dieses Buches ist das ab sofort das Gleiche. Er verliebt sich in eine Hardcore-Feministin. Das heißt: in Lichtgeschwindigkeit vom ignoranten Gewohnheitsmacho zum Judith-Butler-Exegeten, mit den entsprechenden Kollateralschäden bei Familie, Freunden und am Arbeitsplatz. Denn für die Gleichberechtigung kämpft er mit wirklich allen zur Verfügung stehenden Mitteln … Ein Roman für alle, die sich einig sind, dass sie Mario Barth scheiße finden, in Sachen Feminismus sonst aber bisweilen nicht weiterwissen. Bevor er sich in Najwa verliebt, hat er keinen blassen Schimmer vom Feminismus. Er ist ein 08/15-Typ mit den üblichen Vorurteilen, blinden Flecken, problematischen Verhaltensweisen. Aber bei ihr geht er in eine harte Schule. Sein Blick auf die Welt verändert sich: Beeinträchtigungen, Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen sind plötzlich überall, genau wie die Paradoxien und der Unmut, der ihm entgegenschlägt, sobald er nur wieder irgendwo vom grausamen Patriarchat anfängt. Wie kann er die Frauen in diesem Kampf am besten unterstützen? Ein Wutanfall seiner Mutter bringt ihn auf eine folgenschwere Idee.

Iván Repila, Der Feminist, Suhrkamp Taschenbuch, Klappenbroschur, 216 Seiten, ISBN: 978-3-518-47054-1, 16 Euro

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