GELESEN. GEFALLEN. GEHÖRT.

Lassen Sie sich von unseren Tipps zu einer kleinen Auszeit inspirieren.

Richard Yates, Ruhestörung

Eindringlich

Das feinsinnige Porträt über einen Mann am Abgrund. John Wilder kann sich nicht beklagen: Er ist beruflich erfolgreich und hat ein erfüllendes Privatleben. Seine Abende verbringt er auf Cocktailpartys und die Wochenenden mit der Familie auf dem Land. Alles scheint gut. Doch wenn John ehrlich zu sich ist, dann weiß er, dass tief in ihm schon seit Langem etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist – etwas droht, die Ruhe zu stören … Ein unvergesslicher Blick in die dunkelsten Winkel der Psyche, von einem meisterhaften Erzähler der modernen amerikanischen Literatur.

Richard Yates, Ruhestörung, Penguin Verlag, Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, ISBN: 978-3-328-10512-1, 12 Euro

Billy OCallaghan, Die Liebenden von Coney Island

Traurig

An einem bitterkalten Winternachmittag treffen sich Michael und Caitlin auf Coney Island. Beide sind verheiratet, aber nicht miteinander, und seit 25 Jahren schon ist der nostalgische Vergnügungspark einmal im Monat ihr Refugium: Heimliche Stunden der Liebe, nach denen sie sich sehnen, und doch kehren sie danach jedes Mal wieder zu ihren Ehepartnern zurück, denen sie sich verpflichtet fühlen. Aber diesmal, während draußen vor dem verlassenen Hotel ein fürchterlicher Schneesturm tobt, erscheint ihnen ihr Zufluchtsort wie das Ende der Welt. Und in beider Leben sind Veränderungen eingetreten, die womöglich eine endgültige, lang hinausgeschobene Entscheidung verlangen …

Billy O’Callaghan, Die Liebenden von Coney Island, btb Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, ISBN: 978-3-442-75859-3, 20 Euro

Johannes Riffelmacher & David Kosikowski, Salt & Silver Lateinamerika, Reisen, Surfen, Kochen

Inspirierend

Den Job in Deutschland aufgeben, alles hinter sich lassen und einfach ein Jahr durch Lateinamerika reisen? Ein Traum für viele. Johannes (Jo) Riffelmacher und Thomas (Cozy) Kosikowski, zwei Jungs aus Hamburg, erfüllten sich mit ihrem Projekt Salt & Silver diesen Traum. Ausgestattet mit zwei Surfbrettern, Kochmesser und Kameras bereisten die beiden acht Länder – von Kuba über Mexiko nach Nicaragua, Costa Rica, Panama, Ecuador, Peru und Chile. Auf der Suche nach den besten Surfspots und den coolsten Streetfood-Rezepten quer durch Lateinamerika entstand dieses einzigartige Buch voller grandioser Fotos, das ihre drei Leidenschaften vereint: Reisen, Surfen, Kochen. Jo und Cozy beschreiben ihre Abenteuer und Erlebnisse so ausdrucksstark und anschaulich, dass man das
Gefühl hat, selbst bei der Reise dabei gewesen zu sein.

Johannes Riffelmacher & David Kosikowski, Salt & Silver Lateinamerika, Reisen, Surfen, Kochen, Brandstätter Verlag, Hardcover, 320 Seiten, ca. 250 Abbildungen, ISBN: 978-3-7106-0419-5, 35 Euro

Rüdiger Strempel, „Lux: Gegen den Nationalsozialismus und die Lethargie der Welt“

Gelebte Zivilcourage

Nahum Goldmann behielt Unrecht. Eines Tages, so sagte er 1936 voraus, würde man Stefan Lux in Deutschland Denkmäler errichten. Das geschah jedoch nie, denn Lux und sein dramatischer Suizid gerieten schon bald nach der Tat in Vergessenheit. Nun aber legt Rüdiger Strempel mit „Lux: Gegen den Nationalsozialismus und die Lethargie der Welt“ die wohl weltweit erste Biografie des 1888 geborenen Juristen, Journalisten und Filmschaffenden vor, der sich im Juli 1936 in der Völkerbundversammlung erschoss, um vor dem Nationalsozialismus zu warnen. Unrealistischerweise und vergeblich hoffte Lux, durch seine Selbstopferung die Weltöffentlichkeit aufrütteln und die demokratischen Mächte dazu bewegen zu können, dem nationalsozialistischen Deutschland entgegenzutreten, ehe die Katastrophe sich vollendete. Fesselnd und anrührend zugleich zeichnet Strempel in seinem neuen Buch das Leben eines vielseitig begabten, engagierten und mutigen Menschen nach, der das mit dem Nationalsozialismus heraufziehende Verhängnis frühzeitig erkannte, immer wieder warnte, sich schließlich selbst opferte, um ein Fanal zu setzen, und doch bis zuletzt ungehört blieb. Akribisch wertet der Autor dabei die spärlichen Quellen aus und ergänzt diese durch halbfiktive Passagen, in denen die letzten, dramatischen Tage und Stunden des Stefan Lux lebendig werden. Eine solche Geschichte verdiente schon an sich erzählt zu werden. 

Doch sie ist mehr als bloße Historie, sie erscheint heute wieder erschreckend aktuell. 100 Jahre nach der Gründung des Völkerbunds, der an seinen eigenen Mitgliedstaaten scheiterte, erleben wir eine Krise des Multilateralismus. 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz hebeln rechtsautoritäre Regierungen sogar in EU-Staaten Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Eiltempo aus; suchen rechtsextreme Politiker in deutschen Parlamenten die Demokratie mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen, die Zeit des Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ zu banalisieren und rufen zu einer Abkehr vom deutschen „Schuldkult“ auf; verschieben sich die Grenzen des Denk- und Sagbaren auch in bildungsbürgerlichen Kreisen deutlich nach rechts, und nimmt in die rechtsterroristische Bedrohung täglich zu. Wieder einmal gilt es, den Anfängen zu wehren. Das Buch ist daher nicht nur das Porträt einer beeindruckenden, tragisch-idealistischen Persönlichkeit und ein Zeugnis bis zur extremsten Konsequenz gelebter Zivilcourage, ihm wohnt auch eine Botschaft inne: Wenn schon die Zeitgenossen von Stefan Lux nicht auf ihn gehört haben, so sollten wenigstens wir es tun. 

Rüdiger Strempel, „Lux: Gegen den Nationalsozialismus und die Lethargie der Welt“,  Osburg-Verlag, Hardcover, ca. 200 Seiten, ISBN: 978-3-95510-216-6, 22 Euro

Cristina de Stefano, Skandalös, Das Leben freier Frauen

Kurzporträts

Zwanzig starke Frauen des 20. Jahrhunderts – von Marguerite Duras bis Nina Simone. Diese Frauen waren ihrer Zeit voraus: Sie eckten an und haben im 20. Jahrhundert für den ein oder anderen Skandal gesorgt. Die Welt hatte ihnen nichts zu bieten, doch sie haben sich alles genommen. Sie kämpften mit ihren Mitteln für ihren Freiraum. Mit Übermaß. Mit Fantasie. Mit Fröhlichkeit. Mit Verzweiflung. Und der Nachhall ihrer Eskapaden ist bis heute nicht verklungen. Porträts von: Tallulah Bankhead, Louise Bourgeois, Pearl S. Buck, Lydia Cabrera, Claude Cahun, Marguerite Duras, Elsa von Freytag-Loringhoven, Tove Jansson, Toto Koopman, Else Lasker-Schüler, Clarice Lispector, Mina Loy, Grace Metalious, Nahui Olin, Jean Rhys, Niki de Saint Phalle, Albertine Sarrazin, Annemarie Schwarzenbach, Nina Simone, Violet Trefusis.

Cristina de Stefano, Skandalös, Das Leben freier Frauen, btb Verlag, Taschenbuch, Broschur, 192 Seiten, ISBN: 978-3-442-71804-7, 11 Euro

Sandra Brown, Verhängnisvolle Nähe

Sehr spannend

Die Journalistin Kerra Bailey ist kurz davor, das Interview ihres Lebens zu führen. Vor 25 Jahren wurde Major Franklin Trapper zum Helden, als er nach einem Bombenanschlag in Dallas eine Handvoll Überlebende in Sicherheit brachte. Um an den Major heranzukommen, braucht sie jedoch seinen Sohn John, der wenig kooperativ ist. Aber Kerra lässt nicht locker, auch weil dieser abweisende Mann eine unheimliche Anziehungskraft auf sie ausübt. Als das Interview dann eine katastrophale Wendung nimmt, erkennt sie, dass sie zum Schweigen gebracht werden soll und mit John zusammenarbeiten muss, wenn sie überleben will …

Sandra Brown, Verhängnisvolle Nähe, Blanvalet HC Verlag, 6 Hörbuch-CDs, gelesen von Martina Treger, ISBN: 978-3-8371-4752-0, 20 Euro

Hanns Hatt, Regine Dee, Das kleine Buch vom Riechen und Schmecken

Dufte!

Das Riechen bestimmt unser Leben weit mehr, als wir glauben. Unsere Nase entscheidet, was uns schmeckt, wen wir lieben oder wen wir einfach nicht riechen können. Wir lassen uns von Düften verführen, aber auch manipulieren. Sie schicken uns süße Träume oder können uns krank machen. Hanns Hatt, der „Riechexperte der Nation“ (DasErste.de) und Regine Dee haben eine kleine Schule des Riechens und Schmeckens geschrieben. Ein Geschenk für alle Sinnesmenschen und Genießer. Wie riecht die Heimat? Warum macht ein geschickt ausgewähltes Parfüm uns schlank und attraktiv? Und weshalb wird uns beim Schmecken heiß und kalt? Auf diese Fragen weiß „Das kleine Buch vom Riechen und Schmecken“ Antwort.

Hanns Hatt, Regine Dee, Das kleine Buch vom Riechen und Schmecken, Penguin Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag, 224 Seiten, ISBN: 978-3-328-60151-7, 16 Euro

Hanns-Josef Ortheil, Der von den Löwen träumte

Wunderbar

Als Ernest Hemingway 1948 nach Venedig reist, ist er in einer schweren Krise. Starke Depressionen haben dazu geführt, dass er lange keinen Roman mehr veröffentlicht hat. In der Einsamkeit eines Landhauses in der Lagune versucht er, wieder zum Schreiben zu finden. Halt gibt ihm die Freundschaft zu einem jungen Fischer, der ihn auf der Entenjagd begleitet. Aber auch die Liebe zu einer achtzehnjährigen Venezianerin führt ihn ins Leben zurück. Langsam entsteht ein Venedig-Roman, während der junge Fischer die Atmosphären einer ganz anderen Geschichte wittert: die von einem alten Mann und seiner Liebe zum Meer …

Hanns-Josef Ortheil, Der von den Löwen träumte, Luchterhand Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, ISBN: 978-3-630-87439-5, 22 Euro

Christine Girard, Mademoiselle Edith – Hymne an die Liebe

Emotional

Ein emotionaler und wunderbar atmosphärischer Künstlerinnen-Roman über Edith Piaf, den „Spatz von Paris“, und die vielleicht wichtigsten beiden Jahre ihres Lebens in New York und Paris: Edith Piaf und die Liebe, das ist eine Liebesgeschichte für sich: Sie braucht sie wie die Luft zum Atmen, sucht sie unermüdlich, in ihren Chansons wie im Leben. Als sie 1947 für eine Gastspielserie nach New York reist, ist die Sängerin in ihrer Heimat schon ein Star, doch den Amerikanern ist die kleine Französin zu melancholisch, zu fremd, hat zu wenig Sex-Appeal. Edith spürt diese Ablehnung bis ins Mark, kennt die abschätzigen Blicke nur zu genau aus ihrer Zeit als Straßenkünstlerin in Paris. Sie fühlt sich einsam und missverstanden, tröstet sich mit Affären. Einziger Halt ist ihr die Freundschaft zu Marlene Dietrich. Bis sie dem Boxer Marcel Cerdan begegnet. Er, der so anders ist als all die anderen, wird der Eine für Edith, der, den sie ihr Leben lang gesucht hat. Fast schon prophetisch entsteht in ihrem zweiten gemeinsamen Sommer „Hymne à l`amour“ … Christine Girard hat in ihrem Künstlerinnen-Roman der weltberühmten Sängerin Edith Piaf und ihrer großen, tragischen Liebe zum Box-Weltmeister Marcel Cerdan ein bewegendes Denkmal gesetzt.

Christine Girard, Mademoiselle Edith – Hymne an die Liebe, Droemer TB Verlag, Paperback, 352 Seiten, ISBN: 978-3-426-30728-1, 12,99 Euro

Susan Fletcher, Das Geheimnis von Shadowbrook

Überraschend

Im Sommer 1914 wird die junge Botanikerin Clara Waterfield von London nach Gloucestershire gerufen: Sie soll auf einem Landsitz namens Shadowbrook den Aufbau eines Gewächshauses mit exotischen Pflanzen aus den Kew Gardens betreuen. Der Garten, in dem das Gewächshaus stehen soll, ist überwältigend, üppige Hortensien, Fingerhut und Rosen drängen sich um gepflegte Rasenflächen, auf den Teichen schwimmen Seerosen, alles scheint vor Leben geradezu zu sprühen. Doch das alte, mit Glyzinien bewachsene Wohnhaus wirkt seltsam abweisend, die meisten Räume stehen leer oder sind verschlossen, der Eigentümer Mr. Fox ist viel auf Reisen. Haushälterin und Dienstmädchen wirken verängstigt – denn nachts scheint es im Haus zu spuken. Doch Clara ist unerschrocken und glaubt nicht an Geister, und so macht sie sich daran, die Geheimnisse des Hauses zu ergründen. Und während sie sich immer tiefer in die Geschichte Shadowbrooks verstrickt, muss sie feststellen, dass dort nichts so ist, wie es scheint … Ein fesselnder Roman um eine unerschrockene junge Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist, ein atmosphärischer, bildreicher Pageturner am Vorabend des Ersten Weltkriegs – aber auch ein Roman über das, was von uns bleibt.

Susan Fletcher, Das Geheimnis von Shadowbrook, Insel Verlag, gebunden, 445 Seiten, ISBN: 978-3-458-17816-3, 22 Euro

Honigbienen – geheimnisvolle Waldbewohner

Neue Erkenntnisse

Es summt in unseren Wäldern. Von uns Menschen weitgehend unbemerkt gibt es sie dort noch, die wild lebenden Honigbienen. Hoch oben lebt das Volk des kleinen Waldinsekts in hohlen Bäumen und trotzt dort den Jahreszeiten. Ideal an ihren natürlichen Lebensraum angepasst, sind die Bienenvölker viel widerstandsfähiger als ihre domestizierten Artgenossen. Wie leben sie? Was macht sie so erfolgreich? Das zeigen der international prämierte Tierfotograf Ingo Arndt und der renommierte Bienenforscher Prof. Jürgen Tautz und dokumentieren zum ersten Mal das geheimnisvolle Leben der wilden Honigbienen. In ihrem Buch geben sie Einblick in bisher weithin unbekannte wissenschaftliche Erkenntnisse und Verhaltensweisen. Ungesehene Bilder direkt aus der Baumhöhle, die der Bienenschwarm bevölkert, zeigen bis ins kleinste Detail das perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenleben im Bienenstock: beginnend mit dem Schwarmeinzug in eine unbewohnte Spechthöhle über den Wabenbau, die Entwicklung des Volkes, die raffinierte Klimatisierung des Nestes bis hin zur spektakulären Verteidigung ihres Nestes gegen angreifende Hornissen. Auch die Herausforderungen des Waldes an Orientierung und Kommunikation der Bienenvölker werden thematisiert. In gut verständlichen Texten trägt Bienenforscher Tautz neueste Beobachtungen und Kenntnisse zusammen und regt damit auch dazu an, die von Imkern praktizierte Bienenhaltung zu überdenken.

Ingo Arndt (Fotografie), Prof. Dr. Jürgen Tautz (Text), Honigbienen – geheimnisvolle Waldbewohner, Knesebeck Verlag, gebunden, 192 Seiten, ISBN: 978-3-95728-362-7, 38 Euro

Fotos: Random House (10), CMZ-Verlag, Knaur, Böhlau Verlag