Wohnen

Thonet Nr. 14 / 214: Ein Stuhl geht um die Welt

Der Name Thonet steht für innovatives Design, zeitlose Möbel und eine fast 200-jährige Erfolgsgeschichte, die Anfang des 19. Jahrhunderts in Boppard am Rhein ihren Anfang nahm. Bei Thonet fällt einem sofort der Wiener Kaffeehausstuhl ein, aber auch Designerlegenden wie Le Corbusier, Mies van der Rohe, Egon Eiermann und Marcel Breuer bringt man mit dem deutschen Unternehmen in Verbindung.
Thonet_S_64_Pure_Materials

Der S 64 mit Armlehnen: Das Gestell ist stahlrohrverchromt und die Holzteile sind in Buche gebeizt.

Die Erfolgsgeschichte des legendären Kaffeehausstuhls begann 1841. Clemens Fürst Metternich war auf die handwerklichen Fertigkeiten Michael Thonets aufmerksam geworden und lud ihn nach Wien ein. Dort gelang es dem Kunsttischler, massives Buchenholz zu verbiegen: Er machte lange Holzstäbe unter Druck und Dampf elastisch und formte sie dann mittels einer speziellen Vorrichtung und Muskelkraft. Dies war eine völlig neuartige Technologie, der nicht nur der Wiener Kaffeehausstuhl – Nr. 14 – zu verdanken ist, sondern dem Stuhl 1859 zum Durchbruch verhalf – denn erstmals konnte ein Stuhl industriell gefertigt werden. Das wirklich Revolutionäre am Nr. 14 und heutigen 214 bestand jedoch darin, dass der Stuhl in wenige Einzelbestandteile zerlegt und daher in arbeitsteiligen Prozessen hergestellt werden konnte. Somit konnte der Stuhl platzsparend verpackt in alle Welt transportiert und vor Ort zusammengebaut werden. Damit einher ging eine attraktive Preisgestaltung, die das Möbel für viele Menschen interessant machte. Thonet wurde zum Pionier des Industriedesigns.

Der robuste Nr. 14 mit seiner schlanken und schnörkellosen Form gewann 1862 die Bronzemedaille der Londoner sowie 1867 die Goldmedaille der Pariser Weltausstellung. Allein bis 1930 verkaufte Thonet 50 Millionen Exemplare des berühmten Stuhls und bis heute wird er mit der Modellnummer 214 im hessischen Frankenberg produziert. Im Übrigen ist jeder Originalstuhl – egal, ob es sich um einen historischen oder einen zeitgenössischen handelt – auf der Unterseite seines Sitzrahmens mit einem Signet des Unternehmens sowie der Jahreszahl der Herstellung gekennzeichnet. 

 

Thonet Stuhl aus Eschenholz

 

Dank Nr. 14 gelang Thonet der Aufstieg zum Weltunternehmen. Auf den Wiener Kaffeehausstuhl folgten viele Bugholzmöbel, die zum Teil ebenfalls zu Ikonen der Zeitgeschichte wurden. Dazu gehörten unter anderem der Schaukelstuhl Nr. 1 von 1860, der elegante 209 sowie der Jugendstilsessel 247 von Otto Wagner aus dem Jahr 1904. Die erste Thonet Möbelfabrik wurde 1857 von den Söhnen Michael Thonets in Mähren erbaut. Es folgten fünf weitere Produktionsstätten in Osteuropa, bis 1889 als letzte Fabrik das Werk in Frankenberg hinzukam, heute Hauptsitz des Unternehmens.

 

Thonet_Loungesessel

Das Freischwinger-Gestell des eleganten Sessels S 411 ist verchromt, die Polsterelemente verfügen über einen Federkern und können sowohl mit Leder als auch mit Stoff bezogen werden.

 

Neben Holz arbeitet Thonet mit einem zweiten Material: Stahlrohr. In den 1930er Jahren war das Unternehmen weltweit der größte Produzent von Stahlrohrmöbeln, die von Architekten und Designern wie Le Corbusier, Mart Stam und Mies van der Rohe entworfen wurden. Sie waren Meilensteine in der Geschichte des modernen Möbels. Ihre klare Form passte perfekt zu der sachlichen Architektur der Klassischen Moderne. Erstmals wurden Stahlrohrmöbel 1927 in der Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung” in der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart präsentiert. Der Freischwinger wurde ihr bedeutendster Vertreter: Bei der Vorbereitung der Werkbund-Ausstellung zeigte der niederländische Architekt und „Bauhaus“-Dozent Mart Stam seine Idee des hinterbeinlosen Stuhls Mies van der Rohe. Stams erster Entwurf federte aber noch nicht. Ludwig Mies van der Rohe setzte die Idee bei seinem Sessel S 533 um, 1929 präsentierte dann der deutsch-amerikanische Architekt Marcel Breuer seinen Stuhl S 32. Mart Stam wurde später das künstlerische Urheberrecht für die kubische Form des Freischwingers zugesprochen. Die Rechte liegen bei Thonet.

 

Thonet Freischwinger S 533, Thonet Lounge-Sessels 808 den Hocker 808 H

Der Freischwinger S 533 von Ludwig Mies van der Rohe aus der Outdoor-Kollektion „Thonet All Seasons” // Thonet-Aktion: bis zum 30.04.2018 erhält man beim Kauf eines Lounge-Sessels 808 den Hocker 808 H als Geschenk dazu. Es stehen zwei unterschiedliche Ausführungen zur Auswahl: eine hochwertige Nappaleder-Version sowie ein Modell mit weichem Stoffbezug aus Merinowolle.

 

Durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges blieb Thonet nur das völlig zerstörte Werk in Frankenberg/Eder. Der Urenkel von Michael Thonet, Georg Thonet, baute es zwischen 1945 und 1953 wieder auf. Dort werden heute alle berühmten Thonet-Klassiker aus Bugholz und Stahlrohr sowie die aktuellen Kollektionen produziert. Thonet-Möbel sind weltweit in allen wichtigen Sammlungen zu finden.

www.thonet.de

 

Thonet_S_411

Alle Modelle der S 411 Familie harmonieren besonders gut mit den B 9 und B 10 Tischen von Marcel Breuer und anderen Möbeln der Thonet Stahlrohrkollektion.

 

 

Fotos: Thonet (10)
Titelbild: Während der Weltausstellung 1889 in Paris stürzte der damalige Stuhl Nr. 14 von Michael Thonet 57 Meter den Pariser Eiffelturm herab – und blieb unversehrt.

    

Comments are closed.