Es ist das Erste, das man wahrnimmt, wenn man die Uhr am Handgelenk des Gegenübers erblickt: Das Zifferblatt. Es ist das Gesicht einer jeden Uhr und somit von besonderer Bedeutung für ihre Hersteller, die viel Zeit, Sorgfalt, Kreativität und – nicht zuletzt – Geld darin investieren. Die schier unendlich vielen Verarbeitungen und Verzierungen von Zifferblättern verleihen Uhren ihre Identität. Wer genau hinschaut, erkennt, dass ein Zifferblatt weit mehr als nur der Uhrzeitangabe dient.

RESSENCE TYPE 8: Die Uhr der belgischen Marke Ressence zeigt lediglich Minuten und Stunden an. Bei dem Zifferblatt wurde auf klassische Zeiger verzichtet. Preis auf Anfrage, ressencewatches.com

Die Geschichte des Zifferblatts

Die ersten Zifferblätter entstanden um 1300 mit der Erfindung der Räderuhr. Zwar sind diese Modelle nicht mit heutigem Standard zu vergleichen, doch ließ sich die Zeit an den ersten Uhren mit Zahnrädern viel genauer messen als noch bei Sonnen-, Sand- oder Sternenuhren – nämlich in Stunden. Im 17. Jahrhundert machte die Erfindung der Pendeluhr mit Gangregler die Einteilung in Minuten möglich. Der Aufbau eines Zifferblatts ist an den Lauf der Sonne angelehnt. Von der nördlichen Hemisphäre aus betrachtet, geht die Sonne beim Blick nach Süden links auf, steht mittags am höchsten und geht rechts unter. Aus dieser historischen Sichtweise erklärt sich der Zahlenverlauf „im Uhrzeigersinn“ und die Position der 12-Uhr-Angabe am höchsten Punkt. Übrigens: Das größte Zifferblatt der Welt befindet sich auf der zugleich größten Turmuhr der Welt auf dem Abraj Al Bait Tower in Mekka. Die Anzeige misst gigantische 43 Meter im Durchmesser und ist noch aus acht Kilometern ablesbar.

Nomos Zifferblatt

NOMOS TETRA NEOMATIK 39: Das Zifferblatt ist nachtblau und die Minuterie grün. Der Sekundenzeiger leuchtet in Neonorange. Ab 3.060 Euro, nomos-glashuette.com/de

ORIS BIG CROWN: Die Uhren gibt es mit farbenfrohen, von den Alpen inspirierten Zifferblättern sowie Bändern, Etuis und Kartenhaltern aus Hirschleder von Cervo Volante. Ab 2.000 Euro, oris.ch/de

BREITLING TOP TIME TRIUMPH: Der Star dieser Uhr ist das eisblaue Zifferblatt. Ab 5.400 Euro, breitling.com

Stilrichtungen, an denen niemand vorbeikommt …

… oder doch? Wenn Armbanduhren eine Stilfrage sind, dann liegt das Augenmerk zuallererst auf dem Zifferblatt. Mondphase, Datumsanzeige, Tachymeter-Skala, kleine Sekunde und andere Komplikationen zieren die Oberseite einer Uhr genauso wie Gravuren, Relieffiguren, Bilder oder Natursteine. Bemalt, lackiert, emailliert, mit Edelsteinen besetzt oder skelettiert. Es gibt zahlreiche Darstellungsweisen, von denen wir eine Auswahl besonders markanter vorstellen möchten. Es lohnt sich, nach ihnen Ausschau zu halten!

Die Ziffern selbst präsentieren sich sowohl in arabischer als auch römischer Schreibweise oder lediglich als Striche oder Symbole, sogenannte Indizes. Beim California Dial sind traditionell in der oberen Zifferblatthälfte arabische und in der unteren römische Zeichen zu erkennen. Diese Aufteilung soll insbesondere unter Wasser die Zeit intuitiv ablesbar machen. Der Name hat keine eindeutige Herkunft, jedoch erzählen Uhrenliebhaber gerne von einem gewissen Kirk Rich, der sich im US-Staat Kalifornien als Zifferblatt-Restaurateur mit dieser damals untypischen Aufteilung einen Namen machte.

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Zifferblatt Panda

ZENITH X LUPIN THE THIRD: Die Uhr kombiniert zwei Zifferblätter und weist zwei unterschiedliche und asymmetrische Hälften auf, die alle Elemente von beiden Zifferblättern aus beiden Folgen der Anime-Serie zusammenfügen. Ab 9.700 Euro, zenith-watches.com

Zifferblatt

GLASHÜTTE ORIGINAL SeaQ: Der Outdoorexperte hat ein schilfgrünes Zifferblatt – eine Farbe der Natur. Ab 11.900 Euro, glashuette-original.com

Von Panda-Uhren und Luftikussen

Ein Chronograf ist eine Uhr mit zusätzlicher Kurzzeitmessung (Stoppuhrfunktion), die mit einem oder mehreren zusätzlichen Zeigern angezeigt wird. Am offensichtlichsten sind einerseits die Drücker an der Gehäusewand. Reizvoller sind jedoch die Hilfszifferblätter dieser beliebten Komplikation. Am häufigsten erscheinen drei von ihnen auf einem Chronografen. Sie werden Totalisatoren genannt und besitzen eine v-förmige Anordnung auf dem Zifferblatt, der mittlere platziert sich unterhalb der ihm zur Seite stehenden. Auf der Drei-Uhr-Position sind die Stoppminuten zu lesen, bei sechs Uhr die gestoppten Stunden und bei neun Uhr die kleine Sekunde. Ist ein Chronograf mit einem schwarzen Zifferblatt und weißen Totalisatoren bestückt, wird er gerne Panda-Uhr genannt.

Besonders spannend sind dezentral angeordnete Zeiger einer Uhr. Während die Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger einer klassischen Dreizeigeruhr um dieselbe Achse inmitten des Zifferblatts kreisen, besitzt jeder Zeiger eines sogenannten Regulators sein eigenes Anzeigenblatt. Der Uhrenhersteller Chronoswiss hat diese jahrhundertalte Tradition, die erst in den 1980er-Jahren ihren Platz auch auf Armbanduhren fand, perfektioniert. Der Vorteil von Regulatoren liegt sprichwörtlich auf der Hand: Nicht nur die Minute ist präzise ablesbar, sondern auch die Sekunde, da der Stundenzeiger diese nicht verdeckt.

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Fliegeruhren sind die scheinbaren Schwergewichte unter den Stilikonen. Ausgestattet mit einer üppigen zwiebelförmigen Krone, um sie auch mit Handschuhen bedienen zu können, sowie großen Ziffern und breiten Zeigern zur optimalen Ablesbarkeit. Mit den schnörkellosen Zifferblättern streben Träger vergeblich nach Aufmerksamkeit. Selbst die Gehäusegröße ist meist nicht so exzeptionell wie ihr Ruf. Hier steht ganz klar die Ablesbarkeit im Fokus. Dazu gehören ebenso leuchtende Ziffern, eine gesonderte Minuterie wie ein markantes Dreieck auf zwölf Uhr.

Die Zifferblätter, die sicherlich am auffälligsten sind, haben eine Öffnung direkt ins Herz der Uhr. Der passende Name Open Heart ist Programm, denn egal an welcher Position sich die Öffnung befindet, erkennen Betrachter über hundert ineinandergreifende Komponenten, bestehend aus Zahnrädern, Schrauben, Plättchen und vielem mehr. In der Regel achten Hersteller von Open-Heart-Modellen tunlichst darauf, die schwingende Unruh sichtbar zu machen, welche die Spannungskraft der aufgezogenen Feder reguliert. Dieses Schauspiel mechanischer Uhren wird noch atemberaubender, wenn es von gar keinem Zifferblatt verdeckt wird. Die dann nur schwer ablesbare Uhrzeit wird hier endgültig zur Nebensache.

MAURICE LACROIX AIKON SKELETON: Die Uhr ist von der urbanen Architektur inspiriert. Mit ihrem Durchmesser von 39 mm passt sie an jedes Handgelenk. Darüber hinaus ergänzt sie das bestehende Portfolio der Marke aus skelettierten Uhren, die über einen Durchmesser von 43 mm, 44 mm und 45 mm verfügen. Ab 3.390 Euro, mauricelacroix.com/eu_de

H. MOSER: Die Endeavour Centre Seconds Concept Lime Green hat ein Zifferblatt, für das zwölf Brennvorgänge erforderlich sind, bis es den charakteristischen Fumé-Effekt erhält, für den H. Moser & Cie. berühmt ist. Jedes Zifferblatt ist ein Unikat. Ab 25.650 Euro, h-moser.com/de

Ziffernblatt Hublot Big Bang Sang Bleu II Ceramic: Die neue Big Bang Sang Bleu II Ceramic ist jetzt in blauer, grauer und weißer Ausführung erhältlich. Ab 26.900 Euro, hublot.com/de

RADO CAPTAIN COOK: Das Zifferblatt zeigt einen dunkelroten Farbverlauf, der ins Schwarze übergeht, und farblich von einer Drehlünette in schwarzer Hightech-Keramik fortgesetzt wird. Ab 2.310 Euro, rado.com/de

Hart, härter, feinste Handwerksarbeit

Es gibt eine Technik, die selbst einfarbigen Zifferblättern Anmut verleiht: Das Guillochieren per Hand bezeichnet die kunstvolle Verzierung metallener Gegenstände mittels hauchfeiner Rillen. Dazu werden seit dem 17. Jahrhundert Guillochiermaschinen oder Guillochen, eine auf diesen Zweck spezialisierte Form von Drehbänken, verwendet. Da diese nicht mehr hergestellt werden, wird mit Maschinen aus den 1930er-Jahren oder noch älteren Modellen gearbeitet. Nur wenige Menschen beherrschen diese Technik, die entsprechend selten auf Zifferblättern ausfindig zu machen ist. Um sich den Anspruch dieser Technik genau vor Augen zu führen, sei erwähnt, dass ein Guillocheur mit einem Mikroskop an der alten Maschine arbeitet und für feine Muster bis lediglich 0,01 Millimeter tief ins Material des Zifferblatts eindringt. Fehler dürfen im Grunde keine passieren, da das bloße Auge bereits Abweichungen von 0,001 Millimetern erfassen kann. „Unauffällige“ guillochierte Zifferblätter sind also handwerkliche Meisterwerke.

Zifferblatt

ULYSSE NARDIN BLAST MOONSTRUCK: Die Uhr zeigt geozentrisch die Mondbahn, die scheinbare Bewegung der Sonne um die Erde sowie eine Gezeitenindikation. Ab 77.000 Euro, ulysse-nardin.com

Zifferblatt

H. MOSER ENDEAVOUR SMALL SECOND TOTAL ECLIPSE: Das Zifferblatt ist mit Vantablack® beschichtet, einem tiefen, intensiven Schwarz, das sich deutlich vom Höhenring abhebt, der so hell leuchtet wie die Sonnenkorona bei einer totalen Sonnenfinsternis. Ab 24.600 Euro, h-moser.com/de

Zifferblatt

FRANCK MULLER GRAND CENTRAL TOURBILLON: Die Uhr bietet ein reines und spektakuläres Spektakel, indem sie das Tourbillon in den Mittelpunkt der Uhr stellt. Preis auf Anfrage, de.franckmuller.com

Ein solcher Aufwand findet sich natürlich nur bei Luxusuhren wieder, die immer eine lupenreine Finissage erhalten. Zu diesen gehört auch eine Uhrenmarke, die zwar für ihre irrwitzigen Komplikationen berühmt wurde, damit allein jedoch längst nicht aufhört zu begeistern. Zifferblätter von Franck Muller bekommen nicht selten sage und schreibe 20 Lackschichten aufgetragen, um das perfekte Leuchten ihrer Farben zu erzeugen. Darüber hinaus werden Ziffern und Verzierungen mit Einhaarpinseln gemalt – natürlich per Hand.

Umberto Eco sagte einmal, Schönheit sei mehr als die Oberfläche. Doch bei einer Uhr reicht oftmals das Offensichtliche aus, um zu verzaubern. Ein Zifferblatt allein ist viel mehr als eine Uhrzeitangabe.
(Bryan Kolarczyk)