Der Geruch von Schwarzpulver liegt in der Luft. In den Schützengräben liegen die Soldaten im Regen und Schlamm. Jahre später regnet es andernorts Blitzlichtgewitter, es riecht nach teurem Parfum und Weltstars strahlen auf dem roten Teppich um die Wette. Was verbindet das Schreckensszenario mit der Szene aus Hollywood oder Berlin? Der Trenchcoat. Ein Protagonist, der im Laufe seiner Karriere die verschiedensten Rollen gespielt hat und heute noch in jeden Kleiderschrank gehört.
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Yael Cohen trägt einen Trenchcoat von Burberry.

In Filmen sah man den Trench beispielsweise an Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“ oder an Leonardo DiCaprio in „Shutter Island“. Der Mantel begleitete jedoch schon viele Jahre zuvor die populärsten Filmstars aus Hollywood. Einen seiner ersten TV-Momente erlebte der Trench im Film „Casablanca“ aus dem Jahr 1942. Und nicht nur Schauspieler Humphrey Bogart wurde damit zur Berühmtheit, auch der Trench überzeugte und wurde seither quasi zum unverzichtbaren Requisit für viele Filmrollen – von Detektiv über Ganove bis zu Gentlemen.

In den 1950er Jahren war der Trench ein oft gesehener Begleiter der US-Schauspielerin Lizabeth Scott, die ihn unter anderem in „Stolen Face“ trug. Kollegin Sophia Loren zeigte sich in Filmen wie „The Key“ im Trench und auch Trevor Howard war ein Fan des Mantels und etablierte ihn gerne in seine Rollen. Sogar der britische Schauspieler und Produzent Sean Connery, den die meisten als klassischen James Bond im schwarzen Smoking kennen, startete seine Filmkarriere im Trench und zog darin im Melodram „Another Time, another Place“ bereits 1958 die Blicke auf sich.

Einen weiteren seiner unvergesslichen Filmmomente erlebte der Trench in den 1960er Jahren in „Breakfast at Tiffany´s“, als Audrey Hepburn und George Peppard uns einen der schönsten Filmküsse bescherten: New York im strömenden Regen und die beiden küssen sich leidenschaftlich – im Schutz ihrer Trenchcoats. Die Szene von 1961 bezauberte die Zuschauer weltweit und zeigte, wie elegant der Trenchcoat an beiden Geschlechtern zur Wirkung kommt. Schnell gehörte der Modeklassiker zu Audreys Lieblingen und bekleitete sie in weiteren bekannten Filmen wie beispielsweise „Charade“ von 1963, in dem sich auch Schauspielkollege Cary Grant stilsicher im Trench zeigte.

Der ursprüngliche Einsatz des Trenchcoats war jedoch ein ganz anderer als die Filmbühne. Als der Brite Thomas Burberry den wasserabweisenden Gabardine-Stoff entwickelte und Ende des 19. Jahrhunderts erstmals zu Regenmänteln verarbeitete, revolutionierte er die Modebranche. Zu Beginn nutzte das robuste Material vor allem Abenteurern und Forschern, die sich extremen Bedingungen aussetzten und mittels Kleidung aus Gabardine vor den äußeren Einflüssen schützen konnten. Neben Burberry wird auch Aquascutum London die Erfindung des Trenchcoats zugesprochen, allerdings sind die genauen Verhältnisse nicht eindeutig geklärt.

 

„Er ist ein Klassiker, kein Gegenstand der Mode.“

Christopher Bailey, Chefdesigner bei Burberry

 

Klar ist aber, dass während des Ersten Weltkriegs die britische Armee auf die Vorteile des Stoffes aufmerksam wurde und für ihre Einsätze Regenmäntel bei Burberry bestellte. Die Mäntel, wie wir sie heute kennen, dienten im Krieg als leichte Alternative zu der üblich schweren Militärkleidung, was dem Trench – zu Deutsch: Schützengraben – seinen heutigen Namen brachte. Der britische Staatsmann Winston Churchill tat es dem Militär ein paar Jahrzehnte später gleich und trug den Mantel bei vielen seiner öffentlichen Auftritte.

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Ein Klassiker der Filmgeschichte: In „Frühstück bei Tiffany“ wurde im Trench geküsst.

Heute hat sich der Burberry-Trench erfolgreich weiterentwickelt und ist weltweit zum Modeklassiker avanciert. Typischerweise ist er sandfarben und verfügt an der Rückseite über einen Gehschlitz. Weitere Merkmale des Mantels sind die Schulterklappen, der Bindegürtel mit Schnalle und die doppelreihige Knopfleiste. Das Label interpretiert den Mantel zu jeder Saison neu, wobei die klassische Ausführung des Mantels stets fester Bestandteil des Sortiments ist. Christopher Bailey, Chefdesigner bei Burberry, verzeichnet für den Erfolg des Bestsellers folgenden Grund: „Er ist ein Klassiker, kein Gegenstand der Mode.“ Internationale Stilvorbilder wie Blake Lively, Alexa Chung und Sarah Jessica Parker scheinen der gleichen Meinung zu sein und setzen in ihrem Privatleben gerne auf den Klassiker. Und auch in seinen Werbekampagnen kann das Label auf die Unterstützung von prominenten Gesichtern wie Model Naomi Campbell und Schauspielerin Emma Watson zählen. Der Trench kommt jedoch nicht nur bei den erwachsenen Stars gut an, auch unter Kindern ist er beliebt. Als Werbeträger machte unter anderem bereits Romeo Beckham, Sohn von David und Victoria, auf die Kinderversion des berühmten Mantels aufmerksam.

Lässig zur Jeans, elegant zum kleinen Schwarzen oder entschlossen zum Bleistiftrock und Bluse – der Trench passt reibungslos zu allen Anlässen und lässt sich mit so gut wie jedem Teil kombinieren. Dank des wasserabweisenden, aber luftdurchlässigen Stoffes ist der Mantel sowohl bei Regen als auch an sonnigen Tagen der richtige Begleiter und eignet sich damit perfekt als Übergangsmantel. An kühleren Tagen knöpfen Kenner den Mantel nicht zu, sondern schlagen das große Klapp-Revers übereinander und binden einen Knoten vorne in den Gürtel. Ansonsten wird der Trench einfach lässig offen getragen und der Gürtel hinten am Rücken locker zusammengebunden.

Seit seiner Zeit in den großen Hollywoodfilmen hat der Trench kein bisschen an Talent zum Wandelbaren verloren und schafft es bis heute, niemals deplatziert zu wirken. Ob an Mann oder Frau, zum Cocktailkleid oder auf dem Weg ins Büro, in beige oder bunt, der Trenchcoat verkörpert zeitlosen Stil mit unschlagbarer Effizienz. Ein echter Allrounder eben, der von Burberry aus seinen Weg in viele Kollektionen gefunden hat und gern gesehener Dauergast auf allen großen Modeschauen ist.

 

Fotos: Aquascutum (2), Burberry, Paramount Home Entertainment
Titelbild:  Sean Connery in „Another time – another place“ (1958) in einem Trenchcoat von Aquascutum.