Der Salone del Mobile hat in diesem Jahr sein 60. Jubiläum gefeiert. Die internationale Möbelmesse in Mailand ist das „Mekka“ für alle, die sich für die neuesten und angesagtesten Designtrends interessieren. Mit der diesjährigen Veranstaltung betonte der Salone del Mobile zudem sein Engagement für eine nachhaltige Entwicklung des gesamten Einrichtungssystems. Begleiten Sie uns auf einem Rundgang durch die internationale Möbelwelt.
Foto: © Elias Hassos

Es ging in Mailand unter anderem um Fragen wie: Wo steht die Gestaltung in Bezug auf die Nachhaltigkeit? Welche konkreten und aktuellen Mittel und Materialien stehen für das Design zur Verfügung? Über 2.000 Aussteller, darunter 600 junge Kreative, zeigten die Möbeltrends der Zukunft und machten in vielen Designs deutlich, dass zwischen gestern und morgen eine Verbindung besteht.

Ein schönes Beispiel ist die Corker-Serie des Münchner Unternehmens ClassiCon, die in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Herzog & de Meuron entstanden ist. Der „Corker“ ist ein Universaltalent und kann sowohl als Sitzgelegenheit als auch als Beistelltisch eingesetzt werden. So zeitlos der „Corker“ in Funktion und Design ist, so zukunftsweisend ist das Material, aus dem er besteht: Der in Portugal zur Produktion verwendete Kork stammt aus lokaler, nachhaltiger Forstwirtschaft, ist langlebig und zu einhundert Prozent recycelbar.

Foto: © Christian Kain

Eine Ikone der Moderne ist die Leuchte „Tube Light“. Die irische Architektin und Designerin Eileen Gray hat sie 1927 entworfen und ihr Design auf ein Minimum an Form und Material reduziert. „Tube Light“ ist eine Linienlampe, die das Licht durch die relativ große Oberfläche breit streut, sodass es sanft und gleichmäßig in den Raum abgegeben wird. Seit diesem Jahr produziert ClassiCon die „Tube Light“ das erste Mal auch in Schwarz. Zudem wurde sie mit einem Dimmer versehen.

„MAGGY BIG By Viganò“ ist ein Loungesessel aus Stoff mit Armlehnen. Entworfen hat die Kollektion Basaglia + Rota Nodari. viganooffice.it

Foto: © Federico Cedrone

Das „Panoramic“-Sofa von Knoll zeichnet sich durch seine Wandlungsfähigkeit aus. Die drei Rückenlehnen sind beweglich. So kann die Sitzposition ganz einfach verändert werden. knoll-int.com

Fotos: © Federico Cedrone (3)

Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei Knoll wieder eine Rolle. Mit Antonio Citterio hat Knoll dieses Jahr eine Kollektion herausgebracht, die sich nicht nur durch ihre zeitgemäße Sprache auszeichnet, sondern bei der natürliche Materialien wie Holz und Marmor verwendet wurden, die lange in der Tradition von Knoll verankert sind. „Klismos by Knoll“ punktet mit einer originellen Kombination aus Materialien und dynamischen, schlanken Formen. Die Sitzflächen und Rückenlehnen sind aus natürlichem Baumwollseil, das auf das Eichengestell geflochten ist. Die Kombination mit Holzrückenlehne ist ebenfalls erhältlich – in Naturfarbe oder Schwarz. Optional können elegante Lederkissen auf den Sitz gelegt werden, um den Komfort zu erhöhen. Besonders vielseitig und unkonventionell ist das Sofa der Klismos-Familie, das das Design von Stuhl und Sessel zu einer symmetrischen, dynamischen und gleichzeitig gemütlichen Form weiterentwickelt, die an die klassische Récamiere erinnert. Wie die Sitzmöbel hat auch das Sofa einen Rahmen aus Eiche Natur oder Schwarz und ist mit abnehmbaren Kissen mit Stoff- oder Lederbezug ausgestattet. Zur Kollektion gehört auch die Chaiselongue. Dank der abnehmbaren Armlehne kann sie frei positioniert und so zur „Méridienne“ werden. Die Rollenkopfstütze der Chaiselongue ist mit naturfarbenen oder schwarzen Lederschnüren an den Eichenrahmen gebunden und schafft eine ästhetische Verbindung zur Holzoberfläche.

Üppig ausgestaltete Kissenformen sind das Charakteristische des Sofas „Jalis21“ von Cor. Die voluminösen Kissen spenden Halt und sind so bequem, dass man sich überwinden muss, wieder aufzustehen. Ziernähte, die Ton-in-Ton gehalten sind, betonen die Konturen. Der Sessel „Noto“ ist minimalistisch und hat klare Linien. Die Flächen sind rechtwinkling und die Außennähte völlig gerade. Alles ist auf ein puristisches Design reduziert. Fast unsichtbare Rollen in den Wangen sorgen für Flexibilität und Mobilität. Den optimalen Sitzkomfort spürt man auf dem weich unterfederten Sitz und im zart schwingenden, fast frei schwebenden S-Linien-Rücken.

Re-connecting ist das Konzept der neuen Zanotta-Kollektion und beinhaltet die Beziehung zwischen Produkt und Mensch. Auch hierbei geht es um eine nachhaltigere Zukunft. Das Produkt wird nicht nur im Hinblick auf seine Funktion, sondern auch hinsichtlich seiner Interaktion mit den Menschen entworfen. So wie „ZA:ZA“, ein Sofa, das aus nur einem Block besteht. Es hat weiche Linien und wirkt sehr leicht. Bei dem Möbel geht es jedoch nicht nur um Ästhetik und Komfort, sondern genauso wichtig ist die Rationalisierung von Produktions- und Recyclingprozessen. Dazu zeigte Zanotta in Mailand einen Klassiker: Immer wieder gerne gesehen ist die Quaderna-Produktserie, die „Superstudio“, eine Gruppe von sechs Architekten, für Zanotta vor 50 Jahren entwickelt hatte. „Superstudio“ überzog die Produkte dieser Serie unterschiedslos mit einem Karomuster aus Quadraten. Die Möbel werden aus Sperrholz gefertigt. Der Linienabstand des Musters beträgt immer drei Zentimeter.

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Carl Hansen & Søn bringt den „Windsor Chair“ wieder auf den Markt. Entworfen wurde der Stuhl 1938 vom dänischen Architekten und Möbeltischler Frits Henningsen. Carl Hansen & Søn hat dann den Klassiker bis 2003 ohne Unterbrechung produziert. Jetzt wird der Chair in einer Version mit bequemem Sitzkissen neu aufgelegt. Der FH38 ist heute ebenso aktuell wie damals, als sein Archetyp vor rund 300 Jahren in Buckinghamshire, England, das Licht der Welt erblickte. Mit einer skulpturalen Rückenlehne und der Konstruktion aus geradlinigen, schräg gestellten Holzbeinen ist der „Windsor Chair“ ein Beispiel für Möbelkunst, die sich sowohl in eine moderne als auch klassische Einrichtung einfügt. Henningsens Version des „Windsor Chairs“ ist ein Dining Chair aus massiver Eiche mit hoher Rückenlehne. Er zeichnet sich durch viele handwerkliche Finessen aus, da bei der Fertigung eine Vielzahl verschiedener Tischlertechniken zum Einsatz kommen. Die Fertigung fordert daher die Fähigkeiten eines erfahrenen Möbeltischlers, denn Henningsen war selbst Tischler und Designer und wollte die Möglichkeiten erkunden, die die Materialien ihm boten.

Sessel und Tisch „DS 800“ sind ausgefallen. Die Möbel von de Sede sind in jeder Wohnsituation ein Highlight. desede.ch

Der Designer Ubald Klug schuf eine der Ikonen für den Schweizer Möbelhersteller de Sede: das „DS-1025“, besser bekannt als „Terrazza“, mit dem sich je nach Anordnung aus mehreren Sofas ein Berg oder ein Tal aus gepolstertem Leder zusammenfügen lässt. Bezeichnend für Klugs Werk ist die stete Suche und das Entdecken von Erscheinungsformen. So entstand für de Sede in den 1970er Jahren auch das „DS-800“, eine modulare Sitzgruppe. Das Redesign des Möbels ist ein zeitlos schöner Retro-Klassiker. Das „DS-800“ wirkt als Einsitzer sowie als miteinander kombinierbare Sitzgruppe wie eine einladende, schützende Hand. Mit einer um 360 Grad rotierenden Sitzfläche sowie einem flexiblen Rückenelement hat de Sede das „DS-800“ zu einer einzigartigen Skulptur entwickelt. Neben dem Fauteuil sind zudem Hocker- und Tischelemente erhältlich, die ebenfalls in die Sitzgruppen integriert werden können.

Was kommt und was bleibt? Die Mailänder Möbelmesse hat gezeigt, dass vieles, was einmal war, wiederkommt und als Klassiker bleibt. Die Einrichtungswelt steht nicht still, besinnt sich aber auf ihre Designwurzeln und schafft so eine Brücke zwischen gestern, heute und morgen. 

carlhansen.com
classicon.com
cor.de
desede.ch
knoll-int.com
zanotta.it

Der Entwurf für den „Sol Side Table“ stammt von dem spanischen Designer-Duo OrtegaGuijarro. Je nach Blickwinkel, Lichteinfall und Schattenspiel fügen sich die farbig-transparenten Elemente des Tisches zu immer neuen Silhouetten zusammen. classicon.com

„Quaderna 2750“ von Zanotta: Die Oberseite des Tisches verbirgt eine einziehbare und ausziehbare Schublade mit einem Fach aus schwarzem, kratzfestem, geprägtem und lackiertem Holz. zanotta.it

Die formschönen Tische hat Designer Sebastian Herkner entworfen. Beim „Bell Table“ wird der Tischfuß zur prägnanten, farbig-transparenten Glasform im Raum, auf dem ein Metallkörper aufliegt. classicon.com