Design für Küche und Tisch

//Design für Küche und Tisch
Der italienische Unternehmer und Visionär Alberto Alessi bereichert mit seinen Designprodukten gemeinsame Momente am Tisch und in der Küche durch einen Mix aus funktionellem Design und kreativer Verspieltheit. Für drei Viertel der Familien in Deutschland (74 Prozent) ist das gemeinsame Abendessen die einzige Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen, so eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) von 2017. Umso wichtiger ist es, diese gemeinsame Zeit vollends auszukosten und dabei das Können des Kochs mit einem stimmigen Service und einer schön gedeckten Tafel wertschätzend zu untermalen.
V. l. n. r. : Alberto Alessi, Achille Castiglioni, Enzo Mari, Aldo Rossi, Alessandro Mendini (1989)

V. l. n. r. : Alberto Alessi, Achille Castiglioni, Enzo Mari, Aldo Rossi, Alessandro Mendini (1989)

Die Geschichte des Design-Imperiums Alessi begann 1921, als der Großvater des heutigen Firmenchefs Alberto Alessi, Giovanni Alessi, ein erfahrener Metalldreher, eine „technische Werkstatt für die Bearbeitung von Messing- und Neusilberplatten, mit Gießerei“ im Ortsteil Crusinallo in der italienischen Gemeinde Omegna am Ortasee im Piemont gründete. Neben Messingknäufen wurden ausgeklügelte und kuriose Objekte für den Esstisch hergestellt, wie zum Beispiel Eierschneider, Trüffelhobel, Rumtopflöffel und Besteck für Kalbshaxen oder Konfekt.

 

„Ein wahres Designerstück muss die Menschen bewegen, Emotionen vermitteln, Erinnerungen wecken, überraschen, gegen den Strom schwimmen …“ (Alberto Alessi)

 

Carlo Alessi, Albertos Vater, stieg 1932 als gelernter Industriedesigner ins Unternehmen ein und etablierte dann das Design so, wie man es heute versteht. Das Kerngeschäft der Designschmiede – die Produktion von Gegenständen aus Edelstahl durch Kaltpressen von Metall – findet seitdem in dem Betrieb des Firmensitzes in Crusinallo statt. Viele Produkte entwickelten sich zu italienischen Alltagsklassikern, die bis heute produziert werden. Alberto Alessi trat 1970 nach seinem Jura-Studium ins Unternehmen ein. Er ist heute Präsident von Alessi S.p.A. und leitet dort die Marketing-Strategie sowie die Bereiche Kommunikation und Design-Management. Alberto Alessi hat ein besonderes Verständnis von Design: „Ein wahres Designerstück muss die Menschen bewegen, Emotionen vermitteln, Erinnerungen wecken, überraschen, gegen den Strom schwimmen …“ Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass Alessi seit Jahrzehnten als Synonym für Designobjekte im Haushaltsbereich gilt.

Obstschale „AC04“ in kupferfarben, Designer: Achille Castiglioni, Besteck „Dry“ in Kupfer, Designer: Achille Castiglioni, Kasserolle „La Cintura di Orione“ in Kupfer, Designer: Richard Sapper

Obstschale „AC04“ in kupferfarben, Designer: Achille Castiglioni // Besteck „Dry“ in Kupfer Designer: Achille Castiglioni // Kasserolle „La Cintura di Orione“ in Kupfer, Designer: Richard Sapper

Alberto Alessi arbeitet mit namhaften Designern und Architekten weltweit zusammen und hat damit den internationalen Ruf und Einfluss des Unternehmens deutlich vergrößert. Im Laufe der Zeit hat Alessi auch andere Materialien, wie Porzellan, Glas, Holz und Kunststoff, ins Programm aufgenommen und jeweils eine spezielle Fertigungsart ausgearbeitet. Die nicht aus Metall gefertigten Objekte werden an unterschiedlichen Produktionsstandorten weltweit hergestellt.

Die aktuelle Kollektion ist eine Hommage an drei Designer, die schon oft für Alessi einzigartige Produkte entworfen haben: Achille Castiglioni, Alessandro Mendini und Richard Sapper. 1980 begann die Zusammenarbeit zwischen Alberto Alessi und dem italienischen Architekten und Industriedesigner Achille Castiglioni (1918–2002), als dieser Alessi vorschlug, gemeinsam ein Besteck zu entwickeln. Daraus entstand 1982 zunächst die Besteckgarnitur „Dry“, später kamen viele andere Objekte hinzu. Anlässlich Castiglionis 100. Geburtstag würdigt Alessi in seiner Kollektion drei charakteristische Produkte: die kupferfarbene Sonderausgabe des Bestecksets „Dry“ aus rostfreiem Edelstahl (24-teilig ab 430 Euro), zwei „Bavero“-Espressotassen mit Unterteller im Kupfer-Dekor (ab 50 Euro) sowie die kupferfarbene Obstschale mit Sieb „AC04“ aus Edelstahl in limitierter Auflage von 999 nummerierten Stücken (ab 350 Euro). Die Verwendung des Materials Kupfer liegt zurzeit im Trend: Die rötliche Farbe strahlt Wärme aus und ist wegen der glänzenden Oberfläche ein glamouröser Hingucker.

Erstmalig produziert Alessi auch Kindergeschirr für das aktuelle Sortiment. Das Set „Alessini“ (hier: „Alessini – Proust“ bestehend aus einem Teller, Schale und Becher ab 59 Euro) vom Designer und Architekten Alessandro Mendini (*1931) bietet alles, was das Kinderherz begehrt: verspielte Formen sowie Farben und Dekor, die einem Konfettiregen gleichen. Das dennoch funktionale und originelle Set wurde zusammen mit Alex Mocika und Giovanna Molteni entwickelt sowie durch Besteck und ein Tablett abgerundet.

1979 wurde Mendini Designberater und Autor von Alessi. Für die aktuelle Kollektion designte er zudem mit Alex Mocika das Eierpfännchen „Tegamino“ (ab 90 Euro) zum Kochen oder Servieren bei Tisch. Der Umriss des Objekts spiegelt die Form eines aus der Schale entlassenen Eies wider, das auf die Zubereitung in der Pfanne wartet. Dazu gehört ein Rezeptbuch für pochierte Eier sowie Spiegel- und Rühreier.

Ein weiteres Produkt aus dem aktuellen Sortiment: Die Kasserolle aus der Serie des Designers Richard Sapper (1932–2015). „La Cintura di Orione“ in Kupfer (ab 320 Euro für 24 cm Durchmesser und 6 cm Höhe) eignet sich dank ihrer geradwinkeligen und niederen Wand bestens zum Schmoren, Anbraten und Garen im Ofen. Die Topf-Serie wurde gemeinsam mit Sterne-Köchen entwickelt und richtet sich an „Privatgourmets“. Der größte Teil der Töpfe ist aus einem speziellen Two-ply-Material hergestellt (außen dickwandiges Kupfer + innen Edelstahl 18/10), wodurch Wärme optimal gleichmäßig verteilt wird. 1979 wurde Sapper erstmals von Alberto Alessi beauftragt, das erste Produkt einer langen Serie zu gestalten: die Espressomaschine „9090“ aus Edelstahl (ab 139 Euro). Die Kanne ähnelt optisch einer Rakete, die sich mit nur einem Griff öffnet. Es ist zudem das erste Projekt von Alessi, welches im Museum of Modern Art in New York ausgestellt wurde.

 

Espressotasse „Bavero“ und Untertasse mit Kupfer-Details, Designer: Achille Castiglioni

 

Die Designfabrik Alessi ist zum einen offen für internationale kreative Entwicklungen, gleichzeitig aber auch fest in der Tradition und im kulturellen Erbe ihres Umfelds verwurzelt. Alessi ist nach wie vor gleichbedeutend mit Produkten, die durch handwerkliche Qualitäten überzeugen, jedoch mit der Hilfe von Maschinen gefertigt werden. Das Anliegen des Unternehmens ist es, fortschrittlichste Designideen auf die industrielle Serienproduktion zu übertragen und die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen.

Daher wird Alessi auch als „Fabbrica dei sogni“, als „Traumfabrik“ bezeichnet: Mithilfe seiner Designerstücke will es einen Beitrag zum Glücklichsein leisten und dem Bedürfnis nach Künstlerischem und Poetischem Tribut zollen, das alle Menschen verbindet.

„Tegamino“, Designer: Alessandro Mendini Espressokanne „9090“ von 1979, Designer: Richard Sapper

„Tegamino“, Designer: Alessandro Mendini // Espressokanne „9090“ von 1979, Designer: Richard Sapper

Erst kürzlich hat sich Alberto Alessi selbst einen weiteren Traum erfüllt: Nur ein paar Kilometer von seinem Familienunternehmen entfernt kaufte er ein Wohnhaus im norditalienischen Pratolungo, mitten in seinem eigenen Weinanbaugebiet. Als passionierter Weinbauer hat er seine Weine erstmals im Frühjahr 2014 vorgestellt. Die exklusiven Flaschen sind über die Website des Weingutes „La Signora Eugenia e il passero solitario“ erhältlich.

Alessis Wein und die Designobjekte haben eines gemeinsam: sich von Leidenschaft und Träumen inspirieren zulassen und diese umsetzen. Schließlich geht es Alessi darum, anderen und sich selbst Träume zu verwirklichen. Genau das ist es, was die seltenen gemeinsamen Momente mit der Familie oder Freunden am Tisch bei einem Abendessen verzaubert.

(Lilian Pfender)

Titelbild: Gedeckte Tafel mit dem 35 cm langen Brotmesser aus der Serie „Mami“ (25 Euro). Die Zacken der Klinge gewährleisten einen perfekten Schnitt bei Lebensmitteln mit Kruste und weichem Inneren wie Brot und Kuchen. Verschiedene Küchenmesser wurden bereits 2002 von Stefano Giovannoni entworfen und werden nun in der aktuellen Kollektion als Re-Edition aus mattiertem Stahl präsentiert.

Fotos: Matteo Imbriani (3), Gianni Berengo Gardin, Alessandro Milani, Alessi (4)