„Probier´s mal mit Gemütlichkeit“ heißt es im Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“. Dieser Vorschlag aus dem Urwald ist heute Trend in unseren Wohnzimmern. Deutschland lebt gemütlich – die imm cologne 2015 zeigt, dass Design und Wohnlichkeit kein Widerspruch sind.

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ELEGANT. „PS04“ von Müller Möbelfabrikation ist ideal für das Arbeiten zuhause.

„German Gemütlichkeit“ ist das Schlagwort für weiches Leder-Finish, handwerkliche Feinheiten, Kombinationen mit Kissen und Decken, warme Farbtöne und grobe Maschen. Kanten werden von Rundungen abgelöst. „Die Menschen wollen harmonische Formen und Farben und wohnliche Accessoires“, sagt Ursula Geismann, Trend- und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie e.V. anlässlich der imm cologne.

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VOLUMINÖS. Das Sofa „Solid Wave“ wirkt in jedem Raum.

Dabei ist Gemütlichkeit nicht mit „altmodisch“ gleichzusetzen. Die angesagtesten Labels bieten Möbel an, in die man sich so richtig schön hineinkuscheln kann. Sich einrollen, zudecken, schlafen oder einfach nur gemütlich sitzen kann man beispielsweise in dem Kuschel-Sessel „Solid Wave“ von Sophisticated Living. Der riesengroße und übertiefe Lounge-Sessel verbirgt sich unter einer ebenfalls riesengroßen, wendbaren Überdecke. Schön kuschelig ist auch Fell. Und genau damit überzieht Schulte Design seine Stühle – genauer gesagt, mit dem Fell seiner Kunden. Wer Großmutters Pelz nicht mehr mag, der kann ihn an den Krefelder Möbelhersteller schicken. Der überzieht damit seinen Klappstuhl Butterfly und macht so Fell wieder tragbar. Natürlich kann man einen derart bemäntelten Stuhl auch ohne eigenen Pelz bekommen. Schulte Design kann aus einem Fell-Fundus schöpfen. Der Klappstuhl ist eine Neuauflage des Klassikers Camp von 1979 und misst zusammengeklappt nur 18 Zentimeter.

„Die Menschen wollen harmonische Formen und Farben und wohnliche Accessoires.“

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KLASSIKER. Den Lounge Chair von Charles & Ray Eames aus dem Jahr 1956 bietet Vitra in zwei Größen an.

Da können aktuelle Sofas natürlich nicht mithalten, dennoch sind sie nicht mehr ganz so voluminös wie früher. Auch versinkt man nicht mehr in ihnen, sondern kann wieder richtig sitzen. „Im Trend liegt, dass Polstermöbelhersteller pfiffige Elektronanschlüsse im Sofa anbieten“, betont Geismann. In Möbel integrierte Lichttechnik ist ebenso nützlich wie stimmungsvoll – gesehen beispielsweise bei dem neuen Sofa „Finn“ von W. Schilling. Hier wurde Art déco mit „funktionaler Raffinesse“ kombiniert. Nicht nur, dass das Sofa mittels eines motorbetriebenen Sitzauszugs zur Liegefläche umfunktioniert werden kann, die im Fußraum optional integrierte LED-Beleuchtung in verschiedenen Farben zaubert per Bewegungsmelder indirektes Licht in den Raum. Schön, behaglich, gemütlich.

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EXKLUSIV. Die Ledermöbel von Tetrad sind handgefertigt.

Viele Menschen möchten im eigenen Zuhause einen kleinen Bereich zum Arbeiten haben. Das Home-office „ist als Funktionsbereich in vielen Wohnungen angekommen“, zeigt Ursula Geismann einen weiteren Trend auf. Kleine Sekretäre und ergonomisch geformte Stühle machen aus einer Ecke im Wohn- oder Schlafraum ein modernes Büro, das sich optimal integriert. Bücherregale voller Aktenordner gehören der Vergangenheit an. Der Laptop ersetzt Schreibmaschine und Papier. Wohnraum wird heute effizient genutzt. Überhaupt setzt sich der Trend, Wohnbereiche zu verschmelzen, auch 2015 fort. Küche, Essen, Wohnen – daraus wird am liebsten eins. Im Zentrum: der große Esstisch, an dem man gerne auch nach dem Speisen in gemütlicher Runde sitzen bleibt. So wie an Seito. Der Tisch von Walter Knoll ist effektvolles Understatement. Die Tischplatte ist aus weißem oder schwarzem Quarzstein und wird von einem Gestell aus edlem Nussbaumholz oder Eiche getragen.

Auch im Schlafzimmer wird viel Wert auf Gemütlichkeit gelegt. Dem wird das Angebot an Polsterbetten gerecht. Betten mit hohen Einstiegs- und Aufstehhöhen sind Trend und passen gut „zur tendenziell älter werdenden Kundschaft“, so Geismann. Das Boxspringbett war und ist der Bestseller.

Farben bringen Leben in jedes Haus und jede Wohnung. Farben vermitteln Gefühle. 2015 wird das Jahr von vor allem bunten Farben. Die Designer spielen mit Akzenten. „Wir werden viel Blau und Petroltöne sehen, aber auch Orange“, sagt Trendexpertin Geismann. Doch wir werden auch Schwarz sehen. Den Farbklassiker wird es in Matt und Hochglanz geben. Schwarz ist edel und passt zu jeder anderen Farbe. Gerade Klassiker in der Möbelwelt bekommen durch einen durchgängigen schwarzen Anstrich ein neues Gesicht, wie zum Beispiel die Sonderedition des Lounge Chairs von Charles & Ray Eames (Vitra).

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TISCH-SKULPTUR. „Seito“ von Walter Knoll bedarf keiner großen Inszenierung.

Fotos: Koelnmesse, imm 2015: müller möbelfabrikation, Sophisticated Living, Vitra, Walter Knoll, Tetrad