Tagsüber wälzt Werner Koch Gesetzesbücher. In seiner Freizeit schraubt der Rechtsanwalt leidenschaftlich an seinen Oldtimern und ist nicht zuletzt als Sprecher der Beueler Oldtimerfreunde „Schäl Sick“ ein gefragter Mann in der Szene. Oldtimer: Das ist Faszination pur einerseits und gewinnbringende Kapitalanlage andererseits. Werner Koch erzählte uns, warum das so ist.

Werner Koch ist Schatzsucher. Oldtimer wittert er durch geschlossene Garagentore und in nicht einsehbaren Hinterhöfen. Der ambitionierte Sammler ist bekannt für sein Gespür für seltene Automodelle. Das hat ihm bislang eine beachtliche Sammlung beschert: Ein Käfer, Ford A, Mercedes 280 S, Opel P2 und ein Citroen 2 CV, der einzige Youngtimer unter den Fahrzeugen, gehören dem 51-Jährigen bereits. Doch die Suche ist noch nicht beendet. „Mein Ziel ist es, einen markanten Oldtimer aus jeder Dekade des vergangenen Jahrhunderts zu besitzen“, sagt Koch. Mit diesem Ziel vor Augen, fährt er nicht selten über die Landesgrenzen hinaus.

Seinen bislang besten Fund, einen Ford A/Baujahr 1930, machte der Rechtsanwalt in Berlin. „Die Probefahrt fand im Feierabendverkehr mitten auf dem Kurfürstendamm statt − Stress pur“, erzählt Koch. Gekauft hat er den Wagen trotzdem und damit den wohl ältesten Oldtimer in das rechtsrheinische Bonn geholt. Später beschäftigte er sich ausführlich mit der Historie des heute 84-jährigen Modells. Mit Hilfe von Oldtimerfreunden in den USA konnte er die Vergangenheit des Fords fast lückenlos zusammentragen. Dabei wurde klar: Nach seiner Zeit als Gangsterlimousine in Chicago, Alltagswagen in Dänemark und Hochzeitsauto in Husum hatte er es verdient, schließlich über Berlin nach Beuel in den wohlverdienten Altersruhesitz zu düsen. „Es ist nicht nur das Design, das mich an Oldtimern reizt. Sondern auch die Geschichten dahinter. Diese Autos haben viel erlebt und das merkt man ihnen auch an“, so Koch.

 

Werner Koch über Oldtimer

Dabei begann seine Faszination eher zufällig. Mit der Idee, Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen, machte sich Koch auf die Suche nach dem Käfer „Ovali“. Das Modell aus den 50er Jahren besaßen bereits seine Eltern. Und der Gedanke, diesen wieder zu fahren, sollte der Ursprung seiner Sammlerleidenschaft werden. Inzwischen bedeuten seine Oldtimer in erster Linie Passion, aber auch Entspannung und Abschalten vom Hier und Jetzt. „Mit einem Oldtimer zu fahren ist jedes Mal eine Reise in die Vergangenheit“, so Koch. Frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“, kurvt der Rechtsanwalt in seiner freien Zeit am liebsten durch die Eifel. Dabei zieht er nicht selten die Blicke der Leute auf sich. „Als wir bei einem Käfertreffen mit einer Kolonne aus 100 Fahrzeugen losfuhren, blieb ein älterer Herr stehen, rieb sich die Augen und schüttelte den Kopf. Scheinbar konnte er nicht glauben, was er da sah“, schmunzelt Koch.

Auch aufsehenerregend war seine Begegnung mit Ferdinand Piech, dem Porsche-Enkel und VW-Aufsichtsratsvorsitzenden. Beide standen bei einem Empfang vor einem Ausstellungsoldtimer, einem Porsche Prototypen aus den 50er Jahren. Auf die Frage nach der Farbbezeichnung des Porsches zuckte Piech damals nur mit den Schultern. „Stratosilber L 227“, warf Koch prompt in die Runde und die volle Aufmerksamkeit gehörte ihm. Dass der Jurist dies nur wusste, weil sein Käfer die gleiche Farbbezeichnung hat, blieb zumindest an jenem Abend sein Geheimnis.

Nicht zuletzt wegen solcher Zufälle, viel Erfahrung und durch Aneignen von Wissen ist Koch, der selbst an seinen Oldtimern schraubt, mittlerweile als Berater ein gefragter Mann. Immer mehr Oldtimerinteressenten, ob im In- oder Ausland, holen sich bei ihm Rat. „Dabei geht es neben Suchanfragen auch um Investitionen oder die Frage, wie wertvoll ein Oldtimer tatsächlich ist“, so Koch. Und wie lukrativ ist ein Oldtimer als Geldanlage? „Im Durchschnitt steigen Oldtimer pro Jahr um sieben Prozent im Wert. Allerdings sollte man, gerade wenn man Oldtimer vordergründig als Kapitalanlage sieht, ausführlich recherchieren“, erklärt er. So sei der Citroen 2 CV 6 seit 1995 um fast 400 Prozent im Wert gestiegen, während zum Beispiel Rolls-Royce- und Bentley-Modellreihen stagnieren und sogar mit über 20 Prozent im Wert rückläufig sind. „Wichtig ist natürlich auch, dass der Zustand des Wagens zumindest erhalten bleibt. Ständige Pflege und Wartung sind absolute Grundvoraussetzung. Wer über keinen trockenen und durchlüfteten Stellplatz verfügt, sollte die Finger von Oldtimern lassen“, erklärt der Fachmann.

 

Werner Koch über Oldtimer

Auch auf die Frage, wie wertvoll ein Oldtimer ist, weiß Koch die schlüssige Antwort: „Als Faustregel gilt, umso älter und seltener ein Modell, desto wertvoller ist der Oldtimer.“ So zahlt man heute für einen Alfa Romeo Vorkriegsoldtimer 8 C 2300 den Spitzenwert von sechs Millionen Euro. Und der beliebte Käfer aus den 40er Jahren ist inzwischen rund 50.000 Euro wert. „Wobei man für einen Käfer aus Mexiko nicht mehr als 10.000 Euro zahlen sollte“, betont Koch.

Werner Koch liegt es am Herzen, Oldtimer den Menschen näher zu bringen. So hat er sich vergangenes Jahr einen großen Traum erfüllt, die Beueler Oldtimerfreunde „Schäl Sick“ gegründet und somit die Oldtimerszene ins rechtsrheinische Bonn geholt. Der Verein organisierte bereits die Ausstellung „Meilensteine der Automobilgeschichte“ anlässlich des Beueler Bürgerfestes. Doch Kochs Herz gehört den „Beueler Classics“, einem Oldtimertreffen, das er ebenfalls mit seinen „Schäl Sick“-Kollegen ins Leben gerufen hat. „Die Ausstellung von mehr als 100 Oldtimern aus acht Jahrzehnten am Rheinufer ist einfach gigantisch. Und die gemeinsame Ausfahrt über die Kennedybrücke vorbei an der Museumsmeile und zurück über die Südbrücke ist für alle ein einmaliges Erlebnis“, sagt Koch, der bereits in den Vorbereitungen für die nächsten „Beueler Classics“ steckt. Sein Ziel: Oldtimerveranstaltungen zu einer festen Größe im rechtsrheinischen Bonn zu machen. Und er betont: „Alle Oldtimer sind willkommen − ein R4 oder Käfer genauso wie ein La Licorne 420.“

 

OLDTIMER FÜR BEGINNER

 

Wann gilt ein Auto eigentlich als Oldtimer?
Als Oldtimer gelten gem. § 2 Nr. 22 Fahrzeugzulassungsverordnung Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen. Ein Oldtimer erhält das sogenannte H-Kennzeichen. Unabhängig von der Motorisierung bedeutet dies 191,73 Euro Steuern pro Jahr. Die mit Abstand häufigsten Oldtimer in Deutschland sind derzeit übrigens der VW Käfer mit etwa 50.000 Exemplaren und der Sachsenring Trabant mit 20.000 Fahrzeugen weniger. Die beliebte „Ente“ belegt Platz 3.

Worauf sollten Anfänger beim Kauf achten?
Zunächst sollte der Anfänger eine umfängliche Recherche bezogen auf seinen Wunscholdtimer betreiben. Es muss unbedingt die Frage geklärt sein, aus welchem Beweggrund man einen Oldtimer kaufen will. Soll er als Alltagswagen eingesetzt werden, soll er der mögliche Beginn einer Sammlung sein oder soll an dem Oldtimer in erster Linie geschraubt werden? Dann folgt der Blick in den Geldbeutel. In jedem Fall ist es nicht ratsam, die eingeplante Summe komplett in den Kauf zu investieren. Eine Reserve von etwa 20 Prozent sollte einkalkuliert werden. Vor dem Kauf ist es wichtig, sich mehrere Fahrzeuge anzusehen und in jedem Fall immer einen Experten mitzunehmen! Ein erfahrener Oldtimerliebhaber kennt sich aus, wenn es um die Überprüfung von Motor, Fahrwerk, Getriebe, Bremsen und Karosserie geht. Wichtig ist neben einer Probefahrt auch der Blick unter den Wagen mit Hilfe einer Hebebühne. Ist zu viel Unterbodenschutz vorhanden, Finger weg. Im entscheidenden Moment „Nein“ zu sagen, fällt vielen Kaufinteressenten schwer, da die emotionale Komponente bei einem Oldtimerkauf nicht zu unterschätzen ist. Dennoch sollte man versuchen, möglichst objektiv zu bleiben und vielleicht doch noch einmal die berühmte Nacht darüber schlafen.

Welche Oldtimer können Sie für kleines Geld empfehlen?
Als Einsteigermodelle bis 5.000 Euro ist der Mazda MX-5, der Mercedes 190 (W 201), der VW Mexico-Käfer und mein Favorit, der VW Golf I, zu empfehlen. Wirklich gute Exemplare, die L- und GL-Modelle, sind in den letzten fünf Jahren wertmäßig allein um 140 Prozent gestiegen. In der Preisskala bis zu 10.000 Euro gibt es viele alltagstaugliche Oldies: Alfa Romeo Spider, Fiat 500, Ford Granada, Mini oder Volvo Amazon. Selbst die Porsche-Modelle 944 und 928 liegen in dieser Preisklasse. Wenn es der Geldbeutel hergibt, sind auch eine Mercedes Heckflosse, ein Opel GT oder ein VW Karmann Ghia empfehlenswert.