Canterbury Shaker Village
Das Dorf Canterbury Shaker Village ist ein international bekanntes, gemeinnütziges Museum, das 1969 gegründet wurde, um das Erbe der Canterbury Shakers zu bewahren. shakers.org
Sie waren bekannt für ihre wilden rituellen Schütteltänze, die sie wie in Ekstase im Rahmen ihrer Gottesdienste aufführten – und für ihre Möbel- und Baukunst. Die Rede ist von den Shakern (to shake = schütteln), Anhänger einer protestantischen Freikirche aus Massachusetts in den USA. Während es von den Shakern selbst wohl nur noch zwei gibt, ist der Stil ihrer Möbelentwürfe heute noch aktuell und zeichnet sich durch formale Strenge, klare Linienführung und hohe Funktionalität aus.

Ihr eigentlicher Name lautet: „United Society of Believers in Christ’s Second Appearing“ oder auch „the Believers“ (die Gläubigen). Die Glaubensgemeinschaft der Shaker wurde im 18. Jahrhundert von Ann Lee (*1736 in Manchester, + 1784 in New York) in England gegründet. Lee stammte aus einer Quäker-Familie. Auf der Suche nach Religionsfreiheit wanderte sie 1774 mit acht Gläubigen in den amerikanischen Bundesstaat New York aus, wo sie nach einigen Jahren in Niskayuna im Albany County die erste Shaker-Gemeinschaft gründeten.

Möbel stellten sie zunächst nur für den eigenen Gebrauch her, erst später begannen sie, mit der Tischlerei und ihrem handwerklichen Können Geld zu verdienen. Nach und nach wurden die Möbel weltweit immer beliebter und mit steigender Nachfrage wurden aus den kleinen Tischlereien größere Fabriken mit Serienanfertigungen. Im 19. Jahrhundert gab es ca. 6.000 Mitglieder in 18 Shaker-Gemeinden in neun Bundesstaaten der USA. New Lebanon, etwa 70 Kilometer von Niskayuna entfernt, galt dabei als Zentrum der Shaker und war für sämtliche Gemeinden das Vorbild. Die Möbel der Shaker fanden zahlreiche Anhänger und man versuchte, sie nachzumachen. Die Qualität war jedoch nicht vergleichbar.

Doch was ist das Besondere an den Shaker-Möbeln? Ihr Zauber liegt in der Einfachheit. Auf jeglichen Zierrat wurde verzichtet und die Funktionalität in den Vordergrund gestellt. Schön war ein Möbel, wenn es auch nützlich war. In diesem Sinne beeinflussten die Shaker nach Ann Lees Grundsatz „Every force evolves a form“ („Jede Kraft entwickelt eine Form“) auch die moderne Architektur sowie neuestes Design.

M11 Desk shaker
M11 Desk ist ein Tisch mit Staufach, der als Sekretär, Konsoltisch, Nähtisch oder kleiner Esstisch vielseitig eingesetzt werden kann. zeitraum-moebel.de
Der Entwurf betont die Schönheit von gewachsenem Holz und lässt es als sinnliche Erfahrung erlebbar werden. Die Basis dafür ist eine moderne, präzise Formensprache, das ausgewogene Verhältnis zwischen rund und eckig, weich und hart. zeitraum-moebel.de

So übernehmen heutige Designer und Möbelunternehmen gerne Elemente des Shaker-Stils für ihre Möbelentwürfe und entwickeln diese weiter. „Zeitraum“ baut beispielsweise sehr minimalistische Möbel, die – ähnlich wie bei den Shakern – eine „Hommage an das Pure, die Reinheit des Materials und die Beständigkeit der Form“ sind, und die einen hohen Gebrauchswert besitzen. Das Unternehmen „Habit“ vertreibt Shaker-Möbel (Kirschholztisch mit Rollen), die von Shaker Workshops, Massachusetts, kuratiert wurden.

Handwerkliche Qualität und Arbeit sahen die Shaker als Teil ihres von Gott gegebenen Lebens an. Gemäß ihrem Motto „Hands to work and hearts to God“ („Die Hände bei der Arbeit, die Herzen bei Gott“) war die Arbeit eine Ausdrucksform des Betens. Der Glaube der Shaker fußte auf mehreren Prinzipien: dem Glauben an Gott, dem Gebot der Reinheit, einem Leben im Zölibat sowie auf einem Leben ohne Privateigentum. Die Shaker waren in vielen Bereichen Vorreiter. Zwar lebten die Geschlechter getrennt, doch waren im Beruf und im Alltag Frauen und Männer gleichberechtigt. Es gab weibliche und männliche Führungskräfte, Rassentrennung war der Glaubensgemeinschaft fremd und sie waren Pazifisten. Niemand wurde benachteiligt. Jeder konnte der Gemeinschaft beitreten und, wenn er wollte, diese aus freien Stücken wieder verlassen. Anders als die protestantische Glaubensgemeinschaft der Amischen lebten die Anhänger der Shaker nicht nur ehelos – Geschlechtsverkehr war prinzipiell untersagt. Neue Mitglieder konnte also nur von außerhalb gewonnen werden – durch Missionierung oder Adoption.

SHAKER-TISCH MIT ROLLEN Um auch große Möbel möglichst mobil zu halten, versahen die Shaker den Tisch mit Rollen. Die Rollen sind starr angebracht und nur in eine Richtung zu bewegen. habit.de
SHAKER-TISCH MIT ROLLEN
Um auch große Möbel möglichst mobil zu halten, versahen die Shaker den Tisch mit Rollen. Die Rollen sind starr angebracht und nur in eine Richtung zu bewegen. habit.de

Auch wenn die Holzmöbel im schlichten Design gehalten waren, so machten die Shaker vor Innovationen dennoch keinen Halt: Sie brachten die Kreissäge in die Vereinigten Staaten von Amerika und führten das „Bugholz-Verfahren“ von Michael Thonet bei ihren Stücken ein, das sie während der Weltausstellung 1876 in Philadelphia kennengelernt hatten. Dabei wurde Holz unter Wasserdampf gebogen und es entstanden so unter anderem die typischen ovalen Shaker-Boxen aus Spanholz, die insbesondere bei Sammlern beliebt sind. Die Original-Schachteln waren mit Datum, Namen und Verwendungsbeschreibung beschriftet. Berühmt und begehrt sind auch die Schaukelstühle im Shaker-Stil. Sie haben Sitzflächen aus geflochtenen Baumwollbändern und Lehnen aus waagerechten Sprossen. Sogar die US-Präsidenten Abraham Lincoln und John F. Kennedy schaukelten angeblich in Stühlen der Shaker. (Lilian Pfender)

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