Die Wiege des Galopprennsports steht in New Market, einem kleinen Städtchen in England. Doch bis dahin muss man nicht fahren, um diesen faszinierenden Sport hautnah zu erleben. Die Rennbahn in Köln-Weidenpesch bietet Attraktionen für die ganze Familie!

Großer Andrang herrschte im Weidenpescher Park beim Auftakt der Rennsaison. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist der Kölner Renn-Verein dort zu Hause. Die Liste seiner Gründungsmitglieder liest sich wie ein Auszug aus dem Kölner „Who´s who“. Bankiers, frühe Industrielle und wohlhabende Kaufleute gehörten dazu. Die Zeiten haben sich geändert. Der Galopprennsport ist in Köln zu einem Magnet für ein breites Publikum geworden. Auch beim diesjährigen Saisonauftakt wieder dabei: der 1. FC Köln, inklusive Maskottchen Hennes. Der Geißbock nahm`s trotz all der großen Tiere gelassen, war er doch gemeinsam mit den Spielern erschienen, um für die Stiftung 1. FC Köln die Werbetrommel zu rühren. „Wir veranstalten diesen besonderen Renntag mit dem 1. FC Köln bereits zum vierten Mal“, erklärt der Präsident des Kölner Renn-Vereins 1897, Eckhard Sauren. Die Stiftung unterstützt Projekte zur Förderung von Erziehung, Bildung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Weiterhin soll Menschen (vorrangig aus dem Fußballumfeld) geholfen werden, die in soziale Notlagen geraten sind. Außerdem sind Projekte zur Gewaltprävention in Fußballstadien sowie zur Förderung von Integration und Toleranz angedacht.

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Pferde und Reiter hautnah, Rennen, die nicht spannender sein können Fußball-Profis zum Anfassen und jede Menge Spaß und tolle Stimmung bei den Besuchern: Ein Besuch in Weidenpesch lohnt sich. Los geht es!

Ringsteward Herbert Köhler aus Dortmund läutet im Führring zum Aufsitzen der Jockeys. Die Reiter erscheinen in dünnen weißen Hosen und knallbunten Blousons. Noch ist Zeit, die Pferde zu beobachten und sich für eine Wette zu entscheiden. Welches Pferd ist in Form, welches ist besonders nervös? Ist ruhig besser oder ein Anzeichen für „Trägheit“. Ein Rennpferd träge? Wohl eher nicht. Für den Laien ist es schwierig, die Tiere zu bewerten. Doch das Wetten ist keine reine Expertensache. Ab einem Euro kann jeder auf seinen Favoriten setzen und da macht es nichts, wenn man ganz einfach aus dem Bauch heraus eine Entscheidung fällt. Allmählich steigt die Spannung. Die Pferde verlassen den Führring. Die Zuschauer strömen von den Wettschaltern zur Rennbahn. Die Startmaschine ist noch leer. Welches Pferd geht jetzt als Erstes hinein, welches zickt? Und dann geht es los. Ein einmaliges Bild. Von Weitem sieht es aus, als ob sich Pferde und Jockeys wie auf Schienen bewegen. Auf den großen Leinwänden am Rand der Rennbahn kann man das Rennen optimal verfolgen. Die Spannung der Zuschauer entlädt sich in lauten Anfeuerungsrufen, als die Pferde auf der Zielgerade an ihnen vorbei galoppieren. Wer wird Erster? Hier siegt Baltic Storm, Gestüt Ammerland, unter dem siebenfachen deutschen Championjockey Andrasch Starke für Asterblüte-Trainer Peter Schiergen in überlegener Manier. 

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Der Begriff Jockey ist eine Auszeichnung. Die erhält ein Berufsrennreiter erst dann, wenn er 50 Rennen der Klasse A bestritten hat. Alexander Pietsch zählt zu den besten deutschen Sattelkünstlern, 851 Siege hat der gebürtige Dresdener in seiner Karriere erzielt. Aktuell (Stand 14.4.2015) führt der 42-Jährige die deutsche Jockeyrangliste mit 15 Siegen an. Sein Saisonziel: „Ich möchte in diesem Jahr unbedingt Champion werden.“

Wie wird man Berufsrennreiter? Voraussetzung ist eine dreijährige Ausbildung zum Pferdewirt, Fachrichtung Rennreiten, die man in einem Trainings-betrieb absolviert. Kurz vor oder nach der Zwischenprüfung wird man dann in der German Jockey School in Köln auf sein reiterliches Können hin geprüft. Eine Woche, die es in sich hat. Sitz, Haltung, Umgang mit den Pferden und Kraft werden getestet. „Es sieht immer alles so leicht aus, aber das ist es nicht. Man muss körperlich sehr fit sein, ohne an Gewicht zuzunehmen“, sagt Kai Schirmann, Geschäftsführer des „Fördervereins zur Jockey Aus- und Weiterbildung“, der die einzige Schule dieser Art in Deutschland unterstützt. Der ehemalige Jockey weiß, wovon er spricht. Nach einer intensiven Woche auf der Galopprennbahn in Köln-Weidenpesch legen die Teilnehmer die Reitfähigkeitsprüfung ab. Danach geht zurück zur weiteren Ausbildung in den Trainingsbetrieb. Erst nach erfolgreicher Abschlussprüfung sind die jungen Reiter auch Berufsrennreiter. Jockeys aber noch nicht!

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Die nächsten Termine:

Sonntag, 14. Juni 2015, ab 13:30 Uhr
180. Oppenheim-Union-Rennen, Gr. 2 / Weidenpescher Stutenpreis, L.

Freitag, 17. Juli 2015, ab 11:30 Uhr
Sommer-Matinee, Kölner Zweijährigen-Trophy, L.

Mittwoch, 5. August 2015, ab 17:25 Uhr
After-Work-Renntag, BBAG Auktionsrennen.

Samstag, 26. September 2015, ab 13:30 Uhr
Preis des Verlags M. DuMont Schauberg – Winterkönigin-Trial, L Boxenstopp Autoshow & Pferderennen.

Sonntag, 27. September 2015, ab 13:30 Uhr
53. Preis von Europa, Gr. 1 Stutenpreis des Gestüts Winterhauch, L.

Samstag, 3. Oktober 2015, ab 13:45 Uhr
BHF-BANK Herbstpreis, L.

Sonntag, 11. Oktober 2015, ab 13:30 Uhr
Preis des Winterfavoriten, Gr. 3 Silbernes Band, L.

 

„Unser Ziel ist es, viele Leute glücklich zu machen“

Ein Gespräch mit Eckhard Sauren, Präsident des Kölner Renn-Vereins 1897

_SER8739Was ist das Faszinierende am Rennsport?
Da gibt es gleich mehrere Faktoren. Man hält sich in der Natur auf und verbringt schöne Stunden in einer ungezwungenen Atmosphäre. Dann gehören natürlich das eigentliche Renngeschehen und das Wetten dazu. Das ist das Salz in der Suppe. Die potenziellen Gewinner werden ausgeleuchtet, man schaut, ob man mit seiner Analyse richtig gelegen hat – das sind spannende Momente. Die Pferde an sich sind faszinierend. Man kann ihre Karriere ein Stück weit verfolgen. Gerade bei jüngeren Tieren ist dies sehr interessant. Schließlich herrscht bei den Rennen eine Atmosphäre, die ein bisschen etwas von Jahrmarkt und Flohmarkt hat, und damit sind sie für die ganze Familie ein tolles Event.

Wie sehen Sie den Rennsport in Deutschland, zum Beispiel im Vergleich zu England?
Den Briten liegt das Wetten viel mehr im Blut und auch ihre Neigung den Pferden gegenüber ist ein andere. Die Königin hat Pferde und der Premierminister äußert sich öffentlich positiv über den Rennsport und sagt, dass mehr getan werden muss, um europaweit konkurrenzfähig zu sein. Das spielt in Deutschland kaum eine Rolle. Der Rennsport erfährt meiner Meinung nach vonseiten der Öffentlichkeit, von den Städten und der Politik zu wenig Unterstützung. Wir arbeiten an diesem Problem, auch mit guten Fortschritten. Aber an der öffentlichen Betrachtung haben wir noch einiges zu tun.

Wo sehen Sie den Kölner Galopprennsport innerhalb des Sports in Köln positioniert?
Eigentlich an zweiter Stelle. Wir sind mit den Kölner Haien auf einer Ebene. An Renntagen wie heute rechnen wir mit 15.000 Zuschauern*. An den normalen Wochenendrenntagen haben wir etwa 10.000 Zuschauer. Deutschlandweit ist der Galopprennsport zusammen mit Eishockey der Zuschauersport Nummer 2, weltweit liegt er auf Augenhöhe mit dem Fußball. Wir müssen allerdings mehr an der Medienbedeutung arbeiten, aber auch dies läuft immer erfolgreicher. Es ist schwieriger, sich mit einem Pferd zu identifizieren als mit dem Verein der eigenen Stadt. Wir sehen uns aber als Familienevent Nummer 1 im Kölner Sport. Der FC Köln steht natürlich über allem. Das ist keine Frage und auch ganz großartig. Deswegen haben wir heute Galopprennen und Fußball miteinander verbunden. Wir glauben, dass wir hier auch aus Sicht der Stadt Köln ein sehr gutes Angebot haben.

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Wie kam es zu diesem gemeinsamen Event mit dem 1. FC Köln?
Ich bin langjähriger Fan und auch Beiratsmitglied vom 1. FC Köln. Da lag der Gedanke schon immer nahe. Für den 1. FC Köln ist ein solcher Renntag die perfekte Gelegenheit, seine Stiftung bekannter zu machen. Der Verein ist sich seiner sozialen Verantwortung sehr bewusst und tut in dieser Hinsicht sehr viel. Wir profitieren alle von diesem Renntag: der 1. FC, der Kölner Rennverein und vor allem die Stiftung.

Welche Erwartungen haben Sie an die neue Rennsaison?
Es wäre großartig, wenn wir wieder, wie schon in den vergangenen drei Jahren, zehn Prozent Zuschauerwachstum hinbekommen. Niveau und Level der Rennen werden immer höher. Wir machen viele Leute an den Renntagen glücklich, das sieht man, wenn man über die Rennbahn geht. Unser Ziel ist es, das jedes Jahr zu wiederholen und noch ein paar mehr Leute glücklich zu machen.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Reiten Sie selbst?
Nicht wirklich. Ich musste ein paar Mal bei Prominentenrennen in den Sattel. Für den guten Zweck habe ich mich dazu hinreißen lassen. Meine Faszination kommt dann doch eher über die Pferde, das Event und die Verfolgung der Rennpferde als davon, selbst oben zu sitzen.

*Anm. der Redaktion: Es gab Ostermontag mit 16.800 Zuschauern einen neuen Rekord.

 

Fotos: P. M. J. Rothe (6)