Sparton 566 Bluebird. Walter Dorwin Teague, Sparks-Withington Company, Jackson, Michigan (US), 1935–36
Phonosuper SK 5 „Schneewittchensarg“. Hans Gugelot, Dieter Rams, Max Braun oHG, Frankfurt a. M. (DE), 1958
L Sound System. Geneva Lab, Zürich (CH), 2008
66 Skyscraper. Harold L. van Doren, John Gordon Rideout, Air-King Products Company, Brooklyn, New York (US), 1935

 


 

Das Museum für Angewandte Kunst (MAKK) liegt im Herzen von Köln. In der Nähe des Doms und im Schatten des WDR. 1888 gegründet, residiert das MAKK seit 1989 in einem der bedeutendsten Museumsbauten der Nachkriegszeit und beheimatet eine facettenreiche Sammlung mit rund 150.000 Objekten. Aktuell ist im MAKK die Sonderausstellung „RADIO Zeit“ zu sehen, die sich ausschließlich mit dem Design des Radios beschäftigt – von den ersten sperrigen Kisten über den Volksempfänger bis hin zum Internetradio.

 

Das MAKK besitzt mit 230 Radios und Kombinationsanlagen eine der umfangreichsten Sammlungen dieser Art in Deutschland. In diesem Jahr ist es 120 Jahre her, dass die ersten Worte an eine Empfangsstation gesendet werden konnten. Anlass für das MAKK, seine Sammlung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Ausstellung setzt in den 1920er Jahren an, als sich bei den Radios die ersten Formen abzeichneten, und endet mit Objekten aus der heutigen Zeit. Dabei verfolgt die Präsentation die Fragestellung, ob und in welchem Maße es zu einer Kanonisierung des Radiogehäuses kommt. Mit diesem Thema beschäftigen sich international renommierte Designer wie Norman Bel Geddes, Mario Bellini, Marc Berthier, Achille & Pier Giacomo Castiglioni, Wells Coates, Ray & Charles Eames, Fritz Eichler, Hartmut Esslinger, Hans Gugelot, Raymond Loewy, Dietrich Lubs, Verner Panton, Dieter Rams, Richard Sapper, Philippe Starck, Walter Dorwin Teague und Marco Zanuso.

Wie es sich für eine Ausstellung zum Thema Radio gehört, bietet man in Köln nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch etwas für die Ohren. Elf Hörstationen sind eingerichtet, an denen man zeittypischen Beiträgen lauschen kann: zum Beispiel der englischsprachigen Reportage vom Brand des Zeppelins Hindenburg. Bleibt die Frage, wie das Radio der Zukunft aussieht? Wird es überhaupt noch Radios geben? „Ob das Radio als Apparat tatsächlich verschwindet – da würde ich sagen: Sprechen wir uns in zehn Jahren noch einmal“, erklärt Kuratorin Romana Breuer.

Mit der Ausstellung unterstreicht das MAKK einmal mehr seine Sonderstellung, die es im Reigen der Kölner Museen einnimmt, denn es gehört zu dem erlauchten Kreis von fünf Spezialmuseen für europäisches Kunsthandwerk und Design in Deutschland. Seinen Ursprung hatte es als eine „Mustersammlung“, durch die Handwerker, Entwerfer und deren Auftraggeber mit den besten Leistungen aller handwerklicher Gattungen bekannt gemacht und die historischen Entwicklungen und technologischen Besonderheiten herausgestellt werden sollten.

 

„Wir präsentieren Lifestyle vom Mittelalter bis heute“

 

Petra-Hesse

Petra Hesse. Direktorin des MAKK

Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung auf alle einschlägigen Genres ausgeweitet. Heute umfasst sie Exponate vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Sammlungsschwerpunkte sind unter anderem Glas, Keramik, Silber und Gold, historisches Mobiliar, Mode und Schmuck. „Wir präsentieren Lifestyle vom Mittelalter bis heute“, sagt Petra Hesse, Direktorin des MAKK.

Den passenden Rahmen dafür bietet der von 1953 bis 1957 von den Architekten Rudolf Schwarz und Josef Bernard für das Wallraf-Richartz-Museum errichtete Bau An der Rechtschule. „Die Architektur unseres Hauses ist eine ganz besondere, man fühlt sich in ihr wohl und sie passt zu unserem Thema Design“, betont Petra Hesse. Sie steht seit sechs Jahren an der Spitze des MAKK. Unterstützt von einem kleinen Team hat sie dem MAKK mit einem spannenden Ausstellungsprogramm ein zeitgemäßes Anlitz verschafft, das auch international schon einmal für Schlagzeilen sorgt. Wir haben uns mit Petra Hesse anlässlich der Ausstellung „RADIO Zeit“ unterhalten.

Das MAKK ist das einzige seiner Art in NRW, was macht es so einzigartig?
Das ist natürlich zunächst einmal unsere Sammlung. Wir präsentieren sehr spezielle – sehr lebensnahe – Objekte. Das ist aufgrund der Themenvielfalt eine große Herausforderung. Dann ist die Architektur unseres Hauses etwas ganz Besonderes. Beides zusammen in Verbindung mit zahlreichen Ausstellungs- und Kooperationsprojekten machen das Flair des MAKK aus und spricht unterschiedliche Zielgruppen auf sehr verschiedene Art und Weise an.

Von welchen Kooperationen sprechen Sie?
Der WDR ist beispielsweise ein enger Kooperationspartner von uns. Bei unserer aktuellen Ausstellung „RADIO Zeit“ hat er uns unter anderem mit historischen Fotos und Mobiliar aus einem alten Studio unterstützt. Im Sommer veranstalten wir mit der Kinogesellschaft Kinonächte, in denen wir Biennale- Filme zeigen. Im Herbst sind wir wieder Festivalzentrum für das Festival der Internationalen Fotoszene. Ich sehe unser Haus als lebendigen Hotspot innerhalb der Kulturszene Kölns.

Das MAKK ist das zweitälteste Museum in Köln, aber im Vergleich beispielsweise zum Museum Ludwig weniger bekannt. Was ist der Grund?
Das hat mehrere Gründe. Einer ist der, dass das Haus sehr lange im Dornröschenschlaf gelegen hat. In den sechs Jahren, in denen ich hier bin, haben wir versucht, das MAKK sukzessive nach vorne zu bringen. Das geht aber nicht so einfach, man kann nicht eben einmal einen Knopf umdrehen. Ganz wichtig ist natürlich die Kommunikation nach außen. Wir sind jetzt gerade dabei, dieses Feld mithilfe unseres Fördererkreises professionell aufzubauen. Mittlerweile haben wir, gerade was die großen Designausstellungen betrifft, Resonanz bis in die New York Times. Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Museen wie zum Beispiel das Museum Ludwig haben nur eine inhaltliche Ausrichtung. Das ist bei uns anders. Dadurch ist unsere Zielgruppe sehr heterogen. Wir zeigen ein breites Spektrum. Das ist unsere Aufgabe als Museum für angewandte Kunst und damit Crux und Chance zugleich. Mit jedem Ausstellungsthema sprechen wir eine andere Besuchergruppe an.

Welche Rolle spielt das Thema Design?
Das Design ist die stringente Weiterentwicklung unseres Sammlungsbereichs zum Kunsthandwerk. 1888 sind wir als Kunstgewerbemuseum gegründet worden und beginnend mit den Prozessen der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts kamen Designprodukte in unsere Sammlungen, obwohl es den Begriff Design noch gar nicht gab. Design wurde dann verstärkt ab den 1960er Jahren konsequent und ohne inhaltlichen Bruch in unseren Museumsbestand integriert. Dank unserer Designsammlung gelingt uns heute der Spagat zu den jüngeren Menschen.

In Ihrem Logo steht „Kunst und Design“. Ist Design nicht auch Kunst oder wo sind da die Grenzen?
Kunst ist der Überbegriff für alles, was bildnerisch oder angewandt ist. Design unterscheidet sich von der Kunst in dem Fall, dass es industriell hergestellt ist. Das sind die zwei Pole, zwischen denen wir uns bewegen. Dieser Untertitel im Logo wurde bewusst gewählt, weil die meisten Menschen mit dem Begriff „angewandte Kunst“ nichts anfangen können. Design und Kunst wachsen immer stärker zusammen und die Schnittstelle bedienen wir mit unseren Sammlungen.

Welche Rolle spielt das Design in Köln?
Eine heterogene. Es gibt sehr viele Initiativen hierzu in Köln – von Festivals und Designmärkten bis hin zur internationalen Möbelmesse, die im Interiorbereich einen hohen Stellenwert hat. Daneben passiert auch sehr vieles in kleineren Aktionen und Veranstaltungen. Wir versuchen immer ein bisschen diese Szenen auch an uns zu binden, um mit uns zu kooperieren oder um gemeinsam Projekte anzustoßen. Für mich wäre es erstrebenswert, die Designszene mehr zu fokussieren, um das Image als Designstandort zu stärken. Wir haben sieben Hochschulen, die sich mit dem Thema Design befassen, und sie alle haben eine andere Ausrichtung. Das ist für eine Stadt ganz beachtlich. Wenn man dies alles bündeln würde – Messe, Hochschullandschaft und die freie Szene –, könnte der Designstandort Köln auch überregional mehr wahrgenommen werden.

Was wünschen Sie sich noch fürs MAKK?
Wir haben sehr viele Baustellen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Fenster müssen saniert werden und andere dringende Renovierungsarbeiten stehen an. Ich wäre sehr glücklich, wenn wir mit unseren Baumaßnahmen jetzt beginnen könnten und dann zu einem schnellen Abschluss kämen. Mein inhaltliches Ziel ist es aber, die Schausammlung zum Kunsthandwerk neu zu präsentieren. Sie ist, seitdem das Museum in dieses Haus gezogen ist, unverändert und bedarf einer neuen Aufstellung.

Haben Sie schon eine Vorstellung?
Es ist momentan noch zu früh, um darüber zu sprechen. Lassen Sie sich überraschen.

Haben Sie in der Ausstellung unter all den handwerklichen Highlights ein Lieblingsstück?
Das ist schwer zu beantworten. In jedem Bereich gibt es Objekte, die mich immer wieder faszinieren. Aber da von Lieblingsstücken zu sprechen, würde den anderen Objekten nicht gerecht werden. Worauf ich sehr stolz bin, ist unsere Designabteilung insgesamt, deren Grundstock die großzügige Schenkung der Sammlung Winkler ist. Sie umfasst neben Designobjekten auch repräsentative Beispiele der freien Kunst. Damit setzt sich das MAKK über konventionelle Präsentationsformen hinweg und schafft einen Rahmen für eine ganzheitlichere Betrachtungsweise.

 


 

MAKK - Museum für Angewandte Kunst, KölnDas MAKK zeigt seine umfassenden Sammlungen aus 800 Jahren europäischen Kunsthandwerks sowie eine 5.000 Jahre zurückreichende Schmucksammlung. Der Rundgang durch die Jahrhunderte vermittelt den künstlerischen Reichtum der unterschiedlichen Epochen und Stile. 2008 wurde ein weiteres Highlight eröffnet: die durch die Sammlung R.G. Winkler wesentlich erweiterte Design-Abteilung mit ihrem Schwerpunkt auf nordamerikanischem und westeuropäischem Design des 20. und 21. Jahrhunderts.

MAKK – MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST KÖLN
An der Rechtschule, 50667 Köln
Di – So 11 – 17 Uhr montags geschlossen
1. Do im Monat (außer an Feiertagen) 11 – 22 Uhr
1. So im Monat 10 – 17 Uhr
www.makk.de

 

Fotos: © RBA Köln, Marion Mennicken (3), © Saša Fuis Photographie Köln, MAKK