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Johannes Laschet: „Man sollte auch in der Mode immer authentisch bleiben.“

Johannes Laschet
Sein Vater ist Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Johannes Laschet wählt jedoch einen anderen Weg für seine Karriere: Er bloggt auf Instagram und gilt als sogenannter Influencer. Unter dem Namen @joe_laschet präsentiert sich der Student der Rechtswissenschaft über 75.000 Followern mal im feinen Anzug mit Krawatte und Weste oder mal ganz lässig mit offenem Hemdkragen, Perlenarmbändern und schickem Sommerhut. Ein Gespräch über die Faszination Mode, Authentizität und was einen Gentleman ausmacht:

Wir sind mit Johannes Laschet im Herrensalon „Gentlemen’s Way“ in den Bonner Theaterarkaden verabredet. Auf die Minute pünktlich kommt er herein. Stahlblauer Anzug, weißes Hemd, Einstecktuch, braune Loafer, Trenchcoat. Klassisch mit einem frischen Touch. Völlig entspannt und selbstsicher – ein Gentleman der Neuzeit. Professionell und konzentriert nimmt Laschet für die Fotos auf dem schwarzen Lederstuhl Platz. Noch einmal in die andere Richtung schauen. Fertig, danke. Das Wetter ist frühlingshaft schön, so setzen wir uns für das Interview ins Freie. Und los geht es:

Sie sind Blogger und Influencer für klassische Herrenmode – wie kam es dazu?
Bereits als Teenager hat mich die klassische Herrenmode begeistert. Meine Onkel schenkten mir damals ihre alten Hemden. Die waren mir natürlich viel zu groß, aber ich wollte sie auch nicht wegwerfen. Meine Oma hat mir auf ihrer Nähmaschine das Nähen beigebracht und ich habe die alten Hemden an meine Größe angepasst. 2015 habe ich dann an dem Wettbewerb „GQ Gentlemen“ teilgenommen. Dabei wurde vom GQ-Magazin ein Markenbotschafter gesucht. Zehn Männer mussten an einem Wochenende verschiedene Herausforderungen bestreiten. Ich habe den Wettbewerb zwar nicht gewonnen, aber ich habe einen Fuß in die Türe bekommen. Ich habe das ganze GQ-Team kennengelernt, woraus sich nach und nach ein Netzwerk entwickelte, das mir dabei geholfen hat, meinen Instagram-Account aufzubauen.

Ist es für Sie mehr Hobby oder Beruf?
Zunächst war es für mich nur Hobby. Ich hatte eine Plattform, die mir neben meinem Studium einen kreativen Ausgleich bot. Ich habe nebenbei meine Outfits fotografiert und auf Instagram hochgeladen. Nach und nach fand das immer mehr Anklang und dann machte ich mich damit selbstständig.

Sie sind immer top gekleidet, wie beschreiben Sie Ihren Stil?
Meinen Stil würde ich schon als sehr klassisch beschreiben. Ich bringe jedoch auch gerne ein bisschen Modernität mit hinein. Ich bin kein großer Fan von Trends, sondern ich mag viel lieber Altbewährtes. Aber auch in der klassischen Herrenmode gibt es immer wieder neue Nuancen, die ich, wenn sie mir gefallen, gerne annehme.

Haben Sie ein Vorbild?
Ein modisches Vorbild habe ich eigentlich nicht. Es gibt sicherlich einige Prominente und auch andere Blogger, von denen ich mich inspirieren lasse, aber ein spezielles Vorbild habe ich nicht.

Wie lange benötigen Sie, um Ihr Outfit zusammenzustellen?
Das kommt ganz auf den Anlass an. Wenn ich verabredet bin, schaue ich schon genau hin, was zusammenpasst. Das geht aber trotzdem ziemlich schnell. Gehe ich auf eine Abendveranstaltung oder etwas Ähnliches, dann kann es durchaus etwas länger dauern. Dann probiere ich auch schon mal mehrere Anzüge an, bis ich mich richtig wohlfühle.

Wie viele Anzüge besitzen Sie?
Ich habe sie kürzlich gezählt, da waren es 16 Anzüge. Die verstauben auch nicht im Kleiderschrank, sondern werden von mir regelmäßig getragen. Ich habe eine eigene Stange für meine Anzüge und finde es schön, sie anzuschauen. Das heißt, die Stange steht offen in meinem Zimmer. Ich bin mit der Zeit zu einer Art Sammler geworden. Ich glaube, das bringt Bloggen so mit sich.

Setzt gutes Aussehen Disziplin voraus?
Auf jeden Fall. In erster Linie sollte es jedoch Spaß machen, sich gut zu kleiden. Wenn man keine Freude daran hat, ist es Quatsch, sich dazu zu zwingen. Aber es ist eine Frage der Disziplin. Es sind Regeln zu beachten, welche Farben beispielsweise kombiniert werden dürfen und was nicht miteinander kombiniert werden darf.

Was sind für Sie modische No-Goes?
Weiße Socken gehen gar nicht. Kurzarmhemden sollte man weglassen. Sandalen für Männer sind auch ein No-Go. Man sollte immer möglichst wenig Fuß zeigen. Ansonsten kann sich jeder austoben.

Wo holen Sie sich Ihren Anregungen her?
Die hole ich mir eigentlich von überall her. Von Instagram natürlich, aus Filmen und von Prominenten. Ich finde sie außerdem in alltäglichen Begegnungen. Das kann ein alter Herr sein, der eine schöne Fliege trägt, oder ein Blogger, der auf eine bestimmte Art seinen Anzug trägt. Das kann alles sein.

Sehen Sie sich als Gentleman?
Das denke ich schon. Mit dem Stil geht auch ein bestimmtes Verhalten einher. Es reicht nicht nur, sich klassisch anzuziehen, sondern dazu gehört auch korrektes Benehmen, eine gewisse Offenheit. Man sollte zuvorkommend sein und respektvoll mit seinen Mitmenschen umgehen. Das Gesamtpaket macht einen Gentleman aus und danach versuche ich zu leben. Wenn einer klassisch angezogen, aber ein Idiot ist, dann ist er kein Gentleman.

Warum besuchen Sie den Herrensalon und nicht einen „normalen“ Friseursalon?
Mir gefällt das Konzept. Der Salon hat ein tolles Flair. Auch das Drumherum stimmt – vom Espresso bis zum Wochenendbier. Die Friseure schneiden super, wissen genau, was ich möchte, und setzen dies auch so um.

Experimentieren Sie mit Ihrer Frisur?
(Lacht) Ganz, ganz wenig. Ab und zu lasse ich schon einmal die Meinung des Friseurs zu, aber im Grunde genommen bleibe ich meinem Haarschnitt treu. Das ist ja das Schwierige, dass man erst einmal einen Friseur finden muss, der es genauso macht, wie der Kunde es wünscht. Und das ist hier im „Gentlemen’s Way“ der Fall.

Was würden Sie einem jungen Mann raten, der in Ihre Fußstapfen treten möchten?
Er muss Spaß an dem Thema haben und sollte es zunächst als Hobby sehen. Geduld ist sehr wichtig, denn der Erfolg kommt nicht von jetzt auf gleich. Ich habe lange Durststrecken erlebt.

Fallen Sie in der Universität eigentlich auf?
Das kommt vor, obwohl ich im Moment fast nur von zuhause aus lerne.

Wie kleidet man sich dieses Jahr als Mann?
Das möchte ich so pauschal gar nicht beantworten. Man sollte auch in der Mode immer authentisch bleiben. Aber grundsätzlich passt immer ein blauer Anzug, den man in Kombination mit Loafern trägt. Bitte dazu keine Socken anziehen. Und, was viele nicht wissen: Man zieht auf den Anzug keinen Gürtel an.

Sie tragen gerade auch keinen Gürtel …
Genau. Der Gürtel hindert eine Hose am Rutschen. Ziehe ich auf einen Anzug also einen Gürtel an, heißt dies: Die Hose passt nicht. Auf eine Jeans oder eine Chino trage ich schon mal einen Gürtel, aber auch eher selten.

Wie stehen Sie zu kurzen Hosen?
Ich bin eigentlich kein Fan von kurzen Hosen. Aber, wenn es richtig heiß ist, darf auch mal eine kurze Hose angezogen werden.

Wie steht Ihr Vater Armin Laschet zu dem, was Sie machen?
Der findet es interessant und bestätigt mich auch darin. Er sagt immer: „Wenn du es mit Leidenschaft machst, ist das super.“ Er hört sich gerne Tipps von mir an und wir gehen zusammen einkaufen. Was seine Kleidung betrifft, hat er es selbst ganz gut drauf.

Was ziehen Sie an, wenn Sie einem Freund beim Renovieren helfen müssen?
Alte Jeans, T-Shirt, Kappe und Turnschuhe. Ich laufe nicht jeden Tag im Anzug herum. Ich ziehe auch gerne Jeans und Lederjacke an.

(Susanne Rothe)

Foto: P. M. J. Rothe

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