Fotografien mit großer Strahlkraft

//Fotografien mit großer Strahlkraft
Eva Besnyö (1910-2003) hat sich vor allem als Vertreterin des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit einen Namen gemacht. Zwischen beiden Positionen entwickelte die Fotografin eine ganz eigene Bildsprache – mit starkem Ausdruck und großer Strahlkraft. Im Käthe Kollwitz Museum Köln sind noch bis Anfang Dezember mehr als 80 Vintage Prints Besnyös aus sechs Jahrzehnten zu sehen.

 

Eva Besnyö

Junge mit dem Cello, Ungarn, 1931, Silbergelatine, © Eva Besnyö / MAI // Selbstportrait, Berlin, 1931, Silbergelatine, © Eva Besnyö / MAI

 

Eva Besnyö wurde in Budapest als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts geboren. Ihre ersten fotografischen Versuche unternahm sie mit einer Kodak Brownie, einer sehr einfach konstruierten Kamera für Rollfilme, die man produziert hatte, um auch technisch Unbegabte anzusprechen. Eva Besnyö, deren Vorbild der Fotograf Albert Renger-Patzsch war, absolvierte von 1928 bis 1930 bei dem Portrait- und Werbefotografen József Pécsi in Budapest eine Ausbildung. 

 

Eva Besnyö

Sommerhaus Groet, Nordholland 1934, Silbergelatine, © Eva Besnyö / MAI

 

Nach deren Abschluss ging sie nach Berlin, wo die 20-Jährige zunächst für kurze Zeit im Atelier eines Werbefotografen arbeitete, bevor sie in das renommierte Pressebüro Dr. Peter Weller wechselte. Eva Besnyö blieb nur zwei Jahre in Berlin, diese Zeit prägte jedoch ihr Leben und Werk entscheidend. Sie durchstreifte täglich die Straßen der Reichshauptstadt und hielt die Augenblicke, die ihr wichtig waren, in ihrer eigenen Bildsprache fest: markante Details, ungewöhnliche Perspektiven oder auch flüchtige Momente, die sie für immer in starke Hell-Dunkel-Kontraste bannte. Bis heute sind viele ihrer Bilder nicht zuzuordnen, da die Bilder üblicherweise unter dem Namen des Büros liefen, für das man arbeitete.

 

Eva Besnyö

(rechts) Violette Cornelius, Photographin, Keizersgracht 522, Amsterdam 1938, Silbergelatine, © Eva Besnyö / MAI

 

Monate vor der Machtübernahme Adolf Hitlers verließ Eva Besnyö Berlin und zog nach Amsterdam. Dort fand sie schnell Zugang zu anderen Künstlern des Landes, unter anderem lernte sie Gerrit Rietveld kennen, der einer der wichtigsten Designer und Architekten des 20. Jahrhunderts war. Besnyö begann ihren Fokus auf die Architekturfotografie zu legen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht tauchte sie unter und überlebte den Nationalsozialismus im Versteck. Dank eines gefälschten „Ariernachweises“ entging sie knapp der Deportation. Nach dem Krieg wurde Besnyö eine der bekanntesten Fotografinnen der Niederlande. 1970 wurde sie aktiv in der „Dolle Mina“-Frauenbewegung und dokumentierte über Jahre deren Aktivitäten. Anfang der 1990er Jahre wurden ihre Fotografien erstmals in Deutschland im Verein Das Verborgene Museum, Berlin, gezeigt.

 

Eva Besnyö

Strandbad Wannsee, Berlin 1931, Silbergelatine, © Eva Besnyö / MAI

 

Die Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum zeigt überwiegend Originalabzüge – Vintages aus dem Nachlass der Künstlerin, die sämtliche Stationen ihres Lebens repräsentieren: von den frühen, durch Renger-Patzsch oder Moholy-Nagy inspirierten Detail-Aufnahmen aus Budapest über die experimentellen Berliner Straßenszenen um 1930, die vortrefflichen Portrait- und Architekturphotographien bis hin zur Dokumentation der Frauenbewegung in den Niederlanden. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit Das Verborgene Museum, Berlin, entstanden und noch bis zum 9. Dezember in Köln zu sehen.

www.kollwitz.de

Titelbild: Narda, Amsterdam , 1937, Silbergelatine, © Eva Besnyö / Maria Austria Instituut