Lachen ist gesund. Weil Gesundheit momentan das alles beherrschende Thema ist und wir alle viel davon gebrauchen können, schreiten wir ohne große Umschweife zur Tat und präsentieren Ihnen außergewöhnlich lustige Streifen für den nächsten Filmabend. Dieses Mal erlauben wir uns anlässlich der neuen Gesamtbox von Monty Python’s Flying Circus einen Abstecher vom Kino in die Television. Wir bleiben außerdem in Großbritannien und Irland und setzen schon einmal den Tee auf.

Brügge sehen … und sterben? (2008)

Waren Sie schon einmal mit jemandem im Urlaub, der absolut gar keine Lust hatte mitzukommen? Das kann ziemlich frustrierend sein, wenn die Begeisterung für all die Sehenswürdigkeiten permanent von zynischen Kommentaren Ihrer Begleitung getrübt wird. Wenn diese zudem noch von Gewissensbissen geplagt ist, weil sie den letzten Auftragsmord vermasselt hat, und der Urlaub trotz all Ihrer Bemühungen niemanden auf andere Gedanken bringt, dann teilen Sie das bittere Los von Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell).

Für Ray, der den letzten Auftrag so richtig vermasselt hatte, ist das Schlimmste am Zwangsurlaub jedoch der Urlaubsort: Brügge in Westflandern. Das „Venedig des Nordens“ mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und vielen romantischen Gassen. Dort sitzen die beiden Auftragskiller zwischen malerischen Kanälen und mittelalterlichen Kirchen und warten tagelang auf einen Anruf von ihrem Boss Harry (Ralph Fiennes) mit weiteren Instruktionen. Während Ken versucht, sich den kulturellen Reizen der mittelalterlichen Stadt zu widmen, entfacht Ray nach alter Gewohnheit sofort allerhand Krawall: Er prügelt sich mit Touristen, feiert wilde Partys mit dem zwergwüchsigen Hauptdarsteller eines surrealistischen Films und bändelt zu allem Überfluss auch noch mit der lokalen Schönheit Chloë (Clémence Poésy) an. Wen wundert’s, dass deren Ex-Freund davon wenig begeistert ist. Noch weniger begeistert von dem lärmenden Treiben aber zeigt sich bald auch der Boss. Deshalb erhält Ken nun den Auftrag, seinen Kumpel Ray ruhigzustellen – und zwar endgültig …

Brügge sehen und sterben

Es gibt zwar kuriose Gegenbeispiele, aber meistens ist ein Staraufgebot, noch dazu ein britisch-irländisches, Garant für einen guten Film. Im Falle von „Brügge sehen … und sterben?“ haben wir eine erstklassige, rabenschwarze Gangsterkomödie, die mit ihrem trockenen Humor und einem bis zum Ende fein durchdachten Drehbuch überzeugt. Geschrieben wurde es von Martin McDonagh, der auch Regie führte und zuletzt mit dem brillanten „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017) Kinogänger begeisterte – unbedingt auch ansehen! Hier lässt der Filmemacher drei Männer aufeinanderprallen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Das birgt enormes Konfliktpotenzial, welches sich in einer Szene in urkomischen Dialogen und in der nächsten in extremen Gewalttaten entlädt. Den Schauspielern, allen voran Colin Farrell, bietet das viel Raum für zwischenmenschliche Interaktion. Und der wird ihnen zum Glück gewährt. Denn so schaffen es die Mimen, einen Alltag zu kreieren, der uns Zuschauer vergessen lässt, dass hier Mörder mit ihren Problemchen zu kämpfen haben. Ein etwas später, aber umso befriedigenderer Auftritt von Ralph Fiennes zeigt auf herrlich verachtenswerte Weise, was es heißt, nach Prinzipien zu leben. Und die Kamera von Eigil Bryld präsentiert Brügge von seiner schönsten Seite, die wir als Touristen vor der Leinwand erkunden. Nach dieser Vorstellung gern auch vor Ort.

Bilder: © Universum Spielfilm

Filmtipps Brügge sehen und sterben
Filmtipps Brügge sehen und sterben

Monty Python’s Flying Circus (1969-1974)

„Hier […] schlug die Komik ein. Brutale, gewaltsame Komik“, wie der Reporter mit ernster Miene vor dem Haus berichtet, in dem just der lustigste Witz der Welt niedergeschrieben wurde, und seinen dort wohnhaften Autor dazu brachte, sich totzulachen. Szenen wie diese sind das Markenzeichen von Monty Python: Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin und Terry Gilliam. Um den Humor dieser unfeinen Gentlemen zu verstehen, könnte man auch einen ihrer weiteren erfundenen Reporter zitieren, für den 1945 nicht der Krieg endete, sondern der Frieden ausbrach. Klingt das absurd? Absolut! John Cleese beschreibt seine Arbeit bisweilen selbst gerne als „bloody nonsense“, und er liebt es. Immer wieder erzählen er oder seine alten Mitstreiter in den angesehensten Talkshows der Welt von ihrer skurrilen Karriere und lachen sich dabei noch heute vor laufender Kamera ins Fäustchen. Beim Ansehen der Show – einige Jahre seit dem letzten Mal – hielt es uns ebenfalls kaum auf dem Sessel.

Filmtipps Monty Pythons Flying Circus
Filmtipps Monty Pythons Flying Circus
Filmtipps Monty Pythons Flying Circus

Doch „Flying Circus“ ist nicht so ikonisch und wegweisend für Komiker folgender Generationen geworden, weil es bloß Klamauk ist. Der ist angemessen respektlos, zügellos, grenzenlos und paart sich mal mehr oder weniger offensichtlich mit ziemlich intelligentem Witz und beißendem Spott. Die Show philosophiert geradezu über die Eigenarten und Verwerflichkeit verschiedener Gesellschaften. Die Sketche sind hintersinnig, surreal und triefen vor schwarzem Humor. Wer damals vor dem Fernseher im englischen Wohnzimmer etwas über die harte, aber herzliche Gastfreundschaft der Bayern lernte und sich vor Lachen auf dem Boden wälzte, tut es heute beim Einlegen der Neuauflage mit Sicherheit wieder. Denn in so manchen der zahlreichen Sketche aus insgesamt vier Staffeln steckt auch 40 Jahre nach Erstausstrahlung auf BBC viel (bittere) Wahrheit. Insgesamt ist der Humor von Monty Python gut gealtert und immer noch knochentrocken.

Monty Pythons Flying Circus
Monty Pythons Flying Circus
Monty Pythons Flying Circus

In der farbenfrohen Box wird die gesamte TV-Serie „Monty Python’s Flying Circus“ erstmals in einer komplett in HD restaurierten Fassung mit deutscher Synchronisation präsentiert. Sketche, von denen seinerzeit einige aus Gründen des Timings, Geschmacks und Urheberrechts bearbeitet worden waren, wurden eigens für die Box sorgfältig in ihrer beabsichtigten Länge wiederhergestellt, und die meisten Animationen von Terry Gilliam wurden neu in HD gescannt und erstrahlen nun in einer in Deutschland nie gesehenen Qualität. Bisher ungesehene Outtakes, Filmeinschübe und Studioaufnahmen verleihen dieser Veröffentlichung zusätzliche Einzigartigkeit und Sammlerwert. In aufwendiger Detailarbeit wurde die deutsche Synchronisation an das überarbeitete Bild angepasst. Einige wenige Szenen, die neu hinzugefügt wurden und nie deutsch synchronisiert vorlagen, wurden untertitelt. Mehr können sich Python-Fans nicht wünschen. Wir empfehlen diese urkomische und spezielle Serie auch allen anderen. Viel Vergnügen bei „Der Papagei ist tot“, „Holzfäller-Lied“, „Die Spanische Inquisition“, „Kommunisten-Quiz-Sketch“ und vielen weiteren Sternen der TV-Geschichte!

Bilder: © capelight pictures

Adel verpflichtet (1949)

Sehr englisch, sehr lustig. Die Verfilmung von Roy Hornimans Roman „Israel Rank“ (1907) wurde Regisseur Robert Hamer („Der seltsame Weg des Pater Brown“) anvertraut, der einen Klassiker der Filmgeschichte inszenierte. Das British Film Institute wählte „Adel verpflichtet“ 1999 zum sechstbesten britischen Film aller Zeiten, der uns auch 2021 bestens unterhält. Mit Sir Alec Guinness in acht verschiedenen Rollen und einem makabren Blick auf die Upperclass der englischen Gesellschaft konnten die Filmemacher auch nicht anders, als zu überzeugen.

Der Verkäufer Louis (Dennis Price) besitzt aristokratische Wurzeln. Weil aber seine Mutter (Audrey Fildes) aufgrund ihrer nicht standesgemäßen Heirat mit einem italienischen Opernsänger von ihrer Familie verstoßen wurde, dürstet Louis nach Rache. Um jedoch selbst Herzog zu werden, muss er sich aller acht Thronanwärter (Alec Guinness) unter seiner blaublütigen Verwandtschaft entledigen. Louis’ perfider Plan nimmt schnell blutige Konturen an.

Adel verpflichtet
Adel verpflichtet
Adel verpflichtet
Adel verpflichtet
Adel verpflichtet

Bei diesem pfiffigen Streifen sprechen alle als Erstes über die große Wandlungsfähigkeit von Sir Alec Guinness in seinen unterschiedlichen Rollen. Sobald diese jedoch erst einmal vorgestellt worden sind, vergisst man diese Tatsache schnell wieder. Zugegeben, das ist ein weiterer Beweis für die Spitzenleistung des Schauspielers, den die Jüngeren von uns heute nur noch Onkel Ben oder Obi-Wan Kenobi („Krieg der Sterne“, 1977) nennen. Aber was für uns hervorsticht, sind zwei Dinge: Erstens, die Dialoge sowie der rückblickend vorgetragene Monolog der Hauptfigur Louis sind einfach köstlich. Der Ton ist so vornehm, wie man es von gut betuchten Engländern erwartet, und zugleich so unverblümt satirisch, wie man es sich von einer Mordkomödie nur wünschen kann. Die unterdrückten sexuellen Gefühle, der grenzenlose Stolz und die Niederträchtigkeit der Figuren scheinen immer zwischen den Zeilen hindurch und doch vergisst man schnell, um was für ernste Themen es im Grunde geht. Das ist eine gute Lektion und noch bessere Unterhaltung. Zweitens ist die Chemie zwischen Louis und Sibella (Joan Greenwood) perfekt. Den Klassenkampf, den sie führen, könnte keine Beziehung besser veranschaulichen. Damals befand Produzent Michael Balcon „Adel verpflichtet“, der später zu seinen Lieblingsfilmen zählen sollte, übrigens als unverkäuflich. Tatsächlich musste der Kinofilm für den US-amerikanischen Markt um sechs Minuten gekürzt und umgestaltet werden. Unter anderem wurde der Ehebruch zweier Protagonisten nicht erwähnt und das Ende gemäß der moralischen Hollywood-Doktrin zurechtgestutzt. Zum Glück traut man dem Publikum heute etwas mehr Einschätzungsvermögen zu. Diese Produktion ist eine herrliche Karikatur der Aristokratie und wird somit wärmstens für den nächsten Filmabend empfohlen.

Bilder: © STUDIOCANAL HOME ENTERTAINMENT – Blu-ray

(Bryan Kolarczyk)