Haute Couture in Bonn? Was eher nach Paris oder wenigstens nach Düsseldorf klingt, ist in Bonn-Lannesdorf tatsächlich real existierender Modealltag. Hier kreiert Fatima Halwani Haute Couture für rote Teppiche, den Opernball oder für die Vogue. Ein Gespräch über die Highlights ihrer jungen Karriere, den Alltag als Designerin und wieso Paris Hilton ihr noch ein Kleid schuldet.

Was zuerst etwas unglaublich klingt, gibt es tatsächlich, auch wenn wir unserer schönen Stadt am Rhein das vielleicht nicht zugetraut hätten – Haute Couture in Bonn! Ich treffe Fatima Halwani in ihrem Atelier im Stadtteil Lannesdorf, wo sich Ballen edelster Seide, Satin, Spitzen in allen Farben bis unter die Decke stapeln. Roben für Bälle und Outfits, die Stars und Sternchen noch bis zum Pandemie-Beginn auf die roten Teppiche der Bambi-Verleihung oder des Wiener Opernballs begleitet haben, empfangen mich nun auf Puppen im Atelier. Ein rosa Tülltraum ist gerade von einem Shooting mit der portugiesischen Vogue zurückgekommen und steht nun neben dem Brautkleid, das uns erst kürzlich vom Cover der Gala entgegenstrahlte. Ein Märchenland für alle Teilzeit-Prinzessinnen.

Fatima, deine Mode wird auf roten Teppichen und Bällen in ganz Europa getragen, aber dein Atelier ist noch immer hier in Bonn. Was verbindet dich mit der Region?
Ich lebe in Bonn, seit ich mit vier Jahren mit meiner Familie aus dem Libanon nach Bonn kam. Seither ist Bonn meine Heimat. Ich fühle mich als echte Rheinländerin und komme immer gern nach Hause zurück – egal ob ich zum Studium nach Düsseldorf, zum Arbeiten nach Norwegen oder Dänemark, oder auch nur für einen Kurzurlaub fort war. Die Lebensart hier am Rhein, die Menschen und die unglaublich schöne Landschaft lassen mich einfach nicht los – ganz besonders der Blick auf das Siebengebirge.

Wir sind umgeben von deinen Entwürfen, von Zeichnungen und Stoffen und so vielen traumhaft schönen Kleidern – wie war dein Weg zum Design?
Schon als kleines Mädchen war ich total fasziniert von Mode, schönen Kleidern und Stoffen – wie so viele Mädchen (lacht). Mit der Zeit hat sich das immer mehr konkretisiert und ich zeichnete bei jeder Gelegenheit, selbst im Unterricht in der Schule. Irgendwann stand für mich fest, das ist, was ich wirklich machen möchte! Aber mit Talent und Leidenschaft allein ist das halt so eine Sache – besser man hat auch das echte Handwerk dahinter von der Pike auf gelernt. Deshalb entschied ich mich für eine Ausbildung zur Textiltechnikerin in Köln. Daran konnte ich ein Studium in Modedesign in Düsseldorf anschließen und so auch die kreative Seite des Berufs mit dem handfesten Handwerk verbinden.

Mode ist so vielseitig – Streetstyle, Sportswear, Businessmode … Aber du hast dich für die Königsklasse Haute Couture entschieden, obwohl das an Design die höchsten Ansprüche stellt und es eine eher kleine Anzahl potenzieller Kund*innen gibt.
Nach einem Praktikum bei einem Designer in Beirut, bei dem auch schon Elie Saab erste Schritte als Designer machte, stand für mich fest: Das ist es! Diese Qualität in der Verarbeitung, die Stoffe und der hohe Anteil an echter Handwerkskunst sind es, was mich fasziniert und mich auch immer wieder antreibt! Schon im Studium habe ich Arbeiten nicht aus Nesselstoff angefertigt, sondern lieber aus Satin oder Seide, weil das ganz anders fällt und einfach eine unglaublich schöne Silhouette macht. Gelegentlich hat mir das auch ein bisschen Ärger mit den Dozenten eingebracht, aber das war es mir immer wert.

Fatima Halwani
Das Fotoshooting fand auf dem Dach und in den Zimmern des Kameha Grand Bonn statt. Der Fotograf war Fred Göllesch, der unter anderem für Magazine wie Vintage Flaneur, Vogue Italy, Pictures – Das Fotomagazin, Obscurae Magazine, Cynical Fashion Magazine, Dark Beauty Magazine, Femme Rebelle Magazine, Feroce Magazine, BeautyMute Magazine, M Magazine, Solis Magazine etc. gearbeitet hat.
efgee-pictures.com
Fatima Halwani

Und heute sehen wir deine Kleider in der Vogue oder auf roten Teppichen – wie kommt man an solche Aufträge?
Ich hatte bereits im dritten Studiensemester die Chance, an den Outfits für die Let’s Dance Show mitzuwirken. Durch diesen Job hatte ich unter anderem viele Einblicke hinter die Kulissen dieser unglaublich großen TV-Produktion. Und daraus ergaben sich erste Kontakte zu Celebrities wie Nazan Eckes oder Motsi Mabuse, die meine Kleider auf Events wie der Bambi-Verleihung trugen. Sogar für Paris Hilton wurde ich schon angefragt – aber leider haben diese Kleider nie wieder den Weg zurück nach Bonn gefunden (lacht).
Ich habe dann direkt nach meinem Abschluss als Modedesignerin meinen ersten Showroom in Bonn eröffnet und parallel für mehrere Unternehmen und Labels Mode entworfen. Mit der Zeit konnte ich viel Erfahrung in den verschiedenen Bereichen der Modebranche sammeln und einen Kundenstamm aufbauen: Damen, die Kleider für Bälle, aber auch Kostüme für Shows oder Outfits für große Partys in Cannes oder Wien bei mir bestellen.

Wie bitte – Paris Hilton leiht Kleider für ein Event bei dir aus und behält sie einfach?
Na ja, sie kamen jedenfalls nie wieder zurück. Sie hatten ihr offenbar so gut gefallen, dass die Stylistin sie nicht mehr hergeben wollte.

Mit der Coronakrise ist es mit den Events und großen Partys doch recht schwierig geworden – wie kommst du durch diese Zeit?
Ich arbeite an einer ganz neuen Lingerie-Kollektion, die exklusiv in einer Boutique in Baden-Baden erhältlich ist. Couture wird auch nach der Krise wieder gefragt sein und die Feste werden womöglich noch etwas größer und schöner ausfallen als zuvor, weil wir alle so lange auf all das verzichten mussten. Ich denke, die Menschen haben gerade nach der langen Zeit in Lockdowns und mit Ausgangssperren wieder richtig Spaß an Mode, am großen Auftritt und daran, ein bisschen „Alarm“ zu machen. Und bis es so weit ist, habe ich wirklich Glück, denn einige der großen Modemagazine haben gerade erst eine Auswahl meiner Modelle gezeigt, so beispielsweise die portugiesische Vogue in ihrer Mai-Ausgabe.

Was sind deine Pläne für dein Label in nächster Zeit?
Ich habe einige Pläne im Kopf, die ich der aktuellen Wirtschaftslage ständig anpassen muss. Was ich vorerst verraten kann, ist, dass ich zum Winter eine kleine Schmuck-Kollektion entwerfen werde, die im Anschluss online bestellt werden kann. Ich freue mich auf alles, was kommt – auf hoffentlich goldene Zwanzigerjahre!
(Kathrin Lehniger)

fatima-halwani.de