Bodil Kjær ist eine bekannte dänische Architektin, Designerin und Professorin. Ihre herausragende Karriere fand vor rund 50 Jahren statt. Jetzt – in einem Alter, in dem die meisten Menschen sich längst zur Ruhe gesetzt haben – sind ihre Entwürfe wieder aktuell und werden von verschiedenen Herstellern neu aufgelegt und vermarktet. Die 86-jährige Ikone der Designwelt feierte in diesem Jahr auf der Mailänder Möbelmesse ihr Comeback.

Bodil KjaerZu Bodil Kjærs Werken gehören Möbel für den Außen- und Innenbereich, Leuchten, Servierwagen und Vasen. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind in erster Linie funktional und bilden mit ihrer geradlinigen Ästhetik eine Einheit. Ein schönes Beispiel ist der Schreibtisch, den Kjær 1959 entworfen hatte. Er war der erste, der durch sein einfaches, pures Design auffiel und heute als der „James Bond Schreibtisch“ bekannt ist. Cineasten kennen die Szene in „Liebesgrüße aus Moskau“: Blofeld, der Anführer der Verbrecherorganisation Phantom, sitzt mit seiner weißen Katze, die er ständig streichelt, an einem Schreibtisch – dem von Bodil Kjær. Blofeld möchte, dass James Bond, gespielt von Sean Connery, endgültig eliminiert wird. Der Film kam 1963 in die Kinos. James Bond starb nicht und Blofeld entkam. Einem Wiedersehen der beiden stand damit nichts im Wege. Und auch der Schreibtisch von Bodil Kjær schaffte es dadurch weitere Male auf die Leinwand. 1967 spielte er in der Agentenserie „Man lebt nur zweimal“ eine Rolle. Blofeld gelingt es wieder, seiner gerechten Strafe zu entkommen und so sitzt er „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ 1969 erneut an Kjærs Schreibtisch.

Bodil Kjær

Dieser Schreibtisch aus dem Jahr 1959 spielte in gleich drei James-Bond-Filmen eine tragende Rolle. Jetzt wird er von Karakter Copenhagen wieder produziert.

Vor 40 Jahren wurde die Produktion des „James Bond Schreibtischs“ eingestellt. Auf der Mailänder Möbelmesse war er jetzt plötzlich wieder da – ein schlichtes Holzoberteil mit vier Schubladen, das auf einem filigran wirkenden und in Rot und Grau erhältlichem Untergestell aus Stahl ruht. Karakter Copenhagen erweckte den Entwurf von Kjær zu neuem Leben und nahm ihn mit nach Mailand.

Bodil Kjær

1959 entwarf Bodil Kjær eine Möbelserie, die sowohl für den Gebrauch im Gebäude als auch im Freien geeignet ist. Die Serie wurde mit einem engen Bezug zur umgebenden Architektur entwickelt. Sie heißt „Indoor-Outdoor“ und ergänzt die Kollektion klassischer Designermöbel von Carl Hansen & Søn.

Ebenfalls auf der Möbelmesse gezeigt wurde Kjærs „Indoor-Outdoor-Serie“, die von Carl Hansen & Søn wiederentdeckt wurde und die die Kollektion klassischer Designmöbel des Unternehmens ergänzt. Viele von Kjærs Entwürfen entstanden in Verbindung mit spezifischen Projekten und erfüllten den Wunsch nach einer starken ästhetischen und funktionalen Beziehung zwischen Gebäuden, Räumen und Inneneinrichtungen. Das war auch bei „Indoor-Outdoor“ der Fall. Bodil Kjær entwarf die Möbel 1959 für den US-amerikanischen Markt – mit dem eigentlichen Auftrag, eine Reihe von Outdoor-Möbeln zu designen, die mit der Zeit eine ansprechende Patina entwickeln und an denen man einfach sitzen und entspannen konnte.

Die Möbel der „Indoor-Outdoor“-Serie, wie zum Beispiel die Sonnenliege, mussten den verschiedenen Witterungsbedingungen – wie Wind, Sonne, Salz, Schnee und Nebel – standhalten.

Die Möbel der „Indoor-Outdoor“-Serie, wie zum Beispiel die Sonnenliege, mussten den verschiedenen Witterungsbedingungen – wie Wind, Sonne, Salz, Schnee und Nebel – standhalten.

Für Kjær waren Möbel – auch Outdoor-Möbel – ein architektonisches Element, deren Größe sich nach dem Bereich richten sollte, in dem sie aufgestellt werden. „Indoor-Outdoor wurde für Gebäude des Modernismus entworfen und für Wetterbedingungen, die denen in Dänemark sehr ähnlich sind. Gleichzeitig vereinen die Entwürfe das Beste der skandinavischen und der internationalen Designtradition. Die Möbel haben eine klar erkennbare Identität und eine offensichtliche Einfachheit. Sie basieren auf hochwertigen Materialien und höchster Handwerkskunst. „Dies sind alles sehr gute Gründe dafür, dass Bodil Kjærs elegante Möbelserie in unsere Kollektion gehört“, erklärte Knud Erik Hansen, CEO von Carl Hansen & Søn. Die Möbel sind ab Frühjahr 2019 erhältlich und zeichnen sich durch ihre klaren Formen, ihre präzise Verarbeitung und warme Ausstrahlung aus. 

Klares und präzises Design: die Leuchte „Cross-Plex™“, die von Republic of Fritz Hansen™ und Lightyears™ wiederentdeckt wurde.

Die Leuchte „Cross-Plex™“ von Bodil Kjær wurde nach fast 60 Jahren von Republic of Fritz Hansen™ und Lightyears™ neu aufgelegt. Die Leuchte verdeutlicht erneut den funktionalistischen Designansatz Bodil Kjærs mit seinen klaren, geraden Linien. Der Sockel aus Acrylglas auf dem Grundriss eines Kreuzes ist wie ein Puzzle konstruiert, das genauso viel Platz lässt, wie das Kabel braucht, um perfekt durch die Mitte zur Steckdose zu verlaufen. Der kubische Schirm besteht aus opalem Acrylglas und im Profil gesehen wirkt die Tischleuchte fast wie ein Miniaturgebäude mit dem opalen Schirm als beleuchtetes Dach.

Klares und präzises Design: die Leuchte „Cross-Plex™“, die von Republic of Fritz Hansen™ und Lightyears™ wiederentdeckt wurde.

Klares und präzises Design: die Leuchte „Cross-Plex™“, die von Republic of Fritz Hansen™ und Lightyears™ wiederentdeckt wurde.

Die dänische Marke Holmegaard hat die Glasvase Kjærs in Kreuzform neu aufgelegt. „Crosses“, so auch ihr Name, gibt es in verschiedenen Größen und es besteht aus klarem mundgeblasenem Glas. Die Vase eignet sich vor allem für einzelne Zweige, Gräser oder Blumen, wirkt aber auch als skulpturales Designobjekt. Kjær entwarf das Produkt 1961. Besonders ausdrucksstark wirkt die Vase vor allem in Kombination mit anderen „Crosses“-Vasen in verschiedenen Größen und Farben. 

Die Vase „Crosses“ von Holmegaard eignet sich besonders gut für einzelne Blüten und Gräser.

Die Vase „Crosses“ von Holmegaard eignet sich besonders gut für einzelne Blüten und Gräser.

Fotos: Carl Hansen (5), SUITENY (1), Fritz Hansen (3). Holmegaard (3), Karakter (2)

Bodil-Kjær

Bodil-Kjær

Bodil Kjær wurde 1932 geboren und wuchs auf dem Anwesen ihrer Eltern in Dänemark auf. Schon als Kind entwickelte sie eine Vorliebe für Qualität und Ästhetik, was sich dann auch in ihrer späteren Berufswahl widerspiegelte. Kjær verbrachte nach ihrem Schulabschluss ein Jahr in Großbritannien, wo sie begann, sich für Möbel und Design zu interessieren. Sie ließ ihren Plan, Architektur zu studieren, fallen und studierte stattdessen an der Technischen Fachhochschule Frederiksberg und der Hochschule für Innenarchitektur. So lernte sie, wie man Räume gestaltet.

Kjær verbrachte zwei weitere Studienjahre in den USA, wo sie ihr Know-how als Designerin verfeinerte und eine Reihe von Möbelstücken entwarf. Dabei legte sie ihren Fokus vor allem auf die technische Seite des Möbelbaus. 1960 eröffnete Kjær in Kopenhagen ihr eigenes Atelier und stattete Showrooms, Büros und Ausstellungen aus. Ihre Entwürfe entstanden immer im Zusammenspiel mit moderner Architektur und stets mit Blick auf den Menschen. Ihre Produkte sollten ihnen das Leben erleichtern.

Fünf Jahre, nachdem sie ihr erstes Atelier eröffnet hatte, erhielt Bodil Kjær ein Stipendium des British Council, das es ihr ermöglichte am Royal College of Art und an der Architectural Association School of Architecture in London zu studieren. Sie blieb bis 1979 in London und arbeitete als leitende Architektin für das Ingenieurbüro ARUP. Wie schon in Kopenhagen eröffnete Kjær auch in London ein eigenes Studio und arbeitete unter anderem an der Entwicklung von Eigenheimen für die tropische Zone Afrikas, die mit Solarenergie gekühlt werden konnten. Ihr Wissen gab Bodil Kjær in Vorträgen und Seminaren weiter und arbeitete unter anderem als Gastprofessorin an Universitäten in Texas und Indiana.

Die Designerin lebt heute in Ostjütland in Dänemark.