Der Fotograf Boris Becker lichtete in 45 deutschen Städten Hochbunker ab, die überwiegend aus dem Zweiten Weltkrieg stammen. Ab 1940 erbaut, dienten die aus Beton und Stahl gefertigten Kolosse dem Schutz von Tausenden Zivilisten und wurden, da sie oberirdisch und damit sichtbar waren, architektonisch getarnt. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln zeigt die Fotografien bis 9. Februar 2020.

Man findet sie, da nur aufwendig zerstörbar, noch überall in Deutschland, meistens integriert in die Umgebung, bemalt oder mit Efeu bewachsen. Immer häufiger werden sie jedoch zur Wohnraum- oder Büronutzung umgebaut, bieten Platz für schicke Penthäuser oder Ateliers. Doch Bunker sind keine „normalen Häuser“, sondern erzählen Geschichten von Krieg und Leid, waren militärische Gebäude, die die Menschen schützen sollten. Boris Becker (*1961) hat viele dieser Bunker fotografiert.

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Kurmuschel, 2019

Die Reihe „Hochbunker“ entstand zwischen 1984 und 1990, eine Zeit, in der Becker in Düsseldorf in der Klasse von Bernd und Hilla Becher Kunst studierte. Die Bechers erfassten systematisch Industrie- und Funktionsbauten, wobei sie eine möglichst neutrale und detailgetreue Darstellung wählten. Für Beckers Arbeiten wurde der künstlerische Ansatz und die fotografische Methode der Bechers zum anregenden Vorbild. Für die Werkschau hat Boris Becker sein Archiv der Bunkeraufnahmen gesichtet und aus gegenwärtiger Perspektive reflektiert.

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Leverkusen, Karlstrasse, 1987

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Hamm, Suedring, 1987

Speziell die Bunker, die vor Luftangriffen schützen sollten, waren so angelegt, dass man ihre Funktion nicht erkennen konnte. Man bediente sich einer architektonischen Tarnung und verlieh den Gebäuden das Aussehen eines Wohnhauses, einer Kirche oder einer Festung. Allein in Köln stehen heute noch drei Kirchenbunker, die von dem Architekten Hans Schumacher entworfen und 1942 errichtet wurden. Angesichts der gezielten Tarnung der Hochbunker sah sich Becker mit der Frage konfrontiert, wie sehr die visuelle Wahrnehmung vom Standpunkt des Betrachters und äußeren Einflüssen geleitet wird. Wie übereinstimmend ist das Erscheinungsbild eines Objektes mit seiner „Natur“? Schließlich hatte ein Bunker nicht nur eine Funktion, sondern steht für emotionale Erlebnisse und Geschichte und ist zudem umgeben von neuer Umgebung.

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Hochbunker, Bremen, 1987

Hamburg, Marckmannstrasse, 1986

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Hochbunker, Kassel, 1986

Die Aufnahmen der Hochbunker erinnern zum einen an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, bringen den Betrachter zum anderen aber zurück in die 1980er Jahre, in denen sie entstanden sind. Becker hat in seine Bilder die Nutzung der Bunker in der Nachkriegszeit miteinbezogen. Er zeigt die Bauten in ihrem zumeist städtischen Umfeld und interessiert sich für angrenzende Häuser, Straßenzüge, parkende Autos oder Plakatierungen. Becker fotografierte in Schwarzweiß und in Farbe und lotete damit die unterschiedlichen Bauformen und -ensembles aus. Er bildete Oberflächenstrukturen und Details ab. 

photographie-sk-kultur.de

Fotos: Boris Becker (4), Boris Becker/VG Bild_Kunst_Bonn (2)

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