Andy Warhol: Pop Goes Art in Köln

//Andy Warhol: Pop Goes Art in Köln
Andy Warhol, Plattencover „The Velvet Underground & Nico”, LP, 12” (30 cm), Verve (MGM Records); Offsetlithografie, Collage, Reliefdruck, 31,1 x 31,1 cm, 1967, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

Andy Warhol, Plattencover „The Velvet Underground & Nico”, LP, 12” (30 cm), Verve (MGM Records); Offsetlithografie, Collage, Reliefdruck, 31,1 x 31,1 cm, 1967, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

Kunst darf alles, heißt es gerne. Und alles ist Kunst, oder? Als Andy Warhol 1962 seine 32 Motive von Campbell-Suppendosen ausstellte, erhob er Triviales zur Kunst und stieß damit seinen Zeitgenossen gehörig vor den Kopf. Und auch wenn er bis heute umstritten bleibt, gilt er doch als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Insbesondere seine gestalteten, konzipierten und produzierten Plattencover haben eine ganze Musikgeneration geprägt. Das MAKK – Museum für angewandte Kunst Köln – präsentiert nun erstmals die Privatsammlung von Ulrich Reininghaus, die nahezu lückenlos alle Cover Warhols sowie zahlreiche Skizzen und Entwürfe umfasst. Zusammen mit Film- und Hörbeispielen und weiteren Arbeiten von Warhol dokumentiert die Ausstellung – getreu dem Titel „Pop goes Art“ – das Zusammenspiel von Medien, Kunst und Musik.

„Ich wollte etwas Bedeutungsloses machen.“

MAKK_Andy_Warhol_AustellungSchon mit Anfang 20 galt der studierte Werbegrafiker Andy Warhol (1928–1987) in New York als Ausnahmetalent und gestaltete die Cover namhafter Lifestyle-Magazine wie etwa der VOGUE oder der TIME. Das entsprach auch ganz seiner Faszination für Mode und Luxus. Alles, was eben ins Auge sticht. Und in den 1950er und 60er Jahren war man plötzlich einer regelrechten Flut von Bildern ausgesetzt, die so bunt und schrill wie nie zuvor überall im Alltag auftauchten. Die Massenproduktion von Konsumgütern und Filmen ging einher mit entsprechender Werbung. Alles musste schmackhaft gemacht werden, alles und jeder konnte zur neuen Sensation erklärt werden, damit Menschen dafür bezahlen. Bilder von Prominenten, Comic-Helden oder Industriemarken der Popkultur brannten sich so ins kollektive Gedächtnis der Bevölkerung. Bis heute kann sich kaum einer von uns der Massenanfertigung von Werbung entziehen. Einzigartig ist dabei kaum etwas. Eher bedeutungslos, trivial eben. Man kann diesen Umstand nun ganz furchtbar finden oder sich dafür begeistern, aber Künstler wie Andy Warhol haben diese neue Realität angenommen und sie in ihren Werken thematisiert.

Warhols Kunstverständnis stellt die Kopie eines Bildes und dessen serielle Wiederholung in den Vordergrund. Die im Siebdruckverfahren hergestellten Fotokopien von Pop-Ikone Marilyn Monroe sind ein Paradebeispiel. Jedenfalls bekam ohnehin niemand genug von ihr. Sind solche Werke gewitzte Kritik am Mainstream oder verherrlichen sie diesen? Oder wollte Andy Warhol einfach nur Geld damit verdienen? Diese Fragen stellte er sich jedenfalls nicht. Denn für den selbsternannten „Business-Künstler“ beziehungsweise „Kunst-Businessman“ gehörte sowieso alles zusammen: Kunst, Design, Mode, Multimedia, Film und Fotografie. Diese Philosophie nannte er „Pop Idea“. Für viele ist Andy Warhol also nicht umsonst der Begründer der Pop Art.

40 Jahre im bunten Wohnzimmer

Als Columbia Records 1948 die Langspielplatte auf den Markt brachte, war der New Yorker genau der Richtige für deren Gestaltung. Die über einen Zeitraum von rund 40 Jahren entstandenen Plattencover sind ein beispielhaftes Dokument für Andy Warhols künstlerischem Werdegang. Die Ausstellung im MAKK ist eine kleine Zeitreise durch das bunte Wohnzimmer der Popkultur. Hinter jeder Ecke ist man ein paar Jahre weiter. Am Anfang finden sich noch eher traditionell gestaltete Cover von Klassik-Alben. Ein schönes Beispiel ist die Walzer-Platte von Johann Strauss, die Warhol mit einer dünn gezeichneten Ballszene illustrierte. Nur feine Umrisse von Ballpaaren tanzen auf leerem Hintergrund. Dann wird es schriller und farbiger, es wird viel mit Typografie gearbeitet. Andy Warhols markanter Stil, den er schon bei frühen Arbeiten entwickelte, ist auch in seiner späteren Arbeit als Künstler wiederzuerkennen: vergrößerte Nahaufnahmen von Details, kräftige plastische Kontraste, starke Konturen.

Andy Warhol, Plattencover „Original Soundtrack zum Film Querelle von Rainer Werner Fassbinder”, LP, 12” (30 cm), Jupiter-Records; Offsetlithografie, 31,1 x 31,1 cm, 1982, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

Andy Warhol, Plattencover „Original Soundtrack zum Film Querelle von Rainer Werner Fassbinder”, LP, 12” (30 cm), Jupiter-Records; Offsetlithografie, 31,1 x 31,1 cm, 1982, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

Andy Warhol, Plattencover Vorderseite „The Rolling Stones, Sticky Fingers”, LP, 12” (30 cm), Rolling Stones-Records; Offsetlithografie und Reißverschluss, 31,1 x 31,1 cm, 1971, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

Andy Warhol, Plattencover Vorderseite „The Rolling Stones, Sticky Fingers”, LP, 12” (30 cm), Rolling Stones-Records; Offsetlithografie und Reißverschluss, 31,1 x 31,1 cm, 1971, MAKK © 2018 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York (Foto: RBA Köln, Marion Mennicken)

Ein erstes und aufsehenerregendes Pop-Art-Cover ist „Giant Size $ 1.57 Each“. Eine simple Supermarkt-Billigpreiswerbung, die Warhol aus dem Alltagskontext
heraus in ein autonomes Kunstwerk transformierte, genau wie die eingangs erwähnten Suppendosen.

Absoluten Kultstatus hat das Cover zum Debütalbum von „The Velvet Underground & Nico“ der Rockband The Velvet Underground. Auf diesem ist der schon legendäre Bananen-Sticker mit der Aufforderung „Peel slowly and see“ abgebildet. Wenn man den Sticker abzieht, kommt dahinter eine fleischfarbene Banane zum Vorschein. Innovativer ging es 1967 nicht.

Und noch ein weltberühmtes Cover können Museumsbesucher eine Ecke weiter bestaunen: Das Rolling-Stones-Album „Sticky Fingers“ zeigt die Vorder- und Rückseite eines in Jeans gekleideten männlichen Unterleibs; die Hose ist ausgebeult. Auf der Vorderseite der Schwarzweißfotografie ist ein echter
Metall-Reißverschluss angebracht. Öffnet man diesen, kommt dahinter ein männlicher Unterleib in Unterwäsche zum Vorschein – in Farbe. Andy Warhol entwickelte dieses Plattencover zusammen mit dem Designer Craig Braun, um das provokante Image der Band zu unterstützen.

Der kreative Schmelztiegel

Klassik, Jazz, Pop, Rock, Soul … so viele Genres sich hinter Andy Warhols Plattenhüllen verstecken, so vielseitig war auch seine Arbeit. Er war nicht nur Künstler, sondern auch Verleger, Filmemacher und Musikproduzent. Viele Werke entstanden in seiner „Factory“. Dieses Studio diente als Atelier, Proberaum, Wohnung und kreative Denkfabrik. Zu Gast waren unter anderem Künstlerkollegen wie Marcel Duchamp sowie Stars der Film- und Musikwelt, darunter Bob Dylan und Jim Morrison. Der Name „Factory“ bezieht sich auf Warhols serielle beziehungsweise fabrikmäßige „Kunstproduktion“, was im Gegensatz zum bisherigen Kunstverstehen eines einzigen Originals steht. Er fertigte massenhaft „Originale“ für die Massen. Und was er geschaffen hat, ist bis heute populär und heiß diskutiert. Pop Art eben. Von alldem kann man sich noch bis zum 24. März 2019 im MAKK den Kopf zerbrechen und begeistern lassen.
(Bryan Kolarczyk)

1. September 2018 bis 24. März 2019
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10:00 bis 18:00 Uhr
makk.de

Fotos: MAKK (2)

2018-12-11T17:41:06+00:00Kategorien: Kultur|Tags: , , , , |