Architektur

Kunst & Kultur statt Kohle & Koks

Sie galt als „schönste Zeche der Welt“, seit 2001 steht der Zollverein auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Rund um das bekannte Industriedenkmal und Zentrum der Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Das Industrieareal wurde nach und nach zu einer der größten Tourismusattraktionen der Region. Ein Ausflug nach Essen lohnt sich!

 

Das Welterbe Zollverein ist die einzige Anlage auf der ganzen Welt, an der man, wie es dort heißt, „die Komplexität der Kohle fördernden und verarbeitenden Industrie des 19. und 20. Jahrhunderts“ vollständig nachvollziehen kann. Statt Maschinenlärm findet man auf dem Areal Kunst, Kultur und eine einmalige Natur. Gäste aus aller Welt erleben eine außergewöhnliche Industriearchitektur, suchen im Zollverein Park Ruhe und Entspannung oder schauen sich eine der zahlreichen Ausstellungen an. Das Welterbe ist ein touristisches Highlight ganz in unserer Nähe und mit einer faszinierenden Geschichte.

 

Jedes Jahr nehmen bis zu 155.000 Besucher an einer Führung durch den Denkmalpfad Zollverein teil.

Jedes Jahr nehmen bis zu 155.000 Besucher an einer Führung durch den Denkmalpfad Zollverein teil.

 

 

Informationsstationen im Portal der Industriekultur in der Kohlenwäsche.

Informationsstationen im Portal der Industriekultur in der Kohlenwäsche.

 

1851 hatte die Zeche ihren Betrieb aufgenommen und in den Jahren danach wurde die Kohleförderung rasant gesteigert. Immer neue Bereiche wurden erschlossen und damit einhergehend weitere Schachtanlagen gebaut. In den 1920er Jahren waren die vier bestehenden Anlagen veraltet und die Eigentümer beschlossen den Bau einer neuen Schachtanlage. Die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer entwarfen 1927 die Zentralschachtanlage XII. Es entstand nach der Devise „form follows function“ ein schlichter Gebäudekomplex. Alle Prozesse sollten möglichst effizient ablaufen und daher aufeinander abgestimmt sein. Die Architektur ordnete sich diesem Anspruch unter. Schupp und Kremmer ordneten die Gebäude symmetrisch auf zwei Blickachsen an. Die 20 Einzelgebäude bildeten die technischen Arbeits- und Produktionsabläufe der Kohleförderung perfekt ab. 1932 wurde Schacht XII in Betrieb genommen. Die übrigen Förderschächte nutzte man nur noch um, Material oder Personen zu befördern.

Von 1957 bis 1961 entstand ebenfalls nach Entwürfen von Fritz Schupp die Kokerei Zollverein. Durch die Nähe zur Zentralschachtanlage konnten die Liefer- und Produktionswege erheblich verkürzt werden. Zeche und Kokerei produzierten enorme Mengen. Trotz dieser Leistung stellte die Zeche Zollverein am 23. Dezember 1986 als letztes Bergwerk in Essen die Kohleförderung ein. Die Kokerei schloss die Produktion einige Jahre später am 30. Juni 1993. Die Ära als lebendige Zeche endete und eine neue als attraktives Industriedenkmal begann. Der komplett erhaltene Komplex ist heute ein Gesamtkunstwerk, das die Geschichte des Kohle- und Stahlzeitalters widerspiegelt, und gleichzeitig ein touristisches Zentrum mit vielfältigen Angeboten ist:

 

Die Kokerei mit koksofenbatterie und sonnenrad, das Nabenlos konstruiert ist und 14 Gondeln hat.

Die Kokerei mit Koksofenbatterie und Sonnenrad, das Nabenlos konstruiert ist und 14 Gondeln hat.

 

 

Das doppelbockfördergerüst der Schachtanlage ist heute ein Wahrzeichen für das ganze ruhrgebiet.

Das Doppelbockfördergerüst der Schachtanlage ist heute ein Wahrzeichen für das ganze Ruhrgebiet.

 

Der Denkmalpfad ZOLLVEREIN ist die zentrale touristische Attraktion und bietet die einzigartige Möglichkeit, die Geschichte der stillgelegten Zeche und Kokerei zu erkunden. Die Besucher folgen dem „Weg der Kohle“ über Tage von der Förderung über den Transport bis zur Aufbereitung in der Kohlenwäsche und der anschließenden Verkokung auf der Kokerei. 110 Guides stehen für Führungen in acht Sprachen und 28 Führungsformate zur Verfügung. So gibt es zum Beispiel Führungen wie „Architektur und Kunst“, „Über Kohle und Kumpel“ oder „Durch Koksofen und Meistergang“. Für alle ist eine vorherige Anmeldung erforderlich (www.denkmalpfad-zollverein.de). Das Ruhr Museum (www.ruhrmuseum.de) zeigt auf drei Ebenen in den Kategorien Gegenwart, Gedächtnis und Geschichte die Vergangenheit des Ruhrgebietes während das Red Dot Design Museum (www.red-dot-design-museum.de) mit rund 2.000 Exponaten die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischen Designs präsentiert. Neben den aktuellen Trends ist hier gut nachzuvollziehen, wie sich Design im Laufe der Jahre verändert hat. Sonderausstellungen ergänzen die ständige Schau.

Auf dem gesamten Areal sind namhafte Künstler mit Arbeiten und Ateliers vertreten. Sonderausstellungen sowie Tanz- und Performance-Aufführungen machen das Welterbe Zollverein zu einem Publikumsmagneten. Das internationale Kulturfestival Ruhrtriennale bringt spektakuläre Kulturerlebnisse, Uraufführungen und Neuinszenierungen internationaler Künstler dorthin. In diesem Jahr findet es vom 18. August bis 30. September 2017 statt.

Das 100 Hektar große Gelände des Welterbes beheimatet nicht nur ein beeindruckendes Industriedenkmal, sondern es hat sich dort seit Stilllegung von Zeche und Kokerei ein Naturparadies entwickelt. Mehr als 500 Farn- und Blütenpflanzenarten, etwa 100 Flechtenarten, rund 60 Vogel- und 20 Schmetterlingsarten sowie sechs Amphibienarten haben auf Zollverein ihre Heimat gefunden. Auf dem Welterbe grünt und blüht es. Wo früher Güterzüge den Koks zu den Stahlwerken transportierten, wachsen zahlreiche Pflanzen, die per Schiff und Bahn mit Warentransporten ins Ruhrgebiet kamen: Goldruten und Nachtkerzen aus Nord-Amerika, das Schmalblättrige Greiskraut aus Südafrika, der Schmetterlingsflieder aus China und die Blaue Lampionblume aus Peru beispielsweise finden auf Zollverein Lebensbedingungen vor, die ihren heimischen Standorten ähneln. Die 3,5 Kilometer lange Ringpromenade wird von Radfahrern, Fußgängern und Joggern genutzt. Regelmäßig finden auf dem Welterbe Zollverein Naturführungen zu verschiedenen Themen statt.

 

Luftaufnahme des Werksschwimmbades: als künsterlische Skulptur thematisiert der Pool den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Im Sommer ist er ein beliebter Treffpunkt.

Luftaufnahme des Werksschwimmbades: als künsterlische Skulptur thematisiert der Pool den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Im Sommer ist er ein beliebter Treffpunkt.

 

Zentrale Anlaufstelle auf dem Welterbe Zollverein ist das Ruhr.Visitorcenter Essen in der ehemaligen Kohlenwäsche auf Schacht XII. Dort erhalten Besucher Tickets und Beratung. Neben den Kölner Dom ist das Industriedenkmal Zollverein mit 1,5 Millionen Besucher die am zweitstärksten besuchte kulturtouristische Sehenswürdigkeit in Nordrhein-Westfalen.

www.zollverein.de

 

Titelfoto: Druckmaschinengleis und Koksofenbatterie am Abend mit Illumination „Monochromatic Red and Blue“: Die 600 Meter langen Koksofenbatterien mit 304 schmalen Koksöfen prägen das Gesicht der sogenannten „schwarzen Seite“ der Kokerei.

Fotos: © Matthias Duscher, Frank Vinken, Jochen Tack (4) / Stiftung Zollverein

    

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