Architektur

Werner-Mantz-Ausstellung: Licht und Schatten

Werner Mantz war einer der bekanntesten Fotografen des „Neuen Bauens“ im Köln der 1920er Jahre. Er fotografierte in sachlicher Strenge menschenleere Häuser und Straßenzüge und porträtierte prominente Intellektuelle, Künstler und Politiker. 1938 zog er in die Niederlande und spezialisierte sich dort auf Kinderbilder. Das Museum Ludwig führt beide Richtungen des fotografischen Werkes von Werner Mantz in der Ausstellung „Werner Mantz. Architekturen und Menschen“ zusammen.

Die Häuser scheinen leer, kein Mensch ist zu sehen. Sie wirken wie eine Kulisse, aufgebaut für den Moment, in dem Werner Mantz auf den Auslöser drückt. Doch das konnte dauern, denn Werner Mantz fotografierte mit natürlichem Tageslicht und ließ Licht und Schatten, Sonne und Wolken für sich arbeiten.

Dabei arbeitete Mantz als Auftragsfotograf. 1901 in Köln geboren und aufgewachsen, eröffnete er mit 20 Jahren in der Wohnung seiner Eltern am Hohenstaufenring 46 sein erstes Fotoatelier. Dort traf er auf den Architekten Wilhelm Riphahn, der in dem Gebäude sein Büro hatte, und begann ab 1926 in seinem Auftrag als Architekturfotograf zu arbeiten. Andere Vertreter der architektonischen Avantgarde wie Peter Franz Nöcker oder auch Caspar Maria Grod wurden ebenfalls Kunden von Mantz. Der Kölner suchte nicht die Objekte, sondern man trug sie ihm an. Dies schmälerte jedoch nicht seinen Anspruch, ästhetisch hochwertige und ausgefeilte Bilder zu schaffen. Im Gegenteil: Gerade seine Licht- und Schatteninszenierungen waren äußerst durchdacht und raffiniert.

 

Werner_Mantz_Fotografie

Wohnblock in der Kopernikusstraße (Architekten: Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod), um 1930, Bromsilberdruck, Museum Ludwig, Köln // Wohnblock in der Ruhrorterstraße, um 1929, Bromsilberdruck, Museum Ludwig, Köln // Haus in der Lentstraße, um 1928, Bromsilberdruck, Museum Ludwig, Köln

 

Einer von Mantz‘ größten Kunden wurde die GAG Immobilien AG, die, 1913 gegründet, laut Satzung den Zweck hatte, „erschwinglichen Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zu sozial angemessenen Bedingungen zu schaffen“. Ideengeber und Initiator war der damalige stellvertretende Oberbürgermeister der Stadt Köln, Konrad Adenauer. Hausarchitekt der GAG war bis in die 1930er Jahre Wilhelm Riphahn.

1932 eröffnete Mantz, der jüdischer Herkunft war, in Maastricht ein zweites Atelier. 1938 verließ er Köln ganz und siedelte nach der Reichspogromnacht vollständig in die Niederlande um. In Maastricht widmete sich Mantz wieder verstärkt der Porträtfotografie. Der Grund lag wohl darin, dass es weniger Aufträge für Architekturfotografie gab. Mantz spezialisierte sich auf Kinderbildnisse, die er ebenso wie die anderen Porträts als gleichbedeutend zu seinen Architekturaufnahmen empfand. So faszinierend diese Bilder sind, wurden sie nie ausgestellt – bislang.

 

Werner_Mantz_Fotografie_Menschen

Porträt eines Jungen, Familie Wirts, Limburg, 1960, Gelatinesilberpapier, Nederlands Fotomuseum, Rotterdam // Porträt einer jungen Frau, Familie Huyben, Limburg, 1963, Gelatinesilberpapier, Nederlands Fotomuseum, Rotterdam // Porträt eines Säuglings, Familie Castorp, Limburg, 1960, Gelatinesilberpapier, Nederlands Fotomuseum, Rotterdam

 

Die Ausstellung im Museum Ludwig ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Nederlands Fotomuseum in Rotterdam, das den umfangreichen Bestand von Mantz’ Fotografien aus den Niederlanden bewahrt. Die Ausstellung ist bis zum 21. Januar 2018 zu sehen. 

Mu­se­um Lud­wig
Hein­rich-Böll-Platz, 50667 Köln, Tel.: 0221 221 26165, www.mu­se­um-lud­wig.de

Öffnungszeiten:
Di. bis So. und an Feier­ta­gen: 10 – 18 Uhr
Je­den er­sten Do im Mo­nat: 10 – 22 Uhr
Mon­tags geschlossen

 

Fotos: VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Rheinisches Bildarchiv Köln (4), VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Werner Mantz / Nederlands Fotomuseum, Rotterdam (3)
Titelbild:  Café Wien in Köln, 1929 Bromsilberdruck, Museum Ludwig, Köln

    

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