Menschen

Nähe ist der rote Faden

Vor einem Jahr hat die Sparkasse KölnBonn einen Strukturwandel im Privatkundengeschäft eingeleitet. Wenige Monate später ist mit Volker Schramm ein ausgewiesener Finanzexperte mit eingehender Kenntnis des regionalen Marktes in den Vorstand der Sparkasse berufen worden, der den Strukturwandel in Bonn begleitet hat. Wir haben mit dem diplomierten Sparkassen-Betriebswirt und gebürtigen Westerwälder über seine neue Heimat, wenig Zeit für Hobbys, seine Arbeit und Präsenz in Bonn gesprochen.

Interview: Susanne Rothe

Sie sitzen als einziges Mitglied des Vorstandes in Bonn …
Ich bin in der Tat als einziges Vorstandsmitglied mit meinem Dienstsitz vollständig in Bonn. Aber meine anderen Vorstandskollegen kommen regelmäßig nach Bonn. Wir halten beispielsweise einen Teil der Vorstandssitzungen mit der kompletten Geschäftsleitung in Bonn ab. Dass ich meinen Sitz hier habe, hat damit zu tun, dass wir auch in der Bundesstadt mit allen Führungsebenen präsent sein möchten. Die persönliche Nähe zu den Kunden ist auch vorstandsseitig wichtig. Außerdem ist diese Maßnahme ein Zeichen einer weitreichenden regionalen Verbundenheit. Ich arbeite sehr gerne hier.

Sie kommen aus dem Westerwald, wie fühlen Sie sich im Rheinland?
Ich bin vor 20 Jahren hier ins Rheinland gezogen, das war damals schon eine Umstellung. Aber das Rheinland macht es einem sehr leicht, sich hier wohlzufühlen. Man schließt sehr schnell Kontakte, die Menschen sind offen und empfangen einen auch genauso. Das gefällt mir sehr gut. Meine Frau und ich sind vor Kurzem ins Musikerviertel gezogen, das ist vom Friedensplatz nur wenige Gehminuten entfernt. Wir genießen die Nähe zur lebendigen Südstadt und zum quirligen Poppelsdorf. 

Sie waren in den vergangenen Wochen und Monaten in der Region viel unterwegs, wie wichtig ist der Kontakt nach außen?
Ich weiß, dass das für jemanden, der beruflich in einem Unternehmen mit Kunden tätig ist, eine ganz wichtige Rolle spielt. Der Kontakt zu Kunden ist unbedingt notwendig, um zu erfahren, was die Menschen bewegt. Nur so kann man gezielt beraten und Lösungen entwickeln. Wir haben in Bonn einige wichtige Plattformen, wie beispielsweise die Wirtschaftsgespräche und den Bonner Wirtschaftstalk, über die man sich hervorragend vernetzten kann. Dadurch ist man immer informiert und kann entsprechend agieren.

Der Wettbewerb um Privatkunden ist hoch, warum sollte man als Kunde zur Sparkasse gehen?
Wie viel Zeit haben Sie mitgebracht? Scherz beiseite: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das beste Gesamtpaket bieten. Wir können jeden Bedarf abdecken, haben eine hohe Beratungsqualität, gute Produkte und man kann uns im direkten Sinne beim Wort nehmen: Wir sind tatsächlich da! Die Wege zu uns sind kurz. Wir haben mit unseren Filialen und Geldautomaten das mit Abstand dichteste Netz. Dies hat ganz aktuell dazu geführt, dass wir bei diversen Tests der Girokonten mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet wurden. Nähe und Qualität – das finden Sie bei der Sparkasse KölnBonn. Darüber hinaus bedeutet Nähe bei uns nicht nur physische Erreichbarkeit, sondern wir haben in den vergangenen Jahren auch eine digitale Nähe zu unseren Kunden aufgebaut.

 

„Für Bonn sind Kooperationen wie mit dem Rhein-Sieg-Kreis eine wichtige zukunftsorientierte Sache, die wir machen müssen, um uns nicht zu begrenzen.“

 

Was bedeutet das?
Das heißt, dass der Kunde beispielsweise über einen Online-Chat mit einem Berater kommunizieren kann – wenn er möchte. Er hat immer die Wahl: Er kommt bei uns vorbei oder er kontaktiert uns digital. Dabei reichen wenige Klicks und man steht im direkten Kontakt mit einem Berater. Das ist ein sehr zeitsparender Kommunikationsweg und wird sehr gerne für die schnelle Beantwortung von Fragen genutzt. Gelobt werden auch unsere Apps „Sparkasse“ und „Sparkasse +“. Sie erhielten im Juni 2015 beim Vergleich der Stiftung Warentest das Prädikat „gut“ und wurden von der Zeitschrift CHIP im August zum Testsieger bei Online-Banking-Apps gekürt.

Im vergangenen Jahr wurde im Bereich Privatkundengeschäft ein Strukturwandel eingeleitet. Kann man ein Jahr später sagen, ob und wie erfolgreich er war?
Wir haben den Strukturwandel initiiert, um den sich verändernden Bedürfnissen und Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden. Was ich vorhin über unsere Nähe zum Kunden gesagt habe, war auch hier ein ganz wesentlicher Punkt. Wir haben in Bonn in jedem Stadtbezirk Filialdirektionen eröffnet und die werden von den Kunden sehr gut angenommen. Wir sind da, wo man uns braucht. Unser Angebot der deutlich längeren Öffnungszeiten stößt ebenfalls auf großen Zuspruch. Beratungen in den Filialdirektionen sind bis 20 Uhr möglich. Außerdem wurde die telefonische Direktberatung ausgedehnt. In den Filialdirektionen stehen – gegenüber der bisher üblichen Filiale – neben den eigentlichen Kundenberatern auch Berater für Geschäfts- und Gewerbekunden sowie im angegliederten ExpertenCenter allen Kunden Experten für Immobilien, Vorsorge und Wertpapieranlage zur Verfügung. Die Experten unterstützen zudem auch die Berater in den Filialen vor Ort, so dass jeder Kunde an jedem Standort von zusätzlichem Beratungs-Know-how profitiert. Unser Resümee nach einem Jahr: Wir haben die Attraktivität des Privatkundengeschäfts erfolgreich gesteigert.

Zu Ihren Aufgaben gehört auch der Bereich der Firmenkunden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?
Wir als Sparkasse bieten insbesondere den mittelständischen Unternehmen die gesamte Produktpalette, die für die betrieblichen Finanzen wichtig ist. Das gilt für den Zahlungsverkehr, für die Finanzierung, die betriebliche Liquidität oder für die Herausforderungen der Digitalisierung. Wir selbst setzen intern auf weitere Digitalisierung, um schnellere Abläufe für unsere Kunden zu erreichen. Aber auch die gleichzeitige Betrachtung der privaten Finanzen des Unternehmers ist ein wichtiger Baustein unserer Arbeit, die auf der Nähe zu unseren Kunden beruht und für die wir unabhängig voneinander in diesem Jahr von „FocusMoney“ und „Die Welt“ ausgezeichnet wurden.

Die Sparkassen stehen für die Verbundenheit mit der Region. Wo sehen Sie Bonns Stärken und Schwächen?
Fangen wir mit den Stärken an. Bonn ist eine hoch attraktive Stadt, was man alleine schon daran sehen kann, dass Bonn eine der wenigen Städte ist, für die man ein Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahren prognostiziert hat. Da spielen sicherlich die Rolle als Bundesstadt und die internationale Strahlkraft als UN-Stadt eine Rolle. Die Museumslandschaft, Beethoven, Macke, der Wissenschaftsstandort – es gibt vieles, mit dem Bonn punktet. Als Mann der Wirtschaft weiß ich natürlich, dass der breite Mittelstand Bonn stark macht. Wir haben ein sehr intensives mittelständisches Unternehmertum, das Bonn trägt. Außerdem haben wir einen hoch attraktiven Immobilienmarkt, der nicht nur Investoren, sondern auch jedem, der hier privat vor einigen Jahren ein Haus gekauft hat, langfristige Wertsteigerungen bietet. Das sind alles Dinge, die sehr für Bonn sprechen, und da haben wir noch nicht über die schöne Lage gesprochen.

Volker Schramm

Volker Schramm lebt und arbeitet mitten in Bonn.

Und die Schwächen?
Wenn ich mit Unternehmen spreche, dann werden stets die Themen Verkehr und Infrastruktur genannt. Auch Gewerbeflächen sind ein Riesenproblem. In den Stadtgrenzen wird es zu eng. Es fehlen Flächen, um sich auszuweiten. Da sind Kooperationen wie mit dem Rhein-Sieg-Kreis eine wichtige zukunftsorientierte Sache, die wir machen müssen, um uns nicht zu begrenzen.

Was wünschen Sie sich vom neuen Bonner Oberbürgermeister?
Ich wünsche mir, dass er ein guter Repräsentant der Stadt ist und dass er für die Bonnerinnen und Bonner da ist. Außerdem wünsche mir, dass er ein starker Verwaltungschef ist, der für eine Weiterentwicklung der Verwaltung in Bonn sorgt mit schnellen und schlanken
Abläufen, von denen die Bonner Bürger und die Wirtschaft profitieren.

Die Sparkasse KölnBonn ist eine der größten nichtstaatlichen Förderinnen in der Region. Stichwort „Bürgerdividende“. Was bedeutet das?
In der Aktiengesellschaft haben nur die Aktionäre etwas vom Erfolg des Unternehmens, von uns profitiert jeder Bürger. Für uns ist es wichtig, etwas von dem, was wir verdient haben, in die Region zurückzugeben. Dies erfolgt in Form von Spenden, Stiftungsausschüttungen und Sponsoring. Wir tun sehr viel für die Region, das ist etwas, was sparkassentypisch ist. In Bonn unterstützen wir mehr als 400 Projekte. Große Projekte sind beispielsweise ganz aktuell das August-Macke-Haus mit dem Erweiterungsbau in der Bornheimer Straße oder Projekte rund um Beethoven. Wir unterstützen aber auch viele kleine Projekte. Das kann eine Jugendmannschaft sein oder auch eine Spielecke in einer Kindertagesstätte. Jedes Jahr fließen so vier Millionen Euro in die Stadt.

Kann sich jeder direkt an die Sparkasse wenden und einen Vorschlag für ein Projekt machen?
Ja, sehr gerne. Jeder kann mit einer guten Idee oder einer sinnvollen Maßnahme zu uns kommen. Wir prüfen dies und, je nach Budgetausschöpfung, finden häufig eine Möglichkeit der Unterstützung.

Stehen schon Projekte für 2016 fest?
Ich freue mich auf das Jazzfestival im Frühjahr 2016, das wir erstmals als Hauptsponsor unterstützen. Das Festival ist eine ganz tolle Sache für Bonn. Außerdem werden wir die Gala der Deutschen Aids-Stiftung, die im Mai in der Oper stattfindet, wieder unterstützen. Das Beethovenfest ist natürlich ebenfalls wieder dabei.

Sie haben ein Leben neben der Sparkasse und sind Mitglied des Elferrates der Ehrengarde der Stadt Bonn. Sind Sie ein Karnevalsjeck?
Als ich aus dem Westerwald ins Rheinland gekommen bin, habe ich schnell gemerkt, dass man sich dem Karnevalsvirus nicht entziehen kann. Man wird von ihm sehr schnell angesteckt. So ist es auch mit mir geschehen. Mich fasziniert vor allem die Vielfalt an Liedern. Meine Frau schaut mich manchmal irritiert an, wenn ich mitten im Sommer anfange, ein Karnevalslied zu pfeifen.

Haben Sie noch Zeit für Hobbys?
Hobbys werden weniger, weil die Zeit dafür weniger wird. Ich habe aber eine Leidenschaft, die sozusagen überall möglich ist: Ich ziehe mir ein paar Laufschuhe an und laufe, unabhängig von der Uhrzeit und wo ich bin, einfach los. Das ist für mich Ausgleich und ein wunderbares Mittel, zu entspannen. Beim Laufen kann man Dinge ganz relaxt durchdenken.

Ist der Bonn-Marathon ein Thema?
Das könnte ich mir schon vorstellen. Ich weiß im Moment aber nicht, ob ich die Vorbereitungszeit investieren kann. Den halben Marathon bin ich schon mehrfach mitgelaufen. Ich habe auch den ganzen schon gemacht. Aber zur Zeit würde ich mich auf den halben Marathon reduzieren oder, besser gesagt, konzentrieren.

„Genuss“ ist in jeder Ausgabe von RHEINexklusiv ein Schwerpunkt. Wo gehen Sie hin, wenn Sie einmal einen netten Abend fernab von Sparkassenthemen genießen möchten?
Wir wohnen noch nicht so lange im Musikerviertel, daher probieren wir vieles in der näheren Umgebung gerne aus. Da wir viele tolle Gastronomen in der Kundschaft haben, können Sie es sicherlich verstehen, wenn ich jetzt das Il Punto nicht nenne. Ich bin jedoch sicher, ich werde noch weitere entdecken, und freue mich schon darauf.

Was bedeutet Ihnen Heimat?
Es gibt den schönen Gedanken „Zukunft braucht Herkunft“. Dem bin ich sehr verbunden. Die Wurzeln, die man über die Familie und Freunde hat, sind enorm wichtig und prägen fürs Leben. Von daher ist mir die Nähe zur Familie und zu Freunden aus der Heimat sehr wichtig. Das Stichwort Nähe ist wie ein roter Faden in meinem Leben – beruflich und privat.

 

Fotos: P. M. J. Rothe

    

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