Menschen

Die Kraft des Unbewussten

Angst, Sucht, Schlafstörungen, Schmerzen: Bei bestimmten Beschwerden kann eine Methode helfen, die lange Zeit für ein Ammenmärchen gehalten wurde. Hypnose. Heute ist sie als Therapie anerkannt. Thomas Theuerzeit erklärt, was dahintersteckt und wie Hypnose Menschen hilft.

Viele Menschen halten Hypnose für faulen Zauber. Was ist Hypnose?
Hypnose ist nichts anderes als tiefe Entspannung, bei der man gleichzeitig geistig sehr aufmerksam ist. Man fühlt sich in diesem Zustand sehr wohl und hat die Möglichkeit, Prozesse aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dies geschieht alles freiwillig und hat nichts mit Bühnen- oder Showhypnosen zu tun. Hypnotherapie oder Klinische Hypnose ist seit 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als Therapiemethode anerkannt und kein fauler Zauber.

Was passiert in der Hypnose?
In dieser tiefen Entspannung ist man offen für Neues. Ich vergleiche das immer mit einem Büffet, auf dem Ideen angeboten werden. Das Unterbewusstsein wählt davon aus. Dabei wird das abgelehnt, was als schlecht empfunden wird oder von dem man genug hat. Das Unterbewusstsein strebt dabei nach seelischer Balance.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Ich halte einer Klientin oder einem Klienten ein weißes Blatt hin, sage aber dazu, das Blatt sei rot. Normalerweise würde man dann sagen: „Stimmt doch nicht, das Blatt ist weiß.“ Jedoch der Zustand, in dem sich die Klienten befinden, ist so angenehm, dass man die Aussage hinnimmt. Dies wird vom Unterbewusstsein abgespeichert. Sieht man dann wieder ein weißes Blatt Papier, fährt das Unterbewusstsein eine zusätzliche Schleife und sagt: „Kann das Blatt Papier nicht vielleicht doch rot sein, schau noch einmal hin.“ So hat man in der Hypnose die Möglichkeit, dem Unterbewusstsein Alternativen für bestimmte Themen anzubieten.

Kann der Hypnosetherapeut den Klienten beeinflussen?
Nein, auf keinen Fall. Niemand würde in Hypnose Dinge tun, die er ohne den hypnotischen Zustand aufgrund persönlicher Einstellungen oder etwa aus Moralvorstellungen ablehnt. Das Unterbewusstsein wehrt sich sofort. Man hat jederzeit die Kontrolle. Hypnose ist immer freiwillig.

Wie versetzen Sie Ihre Klienten in Trance?
Es gibt unterschiedliche Techniken, die in diesen Zustand führen. Jede hat bestimmte Anwendungsgebiete und Vorteile. So kann man sich nach und nach auf die fünf Sinne fokussieren, sodass körperliche und anschließend geistige Entspannung eintreten. Doch es gibt auch Menschen, die sehr rational sind und schwerer loslassen. In solchen Fällen werden andere Techniken eingesetzt. Eine Möglichkeit wäre die sogenannte Konfusionstechnik, bei der eine völlige gedankliche Verwirrung erzeugt wird, die dann zur geistigen und anschließend zur körperlichen Entspannung führt.

Woran erkennen Sie, dass der Klient wirklich in Trance ist?
Einmal kann ich das von körperlichen Reaktionen ableiten. Die Augenlider fangen an zu flattern. Der Magen grummelt. Die Haut reagiert, sie wird glatt und schön durchblutet. Ich setze aber auch immer Biofeedback ein. Dabei werden mittels Sensoren die Herzfrequenz und der Hautwiderstand gemessen. Man kann dann am Computer sehen, wie tief jemand entspannt ist. Dies ist auch eine ideale Methode, um dem Klienten im Anschluss an die Hypnose seine Reaktionen zu zeigen. Er sieht dann nicht nur die Phasen der Entspannung, sondern auch die der Anspannung, also die Reaktion auf ein bestimmtes Thema.

Lässt sich damit dann auch der Erfolg einer Hypnosetherapie messen und nachvollziehen?
Ja, genau. Hat der Klient beispielsweise eine Spinnenphobie, so ist in der ersten Sitzung bei dem Gedanken an die Spinne unter Umständen eine deutliche Anspannung zu erkennen. Mit fortschreitendem Therapieverlauf verringert sich dann die Anspannung, selbst wenn das Problemthema angesprochen wird. Der Klient erfährt in der Hypnose eine Entlastung und kann diese dann in der Realität überprüfen. Im besten Fall reagiert er beim Anblick einer Spinne dann ebenfalls entspannt.

Was macht der Hypnosetherapeut während der Hypnose?
Es kommt auf das Thema an, das bearbeitet werden soll. Zum einen gibt es die Suggestivhypnose, bei der ich dem Klienten durch verschiedene Techniken Ideen anbiete, wie er sich in einer bestimmten Situation auch anders verhalten könnte. Ein klassischer Fall wäre hier zum Beispiel ein Klient, der Probleme mit seinem Selbstwertgefühl hat. Es gibt aber auch die Hypnoanalyse, bei der ich mit dem Klienten, wenn es zum Beispiel um Angstsituationen geht, in einen Dialog einsteige. Hier analysieren wir mithilfe des Unterbewussten, woher die Angst kommt und entwickeln dann in der Trance gemeinsam Lösungen für das Problem.

Man kann also in der Hypnose sprechen?
Ja, man kann sich unterhalten und man erinnert sich auch hinterher an alles, was besprochen wurde.

Muss sich der Klient auf die Hypnose vorbereiten?
Nein, eigentlich nicht. Jeder Klient muss allerdings bei mir im Vorfeld einen sehr ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Darauf aufbauend findet dann das erste Gespräch statt, in dem wir uns gegenseitig kennenlernen. Für mich ist es wichtig, möglichst viel vom Menschen und seinem Umfeld zu erfahren. Der Mensch, nicht das Problem, steht im Vordergrund. Gemeinsam legen wir das Ziel der Behandlung und den Weg dahin fest.

Kann jeder hypnotisiert werden?
Grundsätzlich muss natürlich die Bereitschaft dazu da sein. Jeder, der dafür offen ist, ist hypnotisierbar. Seltene Ausnahmen sind neurologische Erkrankungen, durch die jemand unter Umständen nicht fähig ist, sich zu entspannen.

Gibt es irgendwelche Nebenwirkungen?
Es gibt Kontraindikationen, bei denen die Hypnose nicht angewendet werden darf. Dazu gehört zum Beispiel, wenn der Klient erst vor Kurzem einen Schlaganfall hatte.

Warum wird Hypnose immer noch verhältnismäßig wenig eingesetzt?
Hypnose wird zwar gesellschaftsfähiger, das Bewusstsein dafür ist aber noch nicht so groß wie gegenüber einer klassischen Verhaltens- oder Gesprächstherapie. Hypnose ist wahrscheinlich immer noch zu stark mystifiziert und die Bilder der Showhypnosen zu präsent.

Bei welchen Leiden und Problemen hilft eine Hypnosetherapie?
Hypnose kann man bei unterschiedlichen Themen anwenden – von Ängsten und Panikattacken, Phobien, mentalen Blockaden und Stress über Krisen und Depressionen, mangelndes Selbstbewusstsein bis hin zu psychosomatischen Beschwerden. Wenn es sich um traumatische Belastungsstörungen – Folgen traumatischer Erlebnisse – handelt, dann muss man schauen, ob man andere Therapien wie eine spezielle Traumatherapie – EMDR – anwendet.

Was bedeutet EMDR?
EMDR, das Eye Movement Desensitization and Reprocessing, verbessert als Therapiemethode die Behandlung psychischer Störungen und kann in viele andere Psychotherapieverfahren integriert werden. Nach einer erfolgreichen Sitzung erleben die meisten Menschen eine Veränderung von belastenden Erinnerungen. Auch die mit den Erinnerungen verbundenen körperlichen Erregungen können abklingen und negative Gedanken neu und positiver formuliert werden. EMDR wurde zur Behandlung traumatisierter Menschen entwickelt und ist auch bei anderen Störungsbildern wirksam, zum Beispiel bei Angst- und Panikstörungen, psychophysischen Erschöpfungssyndromen oder chronischen Schmerzen.

Wie kommen die Klienten zu Ihnen?
Das ist ganz unterschiedlich. Viele kommen von sich aus, weil sie sich informiert haben. Andere werden von ihren behandelnden Ärzten zu mir geschickt. Ich verfüge über ein Netzwerk von Ärzten, mit denen ich zusammenarbeite und wo ich umgekehrt, wenn ich an meine therapeutischen Grenzen stoße, auch Klienten hinschicke.

Was war der größte Erfolg, den Sie mit Hypnose erzielt haben?
Erfolg klingt so nach Wettbewerb. Aber darum geht es ja nicht. Meine Aufgabe ist es, Menschen, die Probleme haben und einem Leidensdruck ausgesetzt sind, zu begleiten. Nicht mein Erfolg zählt, sondern der, den der Klient letztendlich wahrnimmt. Und da kann schon jeder kleinste Schritt in die richtige Richtung für ihn ein großer Erfolg sein. Nehmen Sie beispielsweise einen Klienten, der schwere Depressionen hat, und für den alles grau in grau erscheint. Für ihn ist vielleicht ein sehr großer Erfolg, wenn er schon nach wenigen Sitzungen einmal wieder die Sonne genießen kann. Das ist natürlich nicht bei jedem so. Depression ist eine schwere Erkrankung, dies darf man auf gar keinen Fall unterschätzen. Aber Fakt ist: Hypnose ist lösungs- und kurzzeitorientiert. Wir suchen nicht lange in der Vergangenheit, sondern schauen nach vorne.

Thomas TheuerzeitThomas Theuerzeit ist Heilpraktiker (Psychotherapie) und Hypnosetherapeut.
Er ist ausgebildet in klassischer und medizinischer Hypnose, Traumatherapie und integrativer lösungsorientierter Psychotherapie.

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