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Zwei wie Prinz und Bonna

Dirk Vögeli (Geschäftsführer Karosserie & Lackier Centrum Vögeli) und Alexandra Roth (Geschäftsführerin der Augenklinik Roth) regieren in der fünften Jahreszeit die Bonner Jecken. Der offizielle Startschuss zur närrischen Zeit fiel vor einigen Wochen am 11.11. – seitdem sind Prinz Dirk II. und Bonna Alexandra III. im Namen des Karnevals unterwegs. Allerdings im „Blaumann“ – dunkelblauer Anzug und dunkelblaues Kostüm – und nicht im Ornat. Bis zur ihrer Proklamation am 5. Januar 2018 müssen sie in Zivil auftreten. Wir haben diese Zwischenzeit genutzt und uns mit Dirk II. und Alexandra III. – beide KG Wiesse Müüs – zu einem Spaziergang am Rhein getroffen.

Interview: Susanne Rothe

 

Prinz und Bonna

Prinz und Bonna: Dirk Vögeli und Alexandra Roth

Der Herbstwind weht kräftig, doch der guten Laune von Prinz und Bonna tut das keinen Abbruch. Es war gar nicht so einfach, mit den beiden einen Termin zu finden, sind sie beruflich und karnevalistisch doch gut verplant. Nach einigen Mails haben wir es geschafft und stehen am Rheinufer mit der Silhouette Bonns im Rücken. Bis Aschermittwoch liegt das närrische Geschick der Stadt in den Händen von Dirk II. und Alexandra III. – einem Herrscherpaar auf Zeit. In diesen Wochen möchten sie allen Jecken eine unbeschwerte Auszeit bereiten und ein Prinzenpaar zum Anfassen sein. Was sie sich für ihre Session erhoffen und wie sie sich darauf vorbereitet haben, verraten sie uns, während wir am Fluss entlangspazieren.

Der Sessionsauftakt liegt gerade hinter Ihnen und die Proklamation steht noch bevor: Haben Sie Lampenfieber?
Bonna: Vor dem 11.11. war ich sehr aufgeregt und zwar besonders vor unserem Auftritt auf der Rathaustreppe. Ich habe nur noch „Oh je, Oh je“ gedacht. Aber als wir dann oben standen, war alles gut.
Prinz: In dem Moment, wo ich die begeisterten Menschen auf dem Bonner Marktplatz gesehen habe, ging mein Puls im Vergleich zu vorher wieder runter. Ich weiß nicht, ob es bei dir, Alex, auch so war, aber beim Gang auf die Treppe, wollte ich das Bild, das sich mir bot, am liebsten einfrieren.
Bonna (lacht): Ich habe das Glück, dass Dirk bei jedem Auftritt vor mir sprechen muss. Daran kann ich mich orientieren. Ansonsten zieht das Publikum einen mit.

Wie haben Sie sich auf Ihre Session vorbereitet?
Prinz: Es gibt eine professionelle Vorbereitung, die alle Bereiche abdeckt. Das beinhaltet Redetraining ebenso wie Proben auf verschieden großen Bühnen. Das ist sehr gut. Wenn man wie wir aus großen Unternehmen kommt, hat man zwar bereits öfter vor großen Gruppen gesprochen, aber das ist hier etwas ganz anderes. Wir sind nun Prinz und Bonna und bewegen uns nicht innerhalb unseres Business, sondern im Rahmen einer Rolle.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?
Bonna: Auf der einen Seite möchte man alles richtig machen, auf der anderen Seite sind wir beide Menschen, die sehr authentisch sind. So möchten wir auch als Prinz und Bonna sein. Wir versuchen daher einen Mittelweg zwischen Professionalität und Authentizität zu gehen. Wir haben das Glück, dass bei allen kommenden Auftritten entweder Dirk oder ich quasi wie zu Hause sind. Das ist perfekt, denn wenn man etwas hat, an das man anknüpfen kann, kommt das, was man sagt, immer aus dem Herzen.

Erfüllen Sie sich mit der Rolle der Bonner Tollitäten einen lang gehegten Wunsch?
Prinz: Ich bin Rosenmontag geboren. Damit fängt es schon einmal an. Für ein Kind ist Karneval natürlich klasse. Als Jugendlicher und in der Berufsphase hat sich die Begeisterung etwas verloren. 2002 habe ich durch die Schwarz-Gelbe Jonge zum Karneval zurückgefunden. Dann kam die Anfrage an die KG Wiesse Müüs anläßlich ihres 66. Jubiläums, den Prinz zu stellen. Alex und ich haben uns dann zusammengesetzt und waren uns einig, dass wir das gerne machen würden.

Sie haben sich also als Paar beworben?
Bonna: Ja, aber das ist eher ungewöhnlich. Ich hatte im Übrigen 1987 die Chance, Kinderprinzessin in Röttgen zu werden. Zehn Wochen bevor es soweit war, habe ich gekniffen. Mich schreckte damals das Bützen älterer Herren ab. Ich habe es immer bereut, dass ich nicht Prinzessin geworden bin. Dirk kenne ich seit etwa zehn Jahren. Als er mich fragte, ob wir uns gemeinsam bewerben sollen, habe ich sofort „klar“ gesagt. Mittlerweile kann ich nicht nur bützen, sondern ich tue es auch.

Was sagen Ihre Familien dazu?
Bonna: Unsere beiden Familien verbringen jetzt viel Zeit miteinander. Das war vorher nicht so der Fall. Uns ist es wichtig, dass nicht nur wir uns, sondern dass sich auch unsere Partner und Kinder verstehen. Das klappt sehr gut und ist ein schönes Gefühl. Im Januar und Februar werden wir wenig Zeit zu Hause verbringen, was für unsere Familien eine komplette Veränderung bedeutet. Wir möchten, dass sie dabei ein gutes Gefühl haben.
Prinz: Meine Kinder haben am Anfang gar nicht richtig realisiert, was wir machen. Auch jetzt noch nicht. Sie sehen mich momentan ja noch nicht im Ornat, sondern im Anzug und das ist für sie nicht fremd. Ich denke, dass wird sich ändern, sobald wir als Prinz und Bonna gekleidet sind. Aber gefreut haben sich alle.

Sie haben beide einen Fulltime-Job, wie regeln Sie das?
Bonna: Das geht nur mit großer Unterstützung unserer Familien. Im November ging es ganz gut, da hatten wir nur abends Termine. Der Dezember ist ruhig. Im Januar und Februar trete ich meinen „Mama-Job“ an die Omas ab. Mein Mann kommt abends früher nach Hause, um die Kinder ins Bett zu bringen. Im Büro ermöglichen es mir meine Assistentinnen, die einfach top sind. Man merkt natürlich auch, dass man ersetzbar ist – auch wenn man das nicht gerne wahrhaben möchte. Wir sind aber sehr gut auf das, was jetzt auf uns zukommt, vorbereitet worden.
Prinz: Wir haben außerdem das Glück, das wir mit unseren Unternehmen eine Größe erreicht haben, bei der man es gewohnt ist, an andere Arbeit abzugeben. Man kann nicht alles alleine machen. 

Wie entspannen Sie sich?
Prinz: Wir können beide zu Hause komplett abschalten und sind dann bei der nächsten Veranstaltung wieder ganz da.
Bonna: Zwischen den einzelnen Auftritten haben wir im Auto Zeit, kurz zu entspannen. Wir sind dort ganz ruhig – und das liegt nicht daran, dass wir uns nichts zu sagen haben. Außerdem hat jeder von uns nach der Proklamation im Marriott ein Zimmer und das bringt auch Ruhe rein. Wir haben die Möglichkeit, über Nacht im Hotel zu bleiben, um spätabends zu Hause nicht noch für Unruhe zu sorgen. Aber grundsätzlich gilt für uns beide, dass wir lieber bei unseren Familien sind, die wir sehr lieben.
Prinz: Die Konzentration ist bei jedem Auftritt sehr hoch. In der Hochphase sind wir alle 30 Minuten zu einem anderen Termin unterwegs, da darf die Konzentration nicht nachlassen. Ich finde, es ist sehr anstrengend, weil sich Phasen der Konzentration mit kurzen Phasen der Entspannung sehr schnell abwechseln. Deswegen haben wir auch an unserer Kondition gearbeitet, sonst hält man das Pensum nicht durch.

Was fasziniert Sie am Karneval?
Bonna: Der Karneval schafft es, ganz unterschiedliche Gruppen zu vereinen. Karneval kann jeder Mensch feiern. Jeder hat im Alltag sein Päckchen zu tragen, aber im Karneval kann auch jeder Spaß haben. Ich denke, ein Stück Leichtigkeit sollte man aus dem Karneval in seinen Alltag übernehmen. Das hat nichts damit zu tun, dass man nicht ernsthaft über Dinge nachdenkt, sondern soll uns daran erinnern, wie gut es uns geht. Es gibt so viele Arten Karneval zu feiern und wir dürfen den Frohsinn überall hinbringen – das finde ich toll.
Prinz: Für mich ist es wichtig, dass man im Karneval Gefühl zeigen und einfach einmal loslassen kann. Der Alltag ist stressig genug. Mich fasziniert, wie begeistert uns die Menschen begegnen. Kaum kommen wir irgendwo herein, jubeln sie, ohne dass wir irgendetwas gemacht haben.
Bonna (lacht): Das ist ja im Job nicht so. Da wird man zwar auch einmal angelächelt, aber niemand applaudiert, wenn wir morgens ins Büro kommen. Aber ernsthaft: Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass alle aufstehen, sobald wir als Prinz und Bonna einen Saal betreten.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Session?
Bonna: Ich hoffe vor allem, dass es eine friedliche Session wird – ohne Zwischenfälle jeglicher Art.
Prinz: Für mich haben wir unser Ziel erreicht, wenn die Jecken nach der Session sagen: „Wir haben Spaß gehabt.“ Wir möchten ganz einfach zum Alltag eine Alternative aufzeigen.

Auf welchen Auftritt freuen Sie sich am meisten?
Bonna: Natürlich die Proklamation, vor der ich gleichzeitig großen Respekt habe. Ich bin sehr emotional und es werden bei mir Freudentränen fließen. Da bin ich mir jetzt schon sicher. Ich freue mich ebenfalls auf alle Auftritte bei den Wiesse Müüs und bei den Bonner Stadtsoldaten. Und ich freue mich darauf, dass wir bei unseren Auftritten für einige Menschen das Highlight des Tages sein werden und ihnen ein Stück Freude in ihren Alltag bringen.
Prinz: Ich freue mich wahnsinnig auf die Sitzung der Wiesse Müüs, weil ich bestimmt 95 Prozent der Leute kenne. Ansonsten sehe ich das wie Alex. Wir haben uns vorgenommen, intensiv auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Wir möchten ein Prinzenpaar zum Anfassen sein, das bei den Jecken ist und nicht über den Jecken nur auf der Bühne steht. Auch wenn sich das nicht immer verhindern lässt. 

Foros: P. M. J. Rothe, Festausschuss Bonner Karneval

    

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