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Kloster Eberbach: Große Weine mit Vergangenheit – und Zukunft

Kloster Eberbach liegt umgeben von Wiesen, Wald und Reben auf einem Hügel hoch über dem Rheintal. Von seinem höchsten Punkt aus, einem steilen Südwesthang, hat man einen wunderbaren Blick über die Weinberge, das Tal und den sich dahinschlängelnden Strom. Kloster Eberbach ist das älteste und größte Weingut Deutschlands – immer in der Balance zwischen Tradition und Innovation.

 

Kloster Eberbach. Blick vom Steinberg ins Rheintal

Blick vom Steinberg ins Rheintal

 

Kloster Eberbach beeindruckt mit einer rund 900 Jahre alten Weingeschichte und hat sich über die Jahrhunderte hinweg einen national und auch international bekannten Namen geschaffen. Das Kloster wurde 1136 von Zisterziensermönchen gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem Zentrum des Weinbaus in Deutschland. Der Wein war wichtigstes Handelsgut des Klosters und damit die Basis für seine wirtschaftliche Existenz. Voraussetzung für den Erfolg waren jedoch die Weinberge selbst. Die Mönche erkannten das Potenzial, das im Terroir des Rheingaus liegt, und erwarben nur die besten Lagen. Damit legten sie den Grundstein für exzellente Weine. 

Im 15. Jahrhundert war das Weingut bereits das größte in Deutschland. 1730 wurde der sogenannte Cabinetkeller gebaut und gleichzeitig der Begriff „Kabinett“ geboren, mit dem die Qualitätsweine bezeichnet werden. Bis heute liegen in diesem Keller vinifizierte Spitzenweine und eine der wertvollsten Sammlungen deutscher Weine – weltweit. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster 1803 aufgelöst und die Herzöge von Nassau-Usingen erhielten das Sagen. Damit wechselten Kloster und Weingut in staatliches Eigentum. 1866 übernahmen beides die Preußen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten rund 220 Hektar Rebland wieder den Besitzer. Die ehemals klostereigenen Weinberge wie zum Beispiel der Assmannshäuser Höllenberg, Rauenthaler Baiken, Erbacher Marcobrunn und der berühmte 34 Hektar große Steinberg werden seitdem vom Land Hessen verwaltet.

Dieter Greiner, Geschäftsführer

Dieter Greiner, Geschäftsführer

„Der Steinberg befindet sich seit 1239 im Alleinbesitz – heute in dem der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach“, sagt Dieter Greiner, der seit 2000 für das mittlerweile 250 Hektar große Weingut die wirtschaftliche und önologische Verantwortung trägt. Umgeben ist der Steinberg von einer etwa vier Kilometer langen, schieferbedeckten Mauer, mit der die Mönche 1767 eine Hecke ersetzt hatten, um zunächst Traubendiebe fernzuhalten. Durch diese Mauer wird aber auch ein Mikroklima geschaffen, das das kostbare Rieslingsland vor dem Einsickern von Kaltluft aus den Höhen schützt. Überhaupt sind die Böden von Kloster Eberbach für ihren Facettenreichtum berühmt. Es wachsen darauf zurzeit rund 80 Prozent Riesling, Spätburgunder und weitere Burgundersorten.

Greiner hat in den vergangenen Jahren – unterstützt von einem Team von rund 70 Mitarbeitern – Kloster Eberbach in die Weltspitze des Weins katapultiert. Die bewirtschafteten Flächen reichen im Rheingau von Assmannshausen nach Hochheim und an die Bergstraße. Vier Domänen bilden den Kern des Gutes. Die Domäne Assmannshausen hat sich ganz dem Ausbau des Pinot Noirs verschrieben. Die Domäne Bergstraße ist bekannt für ihr mildes Klima und Vorreiter bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. „Wir haben an der Bergstraße als erste flächendeckend Pheromonfallen eingeführt und verzichten, wie im gesamten Weingut, vollständig auf den Einsatz von toxischen Stoffen im Weinbau“, erklärt Greiner. Aus den Weinbergen der Domäne Rauenthal gehen hoch-elegante, blumige Weine hervor, die sich durch ihre besondere Fruchtigkeit und charakteristische, feine Würze auszeichnen. Nur 800 Meter vom Kloster entfernt liegt die Domäne Steinberg mit einem der modernsten Weinkeller. Das 15,8 Millionen Euro teure Projekt, das neben seiner Funktionalität durch seine anspruchsvolle Architektur besticht, spiegelt die im Weingut überall zu entdeckende gelungene Symbiose von Tradition und Innovation wider. Eine zukunftsorientierte Botschaft, die unmissverständlich ist.

 

Kloster Eberbach. Der Steinbergkeller: In den modernen Stahltanks wird der Wein zur Gärung gebracht.

Der Steinbergkeller: In den modernen Stahltanks wird der Wein zur Gärung gebracht.

 

Vom Niveau des zentralen Innenhofs aus betrachtet reicht der Keller über drei Etagen 14 Meter tief in den Berg. Der Hof ist von denkmalgeschützten Fachwerkhäusern umgeben, die einen starken Kontrast zum Beton und Glas der modernen Neubauten bilden. „Im Ergebnis ist es ein spannungsvolles Nebeneinander von Alt und Neu“, betont Greiner. Der Steinbergkeller wurde 2010 mit dem „Architekturpreis Wein“ vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Weinbau-verband und der Architektenkammer Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. 

Kloster Eberbach. Die Mauer schützt den berühmten Steinberg.

Die Mauer schützt den berühmten Steinberg.

So stolz Greiner und sein Team darauf sind, spielt für sie die Aufgabe, die der Keller zu erfüllen hat, die zentrale Rolle: Im gesamten Kelterprozess werden Trauben und Saft über drei Etagen schonend, nur mit natürlicher Schwerkraft, in den 14 Meter tiefen Keller befördert. Damit kann die Qualität der wertvollen Trauben aus besten Lagen des Rheingaus auf einzigartig schonende Weise erhalten bleiben. In der ersten Etage werden die Trauben angeliefert und verarbeitet. Dann geht es weiter in die Tiefe bis zur zweiten Etage, in der die Gärung temperaturgekühlt in Stahltanks stattfindet. Ein in den Tanks angebrachter zweiter Sensor misst ständig den CO2-Gehalt und ermöglicht damit einen sehr genauen Überblick über die Gärintensität. Entsprechend kann die Gärtemperatur durch den Computer gesteuert werden – maßgeblich für die besonders hohe Qualität der Weine. Die dritte und tiefste Ebene umfasst das 1.500 Quadratmeter große Flaschenlager, in dem die Weine – bis zu 1,3 Millionen Flaschen – unter optimalen Bedingungen heranreifen. Der Keller hat insgesamt eine Fläche von 5.000 Quadratmetern und ein Tankvolumen von 1,8 Millionen Litern. In 40 Holzfässern und 270 Edelstahltanks wird der Wein verarbeitet. 

„Kloster Eberbach hat für seine Weine über Jahrhunderte ein Klassifizierungsmodell praktiziert, das in seinem Aufbau vom VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter, übernommen wurde und vom Grundsatz her heute bei allen deutschen Spitzenweingütern Anwendung findet“, sagt Greiner. Auf dieser historischen Grundlage besteht das Sortiment des Weingutes aus Gutsweinen, Crescentias und Gutsabfüllungen aus dem Cabinetkeller. Gutsweine sind traditionelle und gebietstypische Rebsortenweine sowie herzhafte Lagenweine aus dem „Hauswingert“ der Domänen. Als Crescentia werden edle Weine aus den besten Lagen bezeichnet. Diese Einzellagenweine zeigen je nach Weinberg dezente oder intensive Fruchtaromen, eine feine oder starke Würze, eine elegante oder ausgeprägte Mineralität. Dabei steht jedoch stets der moderne, jugendlich frische Charakter der einzelnen Weine im Fokus.

Für Gutsabfüllungen aus dem Cabinetkeller werden ausschließlich Trauben aus den wertvollsten Parzellen der besten Lagen verarbeitet. Pro Hektar wird ein maximaler Ertrag von 50 hl/ha erzielt. Die Trauben werden mit der Hand geerntet. So entstehen Weine, die zu den wertvollsten ihrer Zeit gehören.

 

Kloster Eberbach. Im Cabinetkeller reifen die Gutsabfüllungen aus Rieslingtrauben.

Im Cabinetkeller reifen die Gutsabfüllungen aus Rieslingtrauben.

 

Kloster Eberbach steht für Besucher offen. In den Vinotheken der Domänen können die Weine unter fachkundiger Beratung verkostet werden. Ein ganz besonderes Erlebnis ist eine Führung durch den Steinbergkeller sowie eine Führung durch das Kloster selbst. Wer ganz tief in die Geschichte des Klosters eintauchen möchte, kann auch im Kloster übernachten.

 

www.kloster-eberbach.de

 

Fotos: Kloster Eberbach (3), P. M. J. Rothe (3)
Titelbild: Die Basilika: großartiges Monument zisterziensischer Baukunst

    

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