Architektur

Mein Haus im See

Aufwachen und den Blick aufs weite Wasser genießen – ein Haus am See ist der Traum vieler. Ein Traum, der jetzt wahr werden könnte: Immer mehr Hausboote und schwimmende Häuser besiedeln wunderschöne Seen, Flüsse und Meeresbuchten in Deutschland und in Metropolen auf der ganzen Welt. Es gibt sie als schickes Wohnhaus und kuscheliges Feriendomizil, zu mieten und zu kaufen.

 

Bootshaus_Goitzsche

Floating houses in Leipzig: Die schwimmenden Ferienhäuser des Goitzsche Resorts liegen ruhig an einer privaten Steganlage.

 

Ein ganz spezielles Lebensgefühl

Ein Hausboot ist etwas Besonderes. Nicht zu vergleichen mit einem Haus mit Keller, Garage und Garten. Es ist speziell. So verbindet man mit einem Haus auf dem Wasser häufig Aussteiger, Abenteurer und natürlich Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Doch zunehmend begeistern sich ganz „normale“ Stadtmenschen für das Wohnen auf dem Wasser. Kein Wunder, denn viele moderne Hausboote und schwimmenden Häuser sind echte Designwunder, die den gleichen Komfort wie eine feststehende Wohnung bieten. Gerade in den immer dichter bebauten Städten sind sie mittlerweile regelrecht zur Haus-Alternative geworden. Und auch unter Urlaubern werden sie immer beliebter: Ruhe und Entspannung einmal aus einer ganz anderen Perspektive genießen – das ist es, was sie finden.

 

bootshaus

 

Hersteller wie Floating House und Nautilus Hausboote bieten schwimmende Wohnräume zum Mieten und Kaufen an. Das Angebot unterteilt sich in zwei Kategorien: Hausboote sind kompakt und als Boot zu erkennen. Sie sind motorisiert und lassen sich daher über Wasserstraßen navigieren. Der Bewohner wird auf dem Hausboot zum Kapitän und kann es eigenständig steuern. Schwimmende Häuser dagegen sind an festen Liegeplätzen angebracht und haben keinen eigenen Antrieb. In der Regel sind sie an die örtlichen Versorgungsnetze angebunden, sodass die Bewohner von Internet, Wasser- und Stromleitungen profitieren. Das Angebot an Hausbooten und schwimmenden Häusern ist sehr vielfältig und reicht vom kuscheligen 30 Quadratmeter großen Hausboot bis zum luxuriösen 270 Quadratmeter großen Ferienhaus.

 

Nautilus-Bootshaus

Hausboot Malea im Raum Berlin mit großzügiger Dachterrasse – Entspannung garantiert!

 

Klein, aber fein

Auf Komfort müssen die Bewohner bei beiden Varianten nicht verzichten. Zur Grundausstattung der Platzwunder gehören neben einem offenen Wohn- und Essbereich mit Küchenzeile, mindestens ein Schlafzimmer und ein Bad mit Dusche. Je nach Größe gibt es noch weitere Extras: Whirlpool, Sauna oder sogar ein Heimkino. Bodentiefe Fenster und große Bullaugen ermöglichen einen eindrucksvollen Blick aufs Wasser – auch vom Bett aus. Das besondere Highlight ist allerdings eine großzügige Terrasse mit reichlich Platz für Tisch, Stühle und Sonnenliege. Wer also nach dem Frühstück spontan ins Wasser springen möchte, bekommt die Gelegenheit.

 

Nachhaltige Technik

Hausboote und schwimmende Häuser werden auf Pontons errichtet, die überaus tragfähig und langlebig sind. Die Schwimmkörper sind in der Lage, ein Haus ohne Probleme für einen sehr langen Zeitraum sicher über Wasser zu halten. Schwimmende Häuser werden in den meisten Fällen in Fertigbauweise gebaut. Das heißt, die einzelnen Komponenten werden wegen einer besseren Logistik vorproduziert und erst am Liegeplatz auf der Schwimmplattform fixiert. Bis der „Rohbau“ steht, braucht es daher meist nur wenige Wochen. Im Anschluss findet der Innenausbau statt. Wie auch beim Schiffsbau fällt die Materialwahl meist auf Holz. Die charakteristische Optik einer Holzfassade ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Darüber hinaus punktet der natürliche Werkstoff mit seiner positiven CO2-Bilanz. Aber auch Aluminium, Stahlblech oder Beton werden immer häufiger für die schwimmenden Häuser eingesetzt.

 

Hausboot mit Dachgarten in Amsterdam – die Mutter aller Hausbootstädte.

Hausboot mit Dachgarten in Amsterdam – die Mutter aller Hausbootstädte.

 

Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Konstruktion moderner Hausboote und schwimmender Häuser eine große Rolle: Möglichst wenig CO2-Ausstoß bei der Herstellung sowie natürliche und recycelbare Materialien – das wünschen sich immer mehr Kunden. Viele Anbieter wollen künftig autarke Häuschen etablieren, die ihre Energie komplett selbst erzeugen. Schon jetzt kommen Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz, die das See- oder Flusswasser als Wärmequelle nutzen. Auch Hausboote, die komplett aus Solarzellen gespeist werden, wurden bereits umgesetzt.

 

Wohin soll es gehen?

Ein paar Tage auf einem Hausboot sind zweifellos etwas Besonderes. Und das Angebot wird immer größer: Die Unterkünfte können nicht mehr nur in klassischen Hausbootstädten wie Amsterdam gemietet werden, man findet sie mittlerweile fast überall dort, wo es einen Fluss, Kanal oder See gibt. Zu den beliebtesten Orten in Deutschland gehören definitiv Berlin und Brandenburg. Was auf der Spree teils aus Wohnmangel entstand, ist inzwischen zum echten Trend geworden. Aber auch an vielen anderen Gewässern wie Mecklenburgische Seenplatte, Rhein, Mosel und Lahn gibt es ein vielfältiges Angebot an Hausbooten und schwimmenden Häusern.

 

Die Lagunenlandschaft Südindiens von einem traditionellen Hausboot aus erkunden.

Die Lagunenlandschaft Südindiens von einem traditionellen Hausboot aus erkunden.

 

Wer sich für ein Leben auf dem Wasser entscheidet, hat einiges zu beachten: Ein Hausboot benötigt einen festen Standort – einen Liegeplatz. Für die Landeswasserstraßen sind die örtlichen Behörden zuständig. Die Nutzung der Zufahrtswege und eventuelle Verpachtung muss der Hausbootbewohner in Spe mit den Besitzern klären. Auch der Anschluss an Strom- und Wasserversorgung sowie Müllabfuhr und Postzustellung müssen geregelt sein. 

 

Hausboote im Center Park Bispingen

Hausboote im Center Park Bispingen

 

Fotos: W. S., FHG floating house GmbH/www.floatinghouse.de (3), Nautilus Hausboote GbmH (2), Center Park Bispingen
Titebild: Schwimmendes Holzhaus in Kanada: Sieht so die Zukunft des Wohnens aus?

    

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