Lifestyle

Es wohne die Individualität

Die Lebensstile der Menschen sind heute völlig unterschiedlich. Das Streben nach Individualität bildet sich in vielen Aspekten ab und zeigt sich auch in der Art und Weise, wie man sich einrichtet. Ein Trend, der sich schon seit ein paar Jahren deutlich abzeichnet und von der Möbelindustrie durch ein breites Angebot mit vielen Wahlmöglichkeiten unterstützt wird. Auf der imm cologne 2018 wurden mehr als 100.000 Möbel und Einrichtungsgegenstände gezeigt – davon waren etwa ein Drittel Neuheiten. Einige davon sind jetzt auf dem Weg in die Möbelhäuser.

Die Zeiten, in denen man sich nach den Bildern im Katalog einrichtete, sind vorbei. Viele Menschen haben eine klare Vorstellung davon, wie sie wohnen möchten. Dafür bieten die Möbelhersteller eine Vielzahl an Optionen, die beispielsweise aus einem Seriensofa ein ganz persönliches machen. Unterschiedliche Materialien, Stoffe, Farben, verstellbare Lehnen und Sitzhöhen – der Käufer kann sich beinahe alles individuell zusammenstellen.

Neben der Individualität zeigt sich in Köln ein weiterer bereits bekannter Trend. Die Menschen mögen es gerne gemütlich. „Mit einer organischen Formensprache, authentischen Materialien, warmen Farben geht das für die meisten Menschen besser, als mit schlichten, kantigen und kühlen Möbelentwürfen“, erklärt Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie e. V. Dabei seien auch bunte Kombinationen aus Möbeln, Wandfarbe, Tapete, Dekorationen und Accessoires beliebt und ließen vor allem die gewünschte Individualität erkennen. 

So gibt es in dieser Möbelsaison viele Sitzmöbel mit organischen Formen. Das Design ist weich, hat keine Kanten oder geometrischen Formen. Bei den Bezugsstoffen spielen Naturfasern wie Cord und Samt eine große Rolle. Farblich ist das blaue Farbspektrum sehr beliebt. Ob Hellblau, Türkis oder Petrol – Blau beruhige und stehe, so Geismann, für Harmonie. 

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Panton Chair in einer Jubiläums-Edition von Vitra, www.vitra.de

Individualität zeigt sich aber auch in der bewussten Entscheidung für ein bestimmtes Möbel, das man gezielt zum Eyecatcher und Mittelpunkt in den eigenen vier Wänden macht. Das kann eine Legende der Designgeschichte sein, eine besondere Sofalandschaft oder ein ausgefallener Sessel. Eine Design-Ikone ist beispielsweise der fertigungstechnisch revolutionäre Panton Chair. Erstmals wurde er vor 50 Jahren auf der imm vorgestellt. In diesem Jahr hat Vitra in Köln zwei limitierte Editionen des Klassikers gezeigt: den Panton Chrome und den Panton Glow. Der Stuhl lebt von seiner dynamisch geschwungenen Form und den jetzt verspiegelten Oberflächen.

Kein Klassiker, aber der Inbegriff von Gemütlichkeit ist das Sofa Filousof des Polstermöbelherstellers Bretz. Ganz individuell kann jedes Kissen im Rücken, Sitz- und Armlehnen sowie der Korpus mit einem anderen Bezug, in einer anderen Farbe und Muster bezogen werden. „Die Gedanken sind frei“, sagt Bretz dazu. Ein anderer Hingucker ist Schönbuchs Neuinterpretation des altmodischen Servierwagens. Der Designer Sebastian Herkner hat ihm eine minimalistische Form verliehen, die der Architektur der 50er-Jahre nachempfunden ist. Grace ist vielseitig einsetzbar – als mobile Bar, als Beistelltisch oder als Ablage.

 

Möbel, Möbel und noch mehr Möbel auf der imm cologne 2018: u. a. das Sofa Filousof von Bretz (rechts) und der Servierwagen Grace von Schönbuch (links). www.bretz.de, www.schoenbuch.com

Möbel, Möbel und noch mehr Möbel auf der imm cologne 2018: u. a. das Sofa Filousof von Bretz (rechts) und der Servierwagen Grace von Schönbuch (links). www.bretz.de, www.schoenbuch.com

 

Eine Weiterentwicklung von Polstern, auf denen man einfach „nur“ gut und bequem sitzt, ist das Sitz- und Ruhemöbel Moss. Das COR-Sofa ist besonders weich und großzügig und soll, so der Design-Ansatz, größtmöglichen Komfort bieten. Die Formensprache ist sehr reduziert, die einzelnen Elemente und Konturen sind wie aus einem Monolithen herausgearbeitet. Das Untergestell hat zierliche Metallfüße und ist kaum sichtbar. Ein massives Buchenholzgestell bildet das Fundament des schwebend anmutenden Möbelkörpers. „Auf dem neuen Polstermöbel ruht man mehr als weich: wie auf einem Bett aus Moos“, verspricht COR bei der Premiere in Köln.

 

Eine Art Diwan des 21. Jahrhunderts: Große Kissen mit sanftem Knautscheffekt bieten großen Sitzkomfort – Moss von COR. www.cor.de

Eine Art Diwan des 21. Jahrhunderts: Große Kissen mit sanftem Knautscheffekt bieten großen Sitzkomfort – Moss von COR. www.cor.de

 

Die Schweizer Ledermöbelmanufaktur de Sede hat gleich 15 Neuheiten auf der Möbelmesse gezeigt, darunter die DS-1000 Liege. Ihr Design zeigt sich in einer Röhrenkonstruktion im Kopf und Fußbereich. Breite Ledergurte umfassen die Rohre und tragen die dünne Liegefläche. Diese abgesteppte Matte spannt sich zwischen Kopf- und Fußteil und ist als schwebendes Element der Kontrast zur Rohrkonstruktion. Ausgefallen ist der Sessel DS-2878 in Form eines Boxhandschuhs, der im Maßstab 7:1 gefertigt wurde; eine Reedition von 1978.

 

Ungewöhnlich: der Sessel in Form eines Boxhandschuhs (links) von de Sede. Ausgefallen: Die DS-1000 Liege (rechts) von de Sede mit ihrer Röhrenkonstruktion. www.desede.ch

Ungewöhnlich: der Sessel in Form eines Boxhandschuhs (links) von de Sede. Ausgefallen: Die DS-1000 Liege (rechts) von de Sede mit ihrer Röhrenkonstruktion. www.desede.ch

 

Massiv: die Tischblätter von Conte Caserta werden aus einem Stück Holz gefertigt. www.conte-caserta.co

Massiv: die Tischblätter von Conte Caserta werden aus einem Stück Holz gefertigt. www.conte-caserta.co

Aus einem einzigen Stück Akazienholz gefertigt ist der Tisch von Conte Caserta. Die Maserung, die sich über die gesamte Länge des Tischs zieht, wirkt wie ein abstraktes Gemälde. Conte Caserta fertigt aus Akazienholz individuelle massive Tischblätter, die aus der Mitte des Stammes geschnitten und im Ganzen verarbeitet werden. Individualität bedeutet hier für jeden etwas anderes. 

Fotos: Koelnmesse/imm cologne: Bretz, Schönbuch, Vitra, cor, de Sede, Conte Caserta

    

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