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Black power – flower power

In den 1960er Jahren herrschte in den USA ein starkes politisches Reizklima. Die Bürgerrechtsbewegung, der Vietnamkrieg, blutige Aufstände und die Ermordung des farbigen Bürgerrechtlers Malcolm X brachten Amerika zum Brodeln. Das Museum Ludwig in Köln zeigt in seinem neuen Fotoraum Fotografien, die das Künstlerpaar Ruth-Marion Baruch und Pirkle Jones in San Francisco machte: „Black Power – Flower Power“.

Die 52 Fotografien wurden bereits 2013 von der Pirkle Jones Foundation geschenkt, aber jetzt sind sie erstmals komplett zu sehen. „Black Power – Flower Power“ dokumentiert das Milieu, das sich in den 1960er Jahren vor der Haustüre von Jones und Baruch abspielte. Blumenkinder und die Idee von der friedlichen Selbstverwirklichung des Individuums auf der einen Seite und auf der anderen die Black Panthers, die mit ihrem Zehn-Punkte-Programm gegen gesellschaftliche Ausbeutung und Unterdrückung kämpften. Nicht zuletzt richteten sie sich gegen willkürliche Polizeigewalt und lehnten Gewalt als Mittel nicht ab. Im Stadtbild fanden sich agitative Plakate der Panther neben den tranceartigen Postern der Hippies.

Baruch und Jones interessierten sich beide für die Hippiekultur in ihrer Stadt. So verbrachte Ruth-Marion Baruch 1967 viel Zeit im Stadtteil Haight-Ashbury, dem Zentrum der alternativen Flower-Power-Szene. Das Programm der Hippies fand sie an jeder Straßenecke und hielt die Eindrücke in ihren Bildern präzise fest. Ein schönes Beispiel ist die Fotografie „Jesus‘ verkauft des Oracle“. Pircle Jones interessierte sich vor allem für die Hausboot-Community Gate Five in Sausalito. Er begleitete die Kommune von Freigeistern, Künstlern und Aussteigern mehr als zwei Jahre konstant. In dieser Zeit entstanden „Trampende Mutter mit Kind“ und „Wayne mit seinem Papagei“.

 

Museum Ludwig Ausstellung Black Power

„Jesus‘ verkauft das Oracle“, Haight-Ashbury, aus: Haight Ashbury, 1967 // Ohne Titel (Stand der Black Panthers beim BlackFestival, Marin City, CA, aus einem Foto- Essay über die Black Panthers), 1968 // Trampende Mutter mit Kind, 1971

 

Ruth-Marion Baruch wandte sich nach diesen Projekten der Black Panther Party zu, die sich von der gewaltfreien Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings abgrenzte. Sie plante die Fotoreihe zunächst alleine und hatte das Ziel, dem stark negativen Bild der Presse entgegenzuwirken. Letztendlich entstand eine Kooperationsarbeit mit Pirkle Jones.

Baruch (1922-1997) und Jones (1914-2009) lernten sich 1946 an der California School of Fine Arts in der Fotografieklasse von Ansel Adams kennen. Beide hatten in ihrem Leben Erfahrungen gemacht, die ihnen die Augen für bestimmte Situationen öffneten. Ruth-Marion Baruch war 1927 mit ihrer Familie vor den Nazis von Berlin nach New York emigriert. Pirkle Jones war in Indiana und Louisiana Zeuge von rassistischen Übergriffen geworden.

Eine Spotify-Playlist (www.goo.gl/UYFvyP) ermöglicht es den Besuchern, sich auch audiovisuell in den damaligen Zeitgeist hineinzufinden.

Die Ausstellung ist bis zum 3. Juni im Museum Ludwig in Köln zu sehen: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10-18 Uhr. 

www.museum-ludwig.de

 

Titelbild: Wayne mit seinem Papagei, 1970
Fotos: Pirkle Jones Foundation (4)

    

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