Kultur

Mackes Erbe

August Macke ist einer der großen Söhne Bonns. Ein Verein und eine Stiftung verfolgen seit Jahrzehnten das gemeinsame Ziel, Mackes Werk zu erhalten und es ebenso wie das Leben des Künstlers der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. RHEINexklusiv sprach mit dem Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes, Dr. Christoph Siemons, über August Macke und dessen Erbe.

 

Welche Bedeutung hat August Macke heute für Bonn?
Das August Macke Haus vermittelt – ähnlich wie das Beethovenhaus – nicht nur die private, persönliche Aura des Künstlers und seines familiären Umfeldes, sondern auch die kultur-, kunsthistorischen und biografischen Bezüge, in denen Leben, Werk und Wirken August Mackes –  insbesondere auch in Bezug auf Bonn – standen.

August Macke selbst gilt heute als einer der bedeutendsten und populärsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine Kunstauffassung und sein künstlerisches Schaffen besitzen besondere Potenziale, die es zu nutzen gilt – auch zum Wohle der Stadt.

Macke und Beethoven – sind sie Konkurrenten, z. B. wenn es um die Förderung geht?
August Macke und Ludwig van Beethoven sind unbestritten zwei große Söhne unserer Stadt, die durch ihre herausragende künstlerische Arbeit zu Recht hohe Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten. Sie als Konkurrenten zu bezeichnen, auch wenn es nur um das Thema Förderung geht, halte ich für nicht zielführend. Ich sehe sie als zwei Kunstbotschafter für unsere Bundesstadt Bonn, die sich ideal ergänzen.

Welche Verbindung hatte August Macke, der 1887 im Sauerland geboren wurde, zu Bonn? 
August Macke hat seine entscheidenden Entwicklungsjahre in Bonn verbracht, das seit früher Jugend sein Lebensmittelpunkt war. Seit 1900 wohnte er mit seinen Eltern in der Meckenheimer Straße 29 (heute Thomas-Mann-Straße) und besuchte bis zur Aufnahme seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie 1904 das Realgymnasium in der Doetschstraße. Auf seinem Schulweg lernte er 1903 seine spätere Frau Elisabeth Gerhardt kennen, Tochter einer angesehenen Bonner Unternehmerfamilie.

Die Familie unterstützte bereits früh Mackes künstlerischen Werdegang und stellte dem Paar schließlich 1910 das Haus in der Bornheimer Straße zur Verfügung, das heute in der Stadt als August Macke Haus bekannt ist.

In dem für ihn im Dachgeschoss ausgebauten Atelier schuf August Macke in der kurzen Zeitspanne von 1911 bis 1914 den größten und bedeutendsten Teil seines umfangreichen Oeuvres. Viele seiner Werke weisen enge motivische Bezüge zu Bonn und zur unmittelbaren Umgebung seines Hauses an der Bornheimer Straße auf.

Heute gibt es einen Verein und eine Stiftung, die sich um das Erbe Mackes kümmern. Woher kommt dieses breite Engagement und wie hat es sich entwickelt?
Lange Zeit war August Macke im kulturellen Profil und im öffentlichen Bewusstsein der Stadt wenig präsent, obwohl das Kunstmuseum beispielsweise eine sehr attraktive Macke-Sammlung hat.

Das Macke Haus selbst war in einem zunehmend beklagenswerten Zustand und auch nicht öffentlich zugänglich. Zeitweise drohte ihm sogar die vollständige Entkernung.

Diese Entwicklung führte in einem ersten Schritt dazu, dass am 26. September 1989, Mackes 75. Todestag, engagierte Bonner Bürgerinnen und Bürger den Verein August Macke Haus e.V. gründeten. Ziel war es, das ehemalige Wohn- und Atelierhaus als biografisches Museum einzurichten und die Erforschung des Rheinischen Expressionismus zu fördern. Zum Kreis der Gründungsmitglieder gehörten seinerzeit bereits Vorstandsmitglieder der Bonner Sparkasse.

Am 25. September 1991 konnte das Haus dann nach einer ersten Sanierung feierlich der Öffentlichkeit übergeben werden.

Der Verein sorgt dafür, dass das Künstlerhaus für Besucher geöffnet ist,  und füllt es mit Leben. Seit der Eröffnung des August Macke Hauses wurden über 70 Ausstellungen realisiert, die regelmäßig weit über die Region hinaus Beachtung finden. Zudem wurden eine Sammlung, ein Archiv sowie eine Bibliothek zu August Macke und zum Rheinischen Expressionismus angelegt, die ständig erweitert und ergänzt werden. 2003 hat der Verein die museumspädagogische Arbeit mit Kindern und Schülern aufgenommen und kontinuierlich ausgebaut.

Die 1994 auf Initiative der Sparkasse gegründete Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn unterstützt den Verein auf vielfältige Weise, unter anderem bei der Finanzierung der jährlichen Betriebskosten für das Haus. Sie übernahm auch das Macke Haus von der Stadt mit dem Ziel, es dauerhaft zu erhalten.

Im Jahr 2004 erwarb die Stiftung ein Nachbargrundstück, um das Künstlerhaus zu einem späteren Zeitpunkt funktional ergänzen zu können. Am 22. Juni 2015 war es dann so weit. Mit dem offiziellen Spatenstich wurde der Erweiterungsbau in Angriff genommen.

Der Erweiterungsbau – wozu dient er?
Das unter Denkmalschutz stehende spätklassizistische Macke Haus mit dem zum Atelier ausgebauten Dachgeschoss, seinen intimen Wohnräumen und seinem idyllischen Garten soll als Künstlerhaus zukünftig der Person August Macke vorbehalten sein. Es wird als  biografisches Museum eingerichtet. Eine anschauliche Dokumentation zu Leben, Werk und Umfeld des Künstlers im ganzen Haus sowie im Garten werden den Künstler erlebbar machen.

Der Erweiterungsbau wird die Funktionen übernehmen, die in dem Künstlerhaus bisher bei einer Grundfläche von knapp 70 Quadratmetern nur begrenzt untergebracht und betrieben werden konnten. Dazu zählen vor allem die Wechselausstellungen, die Museumspädagogik, größere Veranstaltungen, Lagermöglichkeiten sowie Kasse, Garderobe, Büro- und Bibliotheksräume. Darüber hinaus wird er den barrierefreien Zugang zum Atelier und zu den übrigen beiden Etagen des Künstlerhauses ermöglichen.

Mit dem Ensemble von authentischem Künstlerhaus und Erweiterungsbau können Stiftung und Verein der Öffentlichkeit demnächst an einem Ort einen umfassenden Einblick in Leben und Werk des Künstlers bieten, den es in dieser besonderen Zusammenstellung in Deutschland nur hier gibt.

Der „blaue Salon“ vor dem Umbau: Im August Macke Haus verbrachte der Maler von 1911 bis zu seinem frühen Tod 1914 die produktivsten Jahre seines Lebens.

Der „blaue Salon“ vor dem Umbau: Im August Macke Haus verbrachte der Maler von 1911 bis zu seinem frühen Tod 1914 die produktivsten Jahre seines Lebens.

Wie weit sind die Arbeiten?
Der Rohbau ist zügig vorangegangen und nun fertiggestellt, die Fenster sind eingebaut und die Arbeiten für den Innenausbau sind in vollem Gange. Das Künstlerhaus wird derzeit umgebaut und musste daher vo-rübergehend geschlossen werden. Wir liegen voll im Zeitplan, der Fertigstellung und Eröffnung in 2017 vorsieht.

Herr Siemons, für dieses Engagement sind sicher auch finanzielle Mittel in erheblichem Umfang erforderlich. Woher kam das Geld?
Da ist zunächst das Stiftungskapital, das die Sparkasse als Stiftungsgründerin und die privaten Zustifter eingezahlt haben. Ohne das wäre die Stiftung nicht in der Lage, ihren Zweck nachhaltig zu verfolgen, geschweige denn ein Projekt wie den Erweiterungsbau anzugehen.

Darüber hinaus konnten wir für Sanierungsarbeiten und den Erweiterungsbau umfangreiche Finanzierungsmittel bei öffentlichen, aber auch bei vielen privaten Förderern akquirieren. Hierfür sind wir sehr dankbar. Stellvertretend für die vielen Unterstützer, ohne die ein solches Vorhaben finanziell unmöglich ist, will ich an dieser Stelle nur den verstorbenen ehemaligen Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Guido Westerwelle, nennen. Er war als Bonner von Anfang an ein Fan des Macke Hauses und hat sich mehrmals und nachhaltig für diese gute Sache eingesetzt.

Wie wichtig ist ein solches gemeinsames Engagement, um die Kultur in der Stadt gezielt zu fördern?
Je mehr Akteure in einer Stadt sich auf dem Parkett der Kultur bewegen, desto vielfältiger wird sie wahrgenommen. Hinzu kommt, dass Künstlern in der eigenen Stadt nicht immer die Bedeutung beigemessen wird, die ihnen überregional zukommt. August Macke war ein solches Beispiel. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir mit unserem „Macke-Projekt“ einen wertvollen Beitrag für den Bonner Norden und die schon heute attraktive Kulturszene der Stadt leisten werden.   

Die Stadt Bonn hat uns in den letzten Jahren mit Rat und Tat über alle Hierarchien hinweg gut unterstützt. Die Zusammenarbeit zwischen Kunstmuseum und dem August Macke Haus ist weiter gewachsen und wird von beiden Seiten gepflegt. Mir ist bewusst, dass wir keine permanente finanzielle Unterstützung durch städtische Zuschüsse erwarten dürfen. Ich bin aber überzeugt, dass die Stadt auch weiterhin das August Macke Haus als einen wichtigen Teil der Bonner Kulturlandschaft sieht und unsere Arbeit durch die Stadt wohlwollend begleitet wird.

Sie engagieren sich persönlich sehr stark für das Macke Haus. Haben Sie eine besondere Beziehung zu dem Künstler?
Ich bin sehr früh, als ich meine neue Aufgabe in der Sparkasse KölnBonn aufgenommen habe, enger auch mit dem August Macke Haus in Berührung gekommen. Der Funke ist sofort übergesprungen. Mir wurde bewusst, welche Persönlichkeit und welches künstlerische Vermögen sich hinter Macke verbirgt, für das auch ein persönliches Engagement sehr lohnenswert ist. Ich kann heute sagen, ich bin ein echter Bewunderer von August Macke geworden.

Haben Sie ein Lieblingsbild?
August Macke hat so viele faszinierende Werke hinterlassen, dass es nicht leichtfällt, eines davon besonders herauszuheben. Mackes Bilder sprechen das Gemüt an, machen gute Laune und ihre Motive scheinen gut verständlich. Sehr angetan bin ich beispielsweise vom Seiltänzer, den Macke in seinem letzten Schaffensjahr 1914 gemalt hat und der gleichermaßen etwas über Macke selbst und über die fragile gesellschaftliche Situation seiner Zeit aussagt.

Aber ob es nun Bilder mit Blick aus seinem Atelier sind oder Szenen aus dem Leben, es gibt mehrere Werke, die mir besonders gut gefallen.

Ich empfehle jedem, sich einfach selbst davon zu überzeugen, wie genial dieser Künstler war. Wenn unser Museumsort „Künstlerhaus August Macke“ nächstes Jahr an der Bornheimer Straße, Ecke Hochstandring, neu eröffnet wird, bietet sich hierzu eine ganz besondere Gelegenheit. 

christoph_siemons_macke_hausKünstlerhaus mit Erweiterungsbau ist seit Anfang 2009 Vorstandsmitglied der Sparkasse KölnBonn; zuständig für Privatkunden inkl. Private Banking.

Im Jahr 2010 wurde er Vorstandsvorsitzender der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn. In dieser Funktion engagiert er sich mit Begeisterung dafür, Werk und Leben von August Macke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Titelbild:
Visualisierung der Zukunft: Künstlerhaus mit Erweiterungsbau

Gefördert von/vom:
• der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
• Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport
• Landschaftsverband Rheinland
• der NRW-Stiftung Natur – Heimat – Kultur,
• zahlreichen privaten Förderern und Bonner Unternehmen
• sowie der Stiftung August Macke Haus der Sparkasse in Bonn

Fotos: P. M. J. Rothe, Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn, KKW Architekten/Entwurf Architekt K.-H. Schommer

    

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